Get Lucky

eine Spielerezension von Markus Nussbaum - 26.03.2015
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Gesellschaftsspiel Get Lucky - Foto von Truant
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Wer hat nicht schon einmal das Bedürfnis gehabt, einen besonders bösen Zeitgenossen heimtückisch um die Ecke zu bringen? Weil er sich in einer Warteschlange vorgedrängelt hat, zum Beispiel. Oder weil die Person eine nervige Quasselstrippe ist und sich zu allem Überfluss auch noch unmodisch kleidet. Liegt es da nicht nahe, diesen schönen Hammer in die Hand zu nehmen oder den etruskischen Dolch? Und auf eine günstige Gelegenheit zu warten wie z. B. romantisches Mondlicht, sternenklarer Himmel und einen zehn Meter tiefen Fall auf ein moosbedecktes Kopfsteinpflaster? Ja?

Dann ist Get Lucky (Truant) genau das richtige Kartenspiel, um diese morbiden Gelüste auszuleben. Hier geht es nämlich wie in der Brettspielvorlage Kill Dr. Lucky einzig und alleine darum, den fiesen Dr. Lucky umzubringen. Weil er es verdient hat!

So wird Get Lucky gespielt

15 Charaktere versammeln sich zu einer Dinnerparty auf dem Landsitz von Dr. Lucky, von denen jeder Spieler zwei Personen übernimmt. Drei Personen befinden sich im neutralen Salon und einige sind abwesend (das hängt von der Anzahl der Teilnehmer ab). Das Ziel: Man versucht, Dr. Lucky zu töten. Das Problem: Die anderen versuchen es auch und hintertreiben die Mordversuche der Mitspieler mit List und Tücke.

Jeder Spieler erhält sechs Handkarten, die aus den Kartentypen "Waffe", "Motiv", "Gelegenheit" und Tücke bestehen können. Dazu die bereits erwähnten zwei Charakterkarten, die die Spieler offen vor sich auslegen. Alle Karten (außer den Tückekarten) tragen Zahlenwerte von 1 bis 15.  Dr. Lucky – in Form einer kleinen schwarzen Spielfigur – wandert nun von der niedrigsten zur höchsten ausliegenden Charakterkarte und beginnt seine Runde dann wieder bei der niedrigsten. Wenn man am Zug ist, kann man eine Karte ziehen, eine Karte auf die eigenen Charaktere ausspielen, um ihre Fähigkeiten zum Morden zu verbessern, oder einen Charakter gegen einen anderen aus dem Salon tauschen. Das ergibt dann Sinn, wenn man nur Spielkarten auf der Hand hat, die vom Zahlenwert zu einer anderen Person besser passen. Man tauscht dann die Person mit allen ggf. schon darauf befindlichen Verbesserungskarten.

Landet Dr. Lucky auf einer der Salonkarten, darf sich jeder Spieler Karten nachziehen, wenn er weniger Karten auf der Hand hat, als die von Dr. Lucky besetzte Charakterzahl angibt.

Punkte für den spielerischen Mord

Wenn Dr. Lucky bei seinem Rundgang auf einer Karte stehenbleibt, die einem Spieler gehört, hat dieser als vierte Zugmöglichkeit die Chance, einen fiesen Mordversuch zu starten. Mordversuche werden in Punktwerte umgerechnet, d. h., eine einfache Charakterkarte zählt einen Punkt, kommt eine Waffe, ein Motiv oder eine Gelegenheit hinzu, dann steigt die Gesamtpunktzahl auf vier. Ist es auch noch eine Karte, die die gleiche Zahl wie der Charakter trägt, dann ist es eine perfekte Waffe/Gelegenheit oder das perfekte Motiv, und diese Karten zählen dann je zwei Punkte. Ein Mordversuch kann also maximal sieben Punkte Wert sein.

Und nun müssen die Mitspieler im Uhrzeigersinn versuchen, diesen Mordversuch zu vereiteln, in dem sie Dr. Lucky mit ein wenig Glück unter die Arme greifen. Dazu spielt man möglichst eine oder mehrere Karten aus, die an der Seite ein bis zwei Glücksklee-Symbole tragen. Jedes Symbol reduziert den Mordversuch um einen Punkt. Ziel der Mitspieler ist es, den Mordversuch auf null Punkte zu reduzieren und ihn so zum Scheitern zu verurteilen. Hat man eine Karte ausgespielt, die die gleiche Zahl wie der Charakter des aktiven Mörders trägt, dann ist der Mordversuch sofort gescheitert.  Schaffen es die anderen nicht, die Punkte auf Null zu reduzieren, dann ist der Mord erfolgreich und der aktive Spieler hat gewonnen. Mit Ausspielen der Tückekarten, die im Spiel sind, kann man die Punkte eines gegnerischen Charakters dauerhaft reduzieren.

Wie gut ist Get Lucky?

Das Spiel macht schon alleine Spaß, weil die Kartentexte einfach großartig geschrieben sind. In unserer ersten Runde haben wir die sorgfältig durchgelesen und kamen tatsächlich aus dem Lachen kaum noch raus. Für das Spielvergnügen an sich ist das Durchlesen aber nicht zwingend erforderlich.

Zartbesaitete oder sensible Gemüter werden an den teilweise drastischen Beschreibungen der diversen Tötungsphantasien kaum Spaß haben, aber Freunde des schwarzen Humors kommen auf ihre Kosten. Die Spieldauer ist mit ca. 20 Minuten erfreulich kurz und animiert zu einer weiteren Meuchelrunde. Allerdings ist das Spiel zu zweit (Sonderregel) nicht so unterhaltsam, wie in der Vollbesetzung. Die Altersangabe ab 14 Jahren ist dem Thema geschuldet und auch zu empfehlen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
14-
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2014
Spielkategorisierung
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