Grabräuber aus dem All

eine Spielerezension von Frank Biesgen - 31.10.2005
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Grabräuber aus dem All von Truant
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Dies ist ein Titel, der zwangsläufig Erwartungen weckt. Zumindest bei eingefleischten Filmfans, denn Grabräuber aus dem All war der ursprüngliche Name des offiziell schlechtesten Filmes aller Zeiten, „Plan 9 aus dem Weltall“, vom anerkannt miesesten Regisseur, Edward D. Wood jr., dem ja mittlerweile selbst ein Denkmal in Zelluloid gesetzt wurde. Hoch gesteckte Ziele also, die es zu erfüllen gilt. Ob das Spiel das schaffen kann?

Jeder Mitspieler übernimmt die Rolle eines Regisseurs, der versucht, allen Budget-Beschränkungen zum Trotz einen möglichst erfolgreichen B-Film auf die Beine zu stellen. Nachdem man sich (mit Hilfe zufällig ausgewählter Spielkarten) auf einen möglichst fantasievollen Titel geeignet hat, beginnt das eigentliche Spiel. Reihum spielt dann jeder beliebig viele seiner sechs Handkarten aus, um damit seinen persönlichen Film aufzuwerten: ein paar Darsteller und ein Drehort, aber auch diverse Waffen und Gegenstände als Requisiten. Ab der zweiten Runde beginnt der Zug eines Spielers mit dem Auffüllen seiner Kartenhand, und nunmehr können auch Monster ausgespielt werden. Diese wirken direkt auf gegnerische Filme und kosten den anderen in der Regel einen seiner Darsteller. Allerdings kann sich der bedrohte Spieler mit Spezialeffekten zur Wehr setzen, und auch die übrigen Mitspieler können sich in einem solchen Kampf auf die eine oder die andere Seite schlagen. Darsteller und Requisiten sorgen dabei für besondere Eigenschaften, welche zu berücksichtigen sind.

Das Spiel endet entweder, wenn der Spieler am Zug eine Abspann-Karte auslegt, was nur erlaubt ist, wenn er noch mindestens einen Darsteller in seinem Film hat und niemand das Ausspielen mit Spezialeffekten verhindert, oder der Aufnahmestapel wurde einmal komplett durchgespielt. In beiden Fällen zählen nun pro Film die auf den Karten angegebenen Werte zuzüglich eventueller Bonuspunkte, falls ein Spieler auf diesen und seinen verbliebenen Handkarten noch Wörter des vorher festgelegten Filmtitels vorweisen kann.

Ach du meine Güte. Um mit dem Positiven zu beginnen: Grabräuber aus dem All wurde definitiv von Kennern des Genres gemacht. Jeder, der auch nur über einen Grundstock an Wissen über schlechte Horror- und Science-Fiction-Filmen verfügt, wird problemlos viele der auf den Karten dargestellten Charaktere und Situation wieder erkennen. Sämtliche vorhandenen Klischees werden einem links und rechts um die Ohren gehauen, dass es eine wahre Freude ist – Kompliment hierfür!

Nun gehört zu einem gelungenen Spiel aber auch ein vernünftiger Mechanismus, und hier kann das Werk, vorsichtig formuliert, nicht überzeugen. Nichts gegen ein kurzweiliges "Bier-und-Bretzel-Spiel", bei dem man nur von seinen Handkarten abhängig ist. Doch nach einigen Runden merken die Spieler, dass sie zu Beginn ihres Zuges immer wieder bei Null anfangen, da zwischenzeitlich meist sämtliche Darsteller aus ihrem Film freundlicher Weise von den Gegnern entsorgt wurden. Ist man in der Lage, das Spiel mittels Abspann zu beenden (wovon es lediglich zwei Karten gibt), wird dies in der Regel ebenfalls verhindert. Im Gegensatz zu einem Munchkin etwa, wo durchaus ähnliche Kampfsituationen entstehen können, fehlen hier einfach die kleinen Erfolgserlebnisse: Nichts ist sicher, alles kann sich bis zur nächsten Runde wieder ändern, was eine extrem hohe Frusttoleranz erfordert. Irgendwann ist der Kartenstapel eben durchgespielt, und dann halt einer gewonnen. Das Spiel ist reiner Selbstzweck und der Reiz durch die Gestaltung hält leider nicht einmal über die erste Partie.

Grabräuber aus dem All ist ein Spiel mit einer Botschaft. Und diese Botschaft lautet: Finger weg! Definitiv etwas, auf das Ed Wood stolz gewesen wäre – dahingehend werden die Erwartungen also wirklich voll erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen. Vielleicht lässt sich der Verlag aber auch eine andere Lösung einfallen, um die Karten nicht verkommen zu lassen ... Wie wäre es mit Sammelheftchen zum Einkleben?

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
40
Jahrgang: 
2003
Spielkategorisierung
Spielethema: 
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