Imperial Settlers

eine Spielerezension von Anita Borchers - 08.10.2015
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Imperial Settlers von Ignacy Trzewiczek und Maciej Obszanski (Pegasus Spiele) ist ein Kartenspiel, in dem vier unterschiedliche Völker neues Land entdecken und für sich einnehmen. Doch wo Römer, Barbaren, Japaner und Ägypter aufeinander treffen, kann es über kurz oder lang nicht friedlich zugehen … Krieg bricht aus. Denn nicht nur das eigene Vorankommen bringt den Sieg näher, auch die Mitspieler an der entscheidenden Stelle schwächen, kann von entscheidender Bedeutung sein.

Wie wird Imperial Settlers gespielt?

Bis zu vier Spieler treten gegeneinander an. Jeder von ihnen spielt eines der genannten Völker und versucht, am Ende mit den meisten Siegpunkten als Sieger aus einer Partie Imperial Settlers hervorzugehen. Zu Beginn erhält jeder Spieler ein Deck aus 30 völkerspezifischen Karten und einer Völkertafel und schon kann das Spiel starten. Mit der Völkertafel verfügen die Spieler jeweils schon zu Spielbeginn über völkerspezifische Produktionsmöglichkeiten, Fähigkeiten und Aktionsmöglichkeiten, die sie im Laufe des Spieles durch das Ausspielen von Karten, sogenannten Orten, auf- und ausbauen können. Die völkerspezifischen Karten ergänzen die Möglichkeiten der jeweiligen Völkertafel, sodass jeder Spieler, also jedes Volk, über unterschiedliche Stärken und Schwächen verfügt. Die Barbaren gehen z. B. voll auf Masse: Ihnen stehen im Vergleich zu den anderen Völkern viele Arbeiter zur Verfügung. Außerdem stehen den Spielern noch 84 allgemeine Karten zur Verfügung, die für alle Völker interessante Erweiterungen bereithalten. Die Spieler erhalten stets eine Mischung aus beiden Kartensorten.

Zu Beginn jeder der fünf Runden gibt es Karten aus dem völkerspezifischen Vorrat und vom allgemeinen Kartenstapel. Außerdem erhält jeder Spieler Einkommen gemäß seiner Völkertafel und ggf. weiteren Produktionsmöglichkeiten (Karten). Zum Einkommen zählen unter anderem Arbeiter, Nahrung, Holz, Steine und Gold. Aber auch Karten, Zerstörungs- und Verteidigungsplättchen sind dabei.

In der zentralen Spielphase von Imperial Settlers, der Aktionsphase, gilt es nun, das eigene Reich geschickt zu vergrößern, um bessere Möglichkeiten für die Folgerunden zu schaffen und natürlich beharrlich an den Siegpunkten zu arbeiten. Schließlich sind sie es, die am Ende zählen.

Die lukrativste und nachhaltigste Art, sein Imperium aufzubauen, ist es in jedem Fall, sogenannte Ortskarten zu bauen. Es gibt drei unterschiedliche Arten von Ortskarten: Produktionsorte, Fähigkeitenorte und Aktionsorte. Ortskarten auslegen kostet Rohstoffe und ggf. einen Bauplatz. So muss man ggf. eine bereits liegende Ortskarte überbauen, um die neue auslegen und nutzen zu können. Produktionsorte bringen, wie der Name schon erahnen lässt, weitere Waren ins Spiel. Das Schöne daran ist, dass der Spieler nicht bis zur nächsten Ertragsphase warten muss, sondern sich sofort bedienen darf. Fähigkeitenorte bieten dem Spieler die unterschiedlichsten Möglichkeiten. So beziehen sie sich z. B. auf bereits ausliegende Karten („Nimm dir einen Siegpunkt für jede graue Karte in deiner Auslage“) oder verschaffen sehr preiswert einen Bauplatz. Aktionsorte ermöglichen günstige Tauschmöglichkeiten, um an fehlende Waren zu gelangen. Je nach Kartenart hat der Spieler mehr Einkommen, Fähigkeiten und Aktionsmöglichkeiten.

Die zweite Möglichkeit, die Aktionsphase zu nutzen, besteht darin, sogenannte Handelsabkommen zu treffen. Auch sie bescheren in den nächsten Ertragsphasen sofort Einkommen, sind preiswerter als Orte und vor der Zerstörung durch den Gegner sicher, bringen allerdings am Ende keine Siegpunkte.

Die dritte Art Aktionsphase ist das Zerstören. Dabei kann man zwei Zerstörungsplättchen investieren, um dem Gegner eine Ortskarte zu plätten. Man erhält die vorgesehenen Waren. Der Geschädigte geht immerhin auch nicht leer aus, sondern erhält ein Holz und kann die zerstörte Karte später als Bauplatz verwenden. Die oben erwähnten Verteidigungsplättchen kann man zwar nicht nutzen, um den Überfall zu verhindern. Aber sie verteuern den Angriff um ein weiteres Zerstörungsplättchen. Lediglich eine eigene Ortskarte kann jede Runde auf diese Art und Weise „geschützt“ werden. Übrigens: Für den Einsatz nur eines Zerstörungsplättchens kann ein Spieler eine seiner eigenen Handkarten zerstören und so ebenfalls die dafür vorgesehenen Waren kassieren, um evtl. Versorgungslücken zu schließen. Einen Bauplatz gibt es dafür aber nicht.

Bei der vierten und fünften Aktionsphasenart geht es um die Tauschmöglichkeit von Rohstoffen. Dabei können die oben genannten Aktionsorte (Karten) oder die Völkertafel genutzt werden.

Alles in allem erinnert die Aktionsphase nahezu an ein Perpetuum mobile, da für ausgelegte Karten oft sofort neue Waren für weitere Züge zur Verfügung stehen. Diese in einer geschickten Reihenfolge eingesetzt, können schier unendlich weitere Züge durchgeführt werden, wenn einem nicht irgendwann die Karten ausgingen. Spätestens dann bemerkt man, dass Karten die eigentlich raren Güter sind.

Wenn dann doch die Waren nach und nach zur Neige gehen und alle Spieler gepasst haben, wird die nächste Runde Imperial Settlers gestartet, allerdings müssen zuvor die Spieler sämtliche unverbrauchten Waren in den Vorrat zurücklegen, es sei denn, ihre Fähigkeiten erlauben das eine oder andere in die nächste Runde herüberzuretten.

Nach der fünften Runde Imperial Setters endet das Spiel. Zu den bisher erwirtschafteten Siegpunkten erhält jeder Spieler noch weitere Punkte für die Ortskarten in seiner Auslage: Dabei bringen die allgemeinen Karten einen Siegpunkt, Völkerspezifische Karten zwei Siegpunkte. Ggf. weitere Siegpunkte können einige Fähigkeitenorte bringen. Wer anschließend die meisten Siegpunkte erwirtschaftet hat gewinnt.

Wie gut ist Imperial Settlers?

Imperial Settlers ist ein sehr komplexes Aufbauspiel. Die Möglichkeiten in der Aktionsphase sind sehr umfangreich. Auch wenn das eigene Deck an Völkerkarten gut aufeinander aufbaut, hängen die Kombinationsmöglichkeiten der Ortskarten nicht unwesentlich vom Zugzufall ab, sodass es von wesentlicher Bedeutung ist, dass aufeinander aufbauende Karten in der richtigen Reihenfolge gezogen werden.

Während eine Partie zu zweit recht flüssig läuft, sollte man bei mehr Spielern entsprechend Geduld mitbringen. Imperial Settlers verfügt über wenig Interaktion untereinander aber viele Wahlmöglichkeiten für jeden Einzelnen. So bleibt einem außerhalb des eigenen Zuges nur, den anderen Spielern beim Denken zuzusehen, den nächsten eigenen Zug vorzubereiten oder einfach zu warten. Gerade, wenn man selbst bereits gepasst hat und auf die nächste Runde wartet, kann die Zeit schon einmal lang werden, besonders wenn die verbleibenden Spieler sich einfach nicht entscheiden können, was sie denn nun machen möchten.

Übrigens: Wie in der englischen Originalausgabe bereits verfügbar, sind auch für die deutsche Ausgabe schon Erweiterungen angekündigt.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spielerzahl: 
1-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45-90
Jahrgang: 
2015
Spielkategorisierung
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