Il Vecchio

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 15.09.2013
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Il Vecchio von Hall Games/Pegasus Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Florenz und die Toskana im 15. Jahrhundert: Cosimo de Medici oder auch Il Vecchio, der Alte, genannt, begründet dort den späteren Einfluss der Medici-Familie indem er sein  Bankgeschäft von Rom nach Florenz verlegt. Durch geschicktes Agieren wird dieser Einfluss über Generationen von Florenz ausgehend über die gesamte Toskana ausgedehnt, bis zum Schluss das einstmals so unbedeutende Adelsgeschlecht der Medici im Konzert der Großen der Weltpolitik mitspielt.

Der Lauf der Geschichte ist wohlbekannt, im Spiel von Hall Games/Pegasus Spiele selbst versuchen die Spieler allerdings, die auch untereinander konkurrierende florentinische Familien verkörpern, den unaufhaltsam scheinenden Aufstieg der Medicis zu verhindern und selbst zur führenden Familie in Florenz aufzusteigen.

Der grafisch ein wenig an Hansa Teutonica erinnernde Spielplan zeigt die Toskana, welche durch Straßen in zwölf Regionen untergliederte ist. Diese Gebiete ordnen sich um Florenz als Zentrum herum an. In regelmäßigen Abständen finden sich an den vorgenannten Straßen auch Städte zwischen denen die Mitglieder der einzelnen Familien reisen können, um dort z. B. eine jeweils mögliche Orts-Aktion ausführen zu können.

Jeder Spieler kann in seinem Zug mit einem seiner Familienmitglieder eine Reise unternehmen und anschließend wenn möglich eine der folgenden Aktionen durchführen: eine Orts-Aktion ausführen, eine Provinz übernehmen, ein Amt in Florenz übernehmen, ein weiteres eigenes Familienmitglied ins Spiel bringen oder alle inaktiven Familienmitglieder wieder aktivieren. Hat ein Familienmitglied nämlich seine Aktion ausgeführt, wird es anschließend inaktiv und kann erst nach seiner Aktivierung erneut eine Aktion ausführen. Für die vorgenannten Aktionen müssen natürlich entsprechende Vorraussetzungen geschaffen worden sein. So ist manchmal die Anwesenheit eines der fünf Mittelsmänner im Spiel notwendig oder es werden eine Art Ressourcen benötigt die in Il Vecchio als Münzen, Kutschen, Gefolgsmänner, Schriftrollen oder Bischöfe definiert sind. Durch die Aktionen erhalten die Spieler wiederum mehr dieser Ressourcen oder aber Provinz- bzw. Florenzplättchen welche einmalige oder dauerhafte Boni gewähren oder gar Siegpunkte generieren. Durch diese vorgegebene Spiel-Struktur versuchen die Spieler zuerst möglichst effektiv an viele Ressourcen zu gelangen, um mit diesen dann in Folge rechtzeitig die starken Provinz- oder Florenzplättchen erwerben und nutzen zu können.

Natürlich versuchen die Medicis sich gegen diese dreisten Bedrohungen zur Wehr zu setzen. Dies geschieht immer dann, wenn ein Spieler eines seiner Familienmitglieder mit einem besonders gekennzeichneten Amt in Florenz bedenken will. Sofort wird ein Zufallsereignis ausgeführt, das in den wenigsten Fällen positiv für die Spieler verläuft. Mit der Ausführung des letztmöglichen Zufallsereignises wird die letzte Runde eingeleitet. Anschließend hat jeder Spieler noch einen Doppelzug zur Verfügung, bevor durch die Abschluss-Punktewertung der Sieger des Spiels bestimmt wird.

Il Vecchio ist ein typisches Mangelspiel. Es verbindet alle seine Spielelemente zu einem gut aufeinander abgestimmten funktionierendem Ganzen. Hat man die etwas ungegliedert geschriebene Spielregel erst einmal verstanden, steht einem schnellen Spiel nichts im Wege. Auch die Down-Time während der Züge der anderen Spieler ist recht gering, da vom jeweiligen Spieler immer nur eine Aktion ausgeführt werden kann. Die verwendeten, altbekannten Spielelemente funktionieren insgesamt recht gut, neue Impulse sucht man im Spiel allerdings vergeblich. Leider wirkt auch das Spielthema recht beliebig und so fühlen sich die Spieler nicht wirklich in die italienische Renaissance zurückversetzt.

Il Vecchio will sowohl ein anspruchvolles Familienspiel, als auch ein interessantes Brettspiel für Vielspieler sein. Da sich in diesem Segment aber viele gute Spiele tummeln wird es dem Spiel schwer fallen, sich langfristig durchzusetzen. Hier wäre vielleicht eine spezielle Spielregel für Vielspieler hilfreich gewesen. Ein Probespiel sei aber in jedem Fall angeraten, denn ein schlechtes Spiel ist Il Vecchio beileibe nicht.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
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