Geometrie-Piraten

eine Spielerezension von Heike und Andreas Bolle - 15.12.2009
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Geometrie-Piraten von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Eine Truhe mit einem dicken gewölbten Deckel lässt vermuten, dass man hier einen wahren Schatz vor sich hat. Die Truhe ist mit einem Magnet verschlossen. Wenn man sie öffnet, findet man eine Menge vielversprechendes Material und zwei dicke Anleitungsbücher. Im ersten Buch, der Spielanleitung, werden drei Spiele vorgeschlagen, in denen es darum geht, geometrische Formen zu erkennen.

Im ersten Spiel sind die Formen einmal auf Spielkarten aufgedruckt und einmal als Holzform vorhanden. Die Spielkarten werden nacheinander aufgedeckt und die Spieler müssen alle gleichzeitig nach den entsprechenden Holzformen greifen. Wer als erster die richtige Holzform erwischt, bekommt einen Punkt. Eine Spielkarte, auf der ein Pirat abgebildet ist, bringt zusätzlich Spannung und Bewegung ins Spiel.

Das zweite Spiel ist etwas ruhiger, weil die Spieler dabei nacheinander spielen. Die Holzteile kommen in ein Stoffsäckchen. Die Spieler sollen nun, ohne in das Säckchen zu schauen, immer die Holzform herausholen, die gerade auf der Spielkarte abgebildet ist. Beide Spiele lassen sich sowohl mit Flächen (Kreis, Quadrat und so weiter) als auch mit Körpern (zum Beispiel Kugel, Würfel, Kegel) spielen. Auch hier sorgt der Pirat für Abwechslung.

Beim dritten Spiel geht es darum, in Abbildungen von einfachen Gegenständen geometrische Formen zu erkennen, zum Beispiel in der Abbildung von einem Haus Quadrate, ein Dreieck und ein Rechteck. Es geht wieder um schnelle Reaktion, denn auch bei diesem Spiel schnappen alle Spieler gleichzeitig nach den entsprechenden Holzformen. Auch bei diesem Spiel gibt es eine Variante mit Körperformen, dann besteht zum Beispiel das Haus aus einem Würfel und einer Pyramide.

Die Spielideen zu den drei vorgeschlagenen Spielen sind nicht besonders originell. Etwas erkennen und schnell danach greifen, ist die Idee von vielen Reaktionsspielen. Und Fühlsäckchen kennt man schon von Kinderfesten. Neu ist nur, dass es sich um geometrische Formen handelt. Geometrie-Piraten ist nicht nur ein Gesellschaftsspiel, es ist vor allem eine Sammlung von Lernmaterial.

Zusätzlich zu der Spielanleitung gibt es einen Ratgeber, in dem erklärt ist, wie die Flächen und Körper heißen, welche  Eigenschaften sie haben und wie sich die Körper als zweidimensionale Netzabbildung darstellen lassen. Der Ratgeber schlägt Übungen vor, die Eltern mit ihren Kindern machen können. Sie können zum Beispiel die Kinder beschreiben lassen, wie viele Ecken, Kanten und Flächen ein Körper hat. Die Kinder können sich anschließend mit einer Drehschreibe selbst überprüfen. Oder die Kinder können versuchen selbst Netzabwicklungen zu den Holzkörpern zu zeichnen. Die Eltern können die Zeichnungen mit Hilfe des Ratgebers korrigieren.

Braucht ein Grundschulkind überhaupt so viele theoretische Informationen? Geometrie-Piraten enthält schönes und stabiles Material, aber es fehlt dem Spiel an innovativen Spielideen und an Anregungen zur Kreativität. Die Kinder können nur richtige oder falsche Antworten geben, sie können nicht selbst etwas schaffen. Auf dem Spielkasten wird versprochen, dass Geometrie-Piraten den Umgang mit Flächen- und Körperformen fördert, außerdem räumliches Vorstellungsvermögen und Tasten und Fühlen. Die Frage ist, ob sich diese Fähigkeiten nicht besser mit einer großen Packung Bauklötze oder mit einem Bastel-Nachmittag fördern lassen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
1 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
6
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
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