Glück auf: Das große Kartenspiel

eine Spielerezension von Carsten Wesel - 25.09.2017
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Glück auf: Das große Kartenspiel - Foto eggertspiele
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Es war einmal ein Brettspiel, das im Reiche der Spieler gern gespielt wurde, so gern, dass es für den Verlag schon fast logisch war, zu diesem wunderbaren Brettspiel ein ebensolches Kartenspiel zu verlegen. Wie schnell so etwas geht, wage ich nicht zu tippen, aber Fakt ist, dass es inzwischen vorliegt und die Spieler sich auch mit diesem Kartenspiel wunderbar den Abend gestalten können - fast so, als wäre es ein richtige Brettspiel. Aber dazu später, ich will nicht so viel vorgreifen.

Glück auf : Das große Kartenspiel ist Ableger des Brettspiels

Wie es sich für ein Kartenspiel gehört, besteht Glück auf - Das große Kartenspiel von Wolfgang Kramer und Michael Kiesling (eggertspiele/Pegasus Spiele) aus einer nicht geringen Menge an Karten, die das Adjektiv "groß" im Titel durchaus rechtfertigt. Gelagert sind diese Karten - wie wir es auch von diversen Ausgaben von Dominion schon kennen - senkrecht stehend in der Schachtel und gut sortiert, bevor sie zu Spielbeginn in einer umfangreichen Auslage auf dem Tisch platziert werden. Jeder Mitspieler wird außerdem mit einer eigenen Ablage bedacht und dann kann es auch schon losgehen.

Wer das Brettspiel Glück auf kennt, der wird im Kartenspiel vertraute Züge entdecken - und das ist gut, macht es den Einstieg doch so viel bequemer und die Spieler viel empfänglicher für die Regeln. Es geht auch im Kartenspiel wieder darum, Kohle zu transportieren und damit Aufträge zu erfüllen - das Mittel hierzu sind Arbeiter und diese Arbeiter wollen für bestimmte Aktionen eingesetzt werden. Der Preis für eine Aktion startet bei 1 und steigert sich jedes mal, wenn diese Aktion erneut gewählt wird. Das bedeutet, dass eine beliebte Aktion für den fünften Spieler, der sie machen möchte, schon fünf Arbeiter kostet. Eine gut gemachte Parallele zum Brettspiel Glück auf.

Wie in jedem guten Kartenspiel ist alles in diesem Spiel auf Karten zu finden, so auch meine Arbeiter und die zur Verfügung stehenden Aktionen. Nicht zu vergessen die Aufträge, von denen es einfache und schwerere gibt. Für die einen reicht es, sie mit wenig Loren voll Kohle zu bestücken, während die umfangreicheren bis zu vier Loren benötigen. Das will erst einmal besorgt werden - und genau dafür hat jeder Spieler sein eigenes Tableau mit drei Bahngleisen, auf denen Lokomotiven und Loren rangiert und zu Zügen zusammengestellt werden. Dabei dürfen auf keinem Gleis alle Arten von Loren fahren. Hauptsache ist hier, dass es mehr Arten von Loren als Gleise gibt und sich so eine kleines Dilemma einstellt, denn neue Loren kommen auch nur brav der Reihe nach, in der sie gekauft wurden und manchmal sind es halt genau die falschen, die kommen und die Zug-Zusammenstellung nicht immer ganz einfach machen. Das gilt auch wenn ich ein Abstellgleis habe, denn das ist nicht wirklich günstig. Ist ein Gleis mit der gewünschten Kombination von Loren bestückt, ist es an den passenden Lokomotiven, den Zug zur Erfüllung des Auftrages abfahren zu lassen und so die gewünschten Siegpunkte zu erlangen.

Die Lokomotiven, die Loren und die Kohle sind aber noch längst nicht alles, denn ich kann z. B. auch Anteile an den Kohlefirmen erwerben, um meine zugehörigen Aufträge wertvoller zu machen. Und auch damit ist noch nicht alles erzählt, was in diesem Spiel möglich ist und Punkte bringt - aber doch zumindest die Hauptpunkte habe ich erwähnt. Alle Feinheiten und Möglichkeiten darf gerne jeder für sich finden, denn jedes gute Spiel hat es verdient, dass man selbst aktiv wird und versucht, seine Mechanik zu durchschauen und zu überlisten. Da ist Glück auf - Das große Kartenspiel nicht anders.

Lohnt sich Glück auf: Das große Kartenspiel?

Schön ist in diesem Zusammenhang, dass ich nicht der einen guten Strategie folgen muss, sondern frei in meinen Entscheidungen bin und auf vielen Wegen zum Ziel kommen kann. Die richtigen Entscheidungen sind so meist die, die in der aktuellen Runde von weniger Spielern gebraucht werden und somit günstiger sind. Werden Lokomotiven jetzt teuer, so warte ich noch eine Runde und decke mich derweil mit den passenden Loren oder der Kohle ein - und wenn das auch nicht geht, kann ich noch immer anti-zyklisch meine Aufträge besorgen und so meine Worker gezielter einsetzen. Aber auch anti-zyklisch zu spielen ist nicht immer die beste Wahl, denn das wäre ja zu einfach.

Okay, das Spiel macht Spaß - so viel ist klar. Aber woran liegt das? Ist es der klare Ablauf, der mir sofort so verständlich ist, weil er genau so wirklich ablaufen könnte? Oder ist es das gelungene Gefühl zu erleben, das Brettspiel wieder vor sich zu haben und den Kern passend dort extrahiert und hier integriert zu sehen? So ist es wohl - ein wenig von Allem. Ich kann überall agieren und werde selten zu Aktionen gezwungen. Okay, manchmal reichen hier oder dort meine Arbeiter nicht aus oder ich bin nicht bereit, diesen Preis zu zahlen, aber dann kann ich immer noch etwas abseits meines Wege gehen, um ihn dann in der nächsten Runde wie gedacht fort zu setzen.

Außerdem liegt mit Glück auf: Das große Kartenspiel ein Spiel vor, dass die Wartezeiten bei dem Spielern minimiert, sodass man tatsächlich kaum darauf warten muß, wieder am Zug zu sein, sondern den kurzen Moment, den mal eben nicht dran ist, zum Überlegen nutzen kann, wie gleich - oh, jetzt schon - der eigene Zug fort gesetzt werden kann. Ein Fakt, der unglaublich zu einem flüssigen Spiel und damit zu einem positiven Spielgefühl beiträgt.

Was schon im Brettspiel gefallen hat, gefällt jetzt auch im Kartenspiel: Der einfache Zugang zur Kern-Mechanik, die auch hier wunderbar passend in das Kartenspiel integriert wurde. Man merkt zügig, wie das Spiel gespielt wird und legt mal hier einen Zahn und dort mal einen Arbeiter zu, um mitten im Geschehen zu bleiben und das Spiel intuitiv zu spielen. Danke an die Regeln, die einen sinnvollen Ablauf ermöglichen und mich dadurch im Spiel unterstützen.

Wenn ich jetzt vor die Wahl gestellt werden würde, das Brett- oder das Kartenspiel zu spielen, so würde ich immer zum Kartenspiel greifen, da es die positiven Aspekte des Brettspiels übernommen hat und auf das Fördern der Kohle verzichtet - ein Teil, der thematisch wunderbar zum Brettspiel passte, aber leider nicht ganz so flüssig umgesetzt war, wie es angenehm wäre. Das Kartenspiel hat solche "Ecken" nicht und daher gefällt es.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
50-80
Jahrgang: 
2016
Spielkategorisierung
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Spielethema: 
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