I am Zombie: Play Kit

ein Spiele-Artikel von Christoph Brandt - 30.12.2016
I am Zombie: Play Kit - Abbildung von Make Beliebe Games
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Mit I am Zombie liegt endlich das lang erwartete, neue Rollenspielsystem von World-of-Darkness-Schöpfer Mark Rein*Hagen vor. Bereits im Sommer 2013 startete Rein*Hagen über Kickstarter die Finanzierung seines neuen Rollenspielprojektes I am Zombie. Nun ist es zumindest bereits auf Englisch erschienen, eine deutsche Ausgabe ist aber in Vorbereitung und wird wohl über Ulisses Spiele vertrieben werden. Wir werden uns hier zunächst der englischen Originalausgabe widmen, die neben dem hier zu besprechenden „Play Kit“ noch mit dem „Toxic Field Manual“ aufwartet, einer Art Settingband zu I Am Zombie.

Das I am Zombie: Play Kit kommt passenderweise in einer recht stimmig aufgemachten Pappbox daher. Es enthält das vollfarbige Regelwerk, sehr hochwertige Pappmarker und Kartendecks, viele Spezialwürfel sowie eine recht edle, mit silbernen Symbolen geschmückte Kladde. Alles macht einen überraschend wertigen Eindruck, allerdings ist auch viel Luft mit verpackt worden, sodass man sich fragt, ob so viel Box eigentlich notwendig ist.

Das Regelsystem von I am Zombie

I am Zombie basiert auf dem Axiom-Regelsystem. Der gesamte Spielmechanismus ist in 27 Axiomen festgelegt. Dies zeigt schon, dass I am Zombie nichts für regelverliebte Spieler ist, die sich gern in kleinteiligen Regeldiskussionen verstricken, sondern den Focus ganz klar auf das Erzählen einer Geschichte legt. Wie schon bei der World of Darkness hat Rein*Hagen ein erzählerisch orientiertes Rollenspiel geschaffen, bei dem es auf Stimmung und Story ankommt. Hier ist er sich absolut treu geblieben, oder er hat nicht den Mut zu etwas gänzlich Neuem gehabt.

Die Charaktererschaffung erfolgt nach einem „Ziehe-Fünf-Karten-Grundsatz". Auf den beidseitig bedruckten Karten sind verschiedene Archetypen abgebildet, welche zugleich Hintergrundgeschichte und Charaktereigenschaften festlegen. Ein einfaches System regelt, welche Karten gerade verwendet werden können und welche nicht. Zusammen mit fünf Attributen wie Mentale Stärke oder Soziales bilden diese die Fertigkeiten, über die ein Charakter verfügt. Insgesamt ist dies eine sehr interessante und innovative Mischung aus zufälliger und geplanter Charaktererschaffung.

Für Proben ist ein Würfelpoolsystem vorgesehen. Je nach Ausprägung der Fähigkeit werden drei oder mehr Würfel geworfen, die gemeinsam einen vom Spielleiter festgelegten Zielwert erreichen müssen. Zusätzlich können die Bump Chips genannten Pappmarker eingesetzt werden, um eine Probe zu beeinflussen. Auch das Kampf- und Magiesystem, das glücklicherweise auf den gleichen Spielmechanismen beruht, ist ähnlich simpel gestrickt.

Abgerundet wird schließlich alles durch die wunderschön gestaltete Kladde, die als Gruppennotizbuch fungiert. Hier werden die Charaktere mit ihren (kartenbasierten) Fertigkeiten, alle wichtigen Kontakte, Feinde und Orte festgehalten, sowie die wichtigsten Hinweise und Informationen, die die Gruppe im Laufe der Kampagne bekommen. So entwickelt sich ein Kampagnenalmanach, der alle relevanten Informationen enthält.

Welchen Gesamteindruck hinterlässt I am Zombie: Play Kit?

Das I am Zombie zugrunde liegende Axiom-Regelsystem bietet einige sehr interessante und auch innovative Ansätze. Die sehr überschaubaren Regelmechanismen haben aber auch eklatante Schwächen. Ich selbst schätze regelarme Systeme sehr, das Axiom-System ist mir aber dann aber doch zu sehr darauf ausgelegt Situationen im Sinne einer spannenden Story abzuhandeln, und nicht unbedingt realitätsnah oder wenigstens regelkonform. Das mitgelieferte Spielmaterial ist zwar durchgehend hochwertig, doch diese gehobene Qualität findet sich in der Strukturierung des Regelheftes leider nicht wieder. Trotz der überschaubaren Menge von 27 Axiomen ist es anstrengend die Regelmechanismen durchzuarbeiten, werden doch immer wieder neue Spielbegriffe eingeführt und nicht erklärt. Auch vermisse ich immer wieder einen Index, um bestimmte Stellen schnell wieder zu finden. Vielleicht wird hier in der deutschen Ausgabe noch nachgelegt.

Was mich aber am meisten stört ist, dass das Play Kit tatsächlich ausschließlich die Regelmechanismen erklärt. Es wird praktisch kein Wort zum Setting verloren, es gibt keine Weltenbeschreibung, keine Hintergrundinformationen, nichts! Also werden auch die Axiom-Regeln in keinster Weise in einen Zusammenhang mit dem Setting gebracht, was ich schade finde. Für eine Beschreibung der Spielwelt ist nämlich ausschließlich das Toxic Field Manual zuständig, nicht das Play Kit. Da das Axiom-Regelwerk auch kostenlos bei DriveThruRPG im Internet heruntergeladen werden kann, bekommt man beim Play Kit für sein Geld also streng genommen lediglich ein paar Karten, Pappmarker und eine Kladde, diese allerdings in überraschend guter Qualität. Aber ob das reicht? 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Altersangabe: 
13+
Jahrgang: 
2016