Grog Island

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 12.09.2015
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Gesellschaftsspiel Grog Island - Foto von eggertspiele

Piraten sind auch nur Menschen. Wirklich und echt wahr. Naja, vielleicht ist ihr Berufsalltag ein wenig blutrünstiger und gewalttätiger als unser. Aber auch Piraten sehnen sich nur noch nach Ruhe und Frieden, wenn sie das Ende ihres aktiven Erwerbslebens erreicht haben. Möglichst auf einer idyllischen Insel mit netten Nachbarn. Und mit einem Häuschen, in dem sie ihren Enkelkindern von den früheren Abenteuern erzählen können. Als sie selber noch richtig blutrünstig und gemein waren. Nicht so wie heute, in ihrem Ruhestandshäuschen auf Grog Isand.

Aber wie Piraten halt nun mal so sind, wird selbst die Vorbereitung der bevorstehenden Pensionierung zum Wettkampf umfunktioniert. Das Ganze zwar nicht mehr ganz so blutrünstig und gewalttätig wie das frühere Berufsleben geführt. Aber mit unverminderter Entschlossenheit und Härte dann schon. Und genau davon handelt Grog Island, ein taktisches Würfelspiel mit pfiffigen Einzelheiten und kleinen Gemeinheiten, die es in sich haben.

Wie wird Grog Island gespielt?

Ein Würfelspiel beinhaltet Würfel; klar, sonst wäre es ja kein Würfelspiel. Aber bei Grog Island haben Würfel eine andere Funktion als sonst üblich. Sie sind für einmal nicht Einfallstor für Glück und Zufall und andere Unwägbarkeiten im Spiel. Vielmehr dienen sie zur Festlegung der Preise und Kaufangebote für die Häuschen. Schließlich wollen diese ordentlich gekauft und bezahlt werden. Eben, die Piraten sind nicht mehr die früheren Rabauken und Bösewichte. Da hatten sie die Verkäufer geköpft und deren Besitztümer gewaltsam übernommen. Aber sowas wäre halt nicht mehr ganz Enkelkind-kompatibel. Und das ist den Piraten inzwischen wichtig geworden.

Also, es gilt Häuschen auf fünf Inseln zu kaufen. Möglichst so, dass sie mit persönlichen Auftragskarten übereinstimmen. Diese tragen am Ende der Partie Siegpunkte ein, beispielsweise für Häuschen mit einem bestimmten Symbol, die stärkste Verbreitung auf einer vorgegebenen Insel oder die Anzahl bestimmter Warenplättchen. Das Recht zum Erwerb von Häuschen wird dabei jede Runde neu versteigert. Dazu wird gewürfelt. Anschließend dürfen die Würfel nach Belieben ausgetauscht und umplatziert, nicht dagegen ihre Zahlenwerte verändert werden. So werden einerseits die Kaufpreisangebote festgelegt und andererseits bestimmt, auf welcher Insel effektiv gebaut werden darf.

Aussteigen oder nicht?

Der siegreiche Spieler zahlt nämlich die Summe seiner Würfelzahlen in Gold und erhält anschließend einige Belohnungen. Dabei ist entscheidend, in welcher Reihenfolge er die Würfel platziert hatte (oder platzieren musste) und auf welcher Insel er schlussendlich bauen darf. Und da dabei gewisse Regeln zu beachten sind, kann längst nicht immer wie gewünscht gehandelt und gebaut werden. Steigt dagegen ein Pirat aus der Versteigerung aus, erhält er Warenplättchen in der Farbe der nicht im aktuellen Kaufgebot ausliegenden Würfel. So kann ganz schön taktiert werden, indem wenige, aber dafür hohe Würfel ausgelegt werden, die den Gegnern das Aussteigen schmackhaft machen und sie von weiteren, noch höheren Geboten abhalten sollen.

Beim Bieten und Aussteigen ist daher auf Vieles zu achten. Selbst die Würfelzahlen sind nämlich doch nicht immer fix, sondern können gegen Abgabe von Papageienkarten nachträglich noch verändert werden. Das beeinflusst normalerweise die Ausgangslage für alle nachfolgenden Spieler und kann auch etwas dauern, da nicht immer alles vorhergeplant werden kann, sondern unter Umständen die Auslage neu beurteilt und durchgerechnet werden muss. Aber insgesamt läuft das Ganze doch recht flott und übersichtlich ab, besonders weil sich der Ablauf mehr oder weniger unverändert zu wiederholen beginnt.

Hat jemand sein letztes Crewmitglied zu einem der Häuschen gestellt, endet das Spiel. Nun decken alle Spieler ihre Zielkarten auf und werten diese aus. Zudem gibt es Punkte für übrig gebliebenes Gold sowie unbenutzte Papageienkarten. Und dann wissen wir, wer der erfolgreichste der friedlich gewordenen Piraten ist.

Wie gut ist das Würfelspiel Grog Island?

Grog Island stammt von Michael Rieneck (eggertspiele/Pegasus Spiele) und lebt von seinem Versteigerungsmechanismus. Das Austauschen und Umgruppieren der Würfel ist interessant und ermöglicht gewisse Versuche trickreicher Manöver. Wer dabei allerdings zu offensiv vorgeht, muss die nachfolgenden Runden büßen und zuerst seine Barschaft wieder aufbauen. Wer andererseits aber zu lange zögert, kann arg ins Hintertreffen geraten, wenn die eigenen Wunsch-Häuschen durch die Gegner erworben oder aber zugedeckt und so aus dem Spiel genommen werden. Wichtig ist außerdem der gute Einsatz und der Wiedererwerb von Papageienkarten, um nicht dem Zufall der Würfelwürfe (der dann doch wieder als solcher wahrgenommen wird; vgl. oben) ausgeliefert zu sein. Und da kann es ganz schön frustrieren, wenn die Würfel einfach nicht so hingelegt werden können, dass sie zu den eigenen Auftragskarten passen und nicht auf anderen, weniger interessanten Inseln gebaut werden muss.

Als Spiel in der Familie mit oder ohne Enkelkindern oder auch im Freundeskreis taugt Grog Island bestens und kommt auch ganz gut an. Der knallharte Wettstreit unter Piraten oder anderen Hardcore-Kämpfern ist es aber nicht und will es auch gar nicht sein; Hafenszenerie mit Seeräubern und Totenkopfabbildung auf der Spielschachtel hin oder her.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
40-75
Jahrgang: 
2014
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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