Harvest Island

A Fruit Grower

eine Spielerezension von Jörn Frenzel - 14.05.2020
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Harvest Island - Ausschnitt - Foto von Jumbo
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Lesezeit: ca. 5 Minuten

Wann hat Jumbo eigentlich das letzte Mal was Gutes raus gebracht? Mittlerweile schaue ich auf der Spielmesse an dem Stand in Essen gar nicht mehr vorbei und hatte nie das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Dann kommt da so eine unscheinbare, mit modernen verspielten Grafiken versehene Schachtel in mein Haus, die ich am liebsten wieder gar nicht angerührt hätte - Jumbo halt. Da erwartet man nichts Tiefgründiges, denn die Zeiten von Targui sind lange vorbei. Dann arbeite ich mich durch die Anleitung und denke: "Auch das klingt alles nicht so richtig gut." Und dann wird es alles ganz anders! Harvest Island von Chih-Fan Chen ist interessant. Obstbauern auf irgendeiner fiktiven Insel in Asien in der in den uns bekannten Jahreszeiten zu sein und dabei die besten Ernten einzufahren, ist unser erklärtes Ziel. Dass die Früchte verschiedene Siegpunkte bringen und wir sie nur sammeln, gestaltet sich aber nicht gerade einfach, dafür sehr spannend.

Wie funktioniert eine Partie Harvest Island?

Obstkarten mit einer bestimmten Anzahl an Früchten und dazugehörige Wetterkarten werden anhand ihrer Farben in vier Jahreszeitenstapel sortiert und der Reihe nach durchgespielt. Dabei ist auf einem Jahreszeitentableau sehr gut zu erkennen, wie viele Früchte es in jeder Jahreszeit gibt und auch wie der Wettergott es mit uns meint. Neben diesem Tableau kommen noch Düngekarten, Erntemarken sowie Tiermedaillen dazu, auf denen ebenfalls die mitspielenden Früchte aufgedruckt sind. An einem fiktiven Markt werden noch Früchtekarten an die Seite des Plans gelegt und jeder Spieler bekommt zum Start schon vier Früchtekarten. Wetterkarten werden hierbei noch ausgetauscht, da sie erst im eigentlichen Spiel eine Bedeutung haben. Drei Feldkarten ermöglichen uns den Anbau eben dieser Obstkarten, wobei entweder 3, 5 oder unendlich viele Obstkarten angelegt (gepflanzt) werden dürfen.

Harvest Island - Aufbau - Foto von Jörn Frenzel

Das eigentliche Spiel besteht dann wiederum daraus, aus einer von zwei Aktionen auszuwählen:

  1. Das Land bearbeiten oder 
  2. Ernten

Das Feld wird bestellt

Bei der ersten Aktion spielt man zwei Karten aus der Hand und kann zwischen säen, pflanzen, düngen und pflücken wählen. Wenn man sich entschließt zu säen, legt man eine Obstkarte als Saatgut an eine eigene Feldkarte an. Pflanzen heißt, man legt passend zum Saatgut eben genau die gleichen Obstkarten oberhalb der Feldkarte an, und düngen erlaubt anstatt einer Obstkarte eben eine Düngekarte anzulegen. Diese können wir aber nur erhalten, wenn wir zwei Karten zum Pflücken in den Vorratsbereich unter den Markt legen. Das ist die Bedingung dafür, dass wir eine Düngekarte ziehen dürfen. Sind dann dort irgendwann vier Karten, wird der Markt geleert und mit den Vorratskarten aufgefüllt. Haben wir uns entschieden, wohin wir die zwei Karten gespielt haben, können wir wieder zwei Karten nachziehen. Entweder vom Markt oder vom jeweiligen Jahreszeitenstapel. Vom Vorrat kann man dabei nie ziehen, denn der Markt wird grundsätzlich erst nach dem Spielerzug ausgetauscht.

Ernte einfahren

Die Aktion Ernten bedeutet, dass wir einfach unsere Obstkarten oberhalb unserer Feldkarten abernten und dabei die Punkte einsammeln. Düngekarten zählen dabei wie zwei Karten, bringen aber im eigentlichen Sinne keine Punkte. Wären da nicht die Tiermedaillons. Denn wer die meisten Karten einer Sorte aberntet, bekommt eben dieses Medaillon, das am Ende acht Punkte einbringt. Je nachdem, wie viele Obstkarten man dabei erntet, legt man die Messlatte für das Tiermedaillon auf unserem Tableau immer höher. Denn das Obstplättchen wird immer auf das Feld gelegt, mit deren Anzahl  man die Obstsorte abgeerntet hat. D. h., wenn man das Medaillon für z. B. drei Traubenkarten bekommen hat, muss man vier Traubenkarten abgeben, um das begehrte Tiermedaillon dem lieben Mitspieler abzuluchsen.

Harvest Island - Karten - Foto von Jörn Frenzel

Leider gibt es in jedem Jahreszeitenstapel Wetterkarten (Sonne-/Regenkarten) und die müssen beim Ziehen ausgelegt werde. Dabei hebt sich eine Sonnenkarte mit einer Regenkarte immer auf, aber wehe es kommen drei Karten einer Wettersorte zum Vorschein. Dann haben wir Unwetter und müssen die Hälfte unser Karten beim besten Obstfeld wegwerfen und dabei natürlich die punkteträchtigsten Karten. Da heißt es, rechtzeitig ernten, aber reicht es dann noch für das Tiermedaillon? Natürlich wollen wir immer die billigste Karte als Saatgut auslegen, nur leider ist das Obst ernten eben kein Kinderspiel. Da wird knallhart miteinander konkurriert.

Lohnt sich Harvest Island?

Was sich wie Bohnanza anhört, spielt sich auch ähnlich, wurde hierbei nur um einige Nuancen erweitert. Ich habe längst nicht alle Bohnanzaerweiterungen gespielt und habe keine Ahnung, ob das Harvest Islandspielprinzip dort schon irgendwo ausprobiert wurde. Aber das Spiel hat auf alle Fälle gehörig Spaß gemacht. Es zwingt einen dauernd zu misslichen Entscheidungen, vielleicht den lieben Mitspielern doch etwas in den Vorrat zu legen, oder doch zu früh zu ernten, da z. B. Mango scheinbar nicht mehr auftauchen wird.

Am Ende kann es zum richtige Zocken kommen, denn legt man noch aus und hofft, dass die anderen ernten, damit wir auch noch dazu kommen. Das treibt den Adrenalinspiegel in die Höhe, denn gelingt es nicht, gibt jede Karte nur zwei Siegpunkte auf dem Feld.

Harvest Island - Schachtel - Foto von Jumbo

Die Grafiken sind leider zu verspielt. Da wird den Tieren oft mehr Aufmerksamkeit geschenkt und die Obstsorte wirkt etwas verloren. Auch ist die Sprache auf den Karten nur in Englisch - und was bitte ist Tankan? Aber man gewöhnt sich daran und der Spielspaß wiegt die grässlichen Grafiken auf. Dabei funktioniert das Spiel in jeder Besetzung hervorragend.

Was eigenartig aussieht, spielt sich hervorragend. Nur fürchte ich, dass alleine das Cover nicht zum Kaufen anregt und bis jetzt ist mir dieses Brettspiel noch in keinem Laden aufgefallen. Das ist sehr schade, denn es hat Aufmerksamkeit verdient. Das war schon bei Bohnanza so, da hat der Comicgrafikstil geholfen, es vom Cover her schon ansprechend zu gestalten. Das hat man hier leider versäumt. Kurz: Kommt es euch irgendwo unter, probiert es aus. Bei uns hat es in jeder Spielegruppe funktioniert. Und alle hatten gehörig Spaß am Kampf um die meisten Punkte beim Obst ernten.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2019
Spielkategorisierung
Fotos
Harvest Island - Aufbau - Foto von Jörn Frenzel
Harvest Island - Karten - Foto von Jörn Frenzel
Harvest Island - Schachtel - Foto von Jumbo
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