Hero Clix

ein Spiele-Artikel von helden.de - 30.06.2003
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Letztens kam ich in den Rollenspielladen in meiner friedlichen Stadt und sah an den Tischen dort junge Jugendliche ein Spiel spielen, dessen Figuren mir irgendwie bekannt vorkamen: Da waren Spiderman und die Sentinels aus den alten und neuen Comics. Was war hier geschehen? WarWarhammer aus der Mode gekommen? Gab es tatsächlich einen neuen Renner auf dem Markt? Also habe ich mich etwas schlau gemacht. Das Spiel heißt HeroClix und ist tatsächlich der Renner aus den USA.

Bisher hatten die Marvel Superhelden immer unter schlechten Regeln, wenig ansprechenden Aufmachungen und zu abstrakten Methoden zu leiden. Versuche gab es genug, die Superhelden ins Rollenspiel einzubringen: Marvel Superheroes, DC Heroes Role-Playing, Marvel SAGA. Bei HeroClix wurde hingegen darauf geachtet, dass es nicht nur leicht zu lernen und gut spielbar ist, sondern auch, dass es Spaß macht und man einfach mit bereits existierenden Superhelden spielt. HeroClix basiert auf einem vereinfachten Mage Knight-System und ist natürlich auch von der gleichen Firma (WizKids) auf den Markt gebracht worden.

Man spielt also Superhelden, die über vier Attribute: Speed, Attack, Defense und Damage verfügt und zudem noch eine Superfähigkeit haben. Jeder Spieler hat zwei Aktionen pro Zug, die von der Größe seines Teams oder seiner Armee beeinflusst werden. Jede Figur kann bis zu eine Aktion pro Zug machen. Dabei bestimmt Speed die Anzahl der Bewegungsfelder (hier verwendet das Spiel anders als Mage Knight keine Inches sondern eine Anzahl von Feldern auf einer Hexkarte). Gewürfelt wird mit zwei W6 beim Angriff gegen den Defense Wert des Gegners, um bei Übertreffen dieses den unter Damage angegeben Schadenswert anzurichten. Der Schaden, den Charaktere einstecken, bestimmt nun die Veränderungen, die mit ihnen einhergehen. Normalerweise reduzieren sich dadurch die Superkräfte.Und das ist mehr oder minder alles, was man wissen muss: Bewegung und Angriff!

So ist das System leider etwas einfach gehalten und zielt meiner Meinung eher auf jüngere Spieler ab, was sich wohl auch an den Miniaturen und dem Thema des Spiels zeigt, denn Superheldencomics sind zwar nett zu lesen, aber ein Tabletop-Spiel mit ihnen zielt meiner Meinung nach weniger auf Ältere ab.

HeroClix wird in einer Box mit acht fertig bemalten Figuren, einem Spielplan und „allem was man zum Spielen braucht“ verkauft. Die Figuren an sich sind relativ „nett“. Sie sind allesamt etwas strahlender als die Mage Knight-Ausgaben, haben recht gute gemalte Gesichter und die meisten haben sogar Pupillen. Die Helden und Schurken in den Starterboxen sind bunt gemischt, sodass man als echter Comichardliner etwas irritiert ist, wenn man plötzlich mit einem Team aus Jean Grey, Blade, einem tumben Schläger und einem Agenten von Hydra endet. Das Spiel ist aber so angelegt, dass man mit solch ungewöhnlichen Teams spielt, auch wenn es sich lohnen kann wirkliche Comicteams zusammenzustellen. Wenn man beispielsweise die Gruppe X weiter vervollständigt, kann man Schaden auf einen Charakter nehmen und dafür einen anderen heilen.

Zusätzlich zu den Standardhelden gibt es besondere Ausgaben, Uniques. So hat Professor X in dieser Ausgabe einen schwebenden Rollstuhl und Spiderman ein schwarzes Kostüm. Andere Figuren gibt es sogar nur in dieser einzigartigen Ausgabe: Nightmare, Quasar und Vision.Die Figuren haben drei Kraftstufen: Rookie, Experienced und Veteran (also Anfänger, Erfahrener und Veteran). Ein Held mit einer höheren Kraftstufe kostet bei der Zusammenstellung eines Teams natürlich mehr als einer der niedrigen Ränge - bringt natürlich aber auch mehr Leistung. Der Aufstieg vollzieht sich auch durch so genannte Victory Points, die sich nach den Gegnern berechnen und in einem Fall sogar ziemlich saftig ausfallen können. Nämlich dann, wenn man einen Erzgegner besiegt. Es gibt immer zwei Figuren, die auf ihren Sockel die gleiche Farbe aufweisen, was sie als Erzgegner ausweist, zum Beispiel Spiderman und der Hobgoblin oder Wolverine und Sabertooth. Sie können nie in einem Team eingesetzt werden, bringen aber eben besondere Siegpunkte, wenn man sie besiegt.

Jede Figur hat eine Kampfscheibe in ihrem Fuß, auf dem man die Auswirkungen des eingesteckten Schadens anzeigen kann. Wie bereits erwähnt, werden die meisten Helden schwächer dadurch - es gibt jedoch „nette“ Ausnahmen, so wird beispielsweise Hulk stärker je mehr Schaden er nimmt. (Hierbei möchte ich noch erwähnen, dass das Spiel absolut nicht für jemanden ist, der seine Superhelden als unbesiegbare Superhelden sieht, denn hier sieht man selbst die Mächtigsten untergehen.)Andererseits findet man die Superkräfte recht schön umgesetzt. Abgesehen vom Hulk, habe ich zum Beispiel erlebt, wie Magneto seine Telekinese verliert, wenn er zu sehr geschwächt wird, und wie Captain America, Toughness bekommt, wenn er nur noch einen Treffer hat, was seine niemals-aufgeben-Einstellung ziemlich gut darstellt. Leider fehlen manche Dinge aber auch ganz. So hat Spiderman keinen Spinnensinn und der Juggernaut kann keinen Sturmangriff machen.

Abschlussbemerkung:Auch wenn wir eine Menge Spaß im Spiel hatten, es Laune macht, wenn man es schafft, seine Superhelden wie Superhelden einzusetzen, und es DER Renner zurzeit ist, muss ich leider sagen, dass ich der Meinung bin, dass ich schon zu alt für HeroClix bin. Es zielt eher auf jüngere Spieler und Sammler und erfahrene, ernsthafte Spieler werden die Spielmechanismen als mangelhaft und nicht wirklich ausgereift ansehen. Die Meinung meiner Freunde, die mehr Miniaturensysteme kennen und spielen, lässt sich am ehesten darin zusammenfassen, dass sie alle vorhaben, bei ihren Systemen zu bleiben.Aber die Figuren sehen wirklich cool aus!

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