Junk Yard Races

eine Spielerezension von Frank Biesgen - 31.10.2005
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Junk Yard Races von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Autorennspiele finden eigentlich immer ihre Fans, doch einen neuen Dreh zu offerieren, fällt den Verlagen bei der Vielzahl des Angebots mittlerweile schwer. Junk Yard Races versucht sein Glück mit der ungewöhnlichen Wahl eines Schrottplatzes als Ort des Geschehens.

In Karts Marke Eigenbau preschen die Spieler über das sorgfältig mit Hexfeldern gerasterte Gelände. Je nach Untergrund des Startfeldes (Asphalt, Gras oder Schlamm) wird mit einem bis drei Würfeln gewürfelt und das Kart um die volle Augenzahl bewegt, wobei pro Feld eine Drehung um 60 Grad durchgeführt werden darf. Freiwillig weniger Würfel einzusetzen als möglich, ist ausdrücklich erlaubt. Überfährt man bestimmte Felder, nimmt man Plättchen auf, welche Fallen und Hilfsmittel darstellen sowie den Erwerb von Schrottteilen ermöglichen, mit denen jeder sein Kart individuell ausrüsten kann. Darunter gibt es beispielsweise zusätzliche Antriebe, Reifensätze, die auch bei widrigen Bodenverhältnissen den Einsatz mehrerer Würfel ermöglichen, und diverse Gerätschaften, welche gegnerische Fallen außer Gefecht setzen oder deren Wirkung gar umkehren. Auch diese Fallen haben es nämlich in sich - während einige zu Beginn eines Zuges lediglich auf die das eigene Kart umgebenen Felder verteilt werden und beim späteren Überfahren ihren hinterlistigen Zweck erfüllen, können andere (zum Beispiel Raketen) gezielt gegen enteilende Mitspieler eingesetzt werden.

Passiert ein Kart erstmals die Ziellinie, so erhält der Besitzer zunächst einen Flaschendeckel. Bei der zweiten Durchfahrt gibt es eine komplette Colaflasche, und alle müssen ihre angesammelten Deckel sowie eventuelle doppelte Fahrzeugteile wieder abgeben. Danach geht das Rennen weiter wie gehabt, bis ein Spieler drei (bei zwei Spielern vier) Flaschen gesammelt hat und sich als Sieger feiern lassen kann.

Junkyard Races präsentiert sich grafisch recht ansprechend - die gewünschte Schrottplatzatmosphäre kommt gut rüber, der Kurs sowie die zahlreichen Plättchen sind liebevoll gestaltet, auch wenn in der ersten Partie nicht alle unbedingt sofort ihrer Funktion zugeordnet werden können. Der Spielablauf ist in sich schlüssig und bereitet nach kurzer Eingewöhnung keinerlei Probleme, und viele verschiedene Fallen und Gegenstände stehen zur Verfügung. Und doch will keine rechte Freude aufkommen: Das Ziehen der Plättchen und das Würfeln ergeben zusammen einen zu hohen Glücksfaktor, welcher den Ausgang eines Rennens belanglos erscheinen lässt. Interaktion findet trotz der Fallen vergleichsweise wenig statt, auch wenn die Anleitung das Handeln der erworbenen Teile erlaubt. Dass die Spieler über den genauen Ablauf dieses Handelns im Unklaren gelassen werden, mag man wahlweise als Flexibilität des Designs oder Beliebigkeit auslegen. Bei angemessener Spieldauer wäre dies alles durchaus noch hinnehmbar, wenn man seine grauen Zellen mal nicht über Gebühr strapazieren möchte ... Doch die angegebenen 120 Minuten werden eher über- als unterschritten.

In der vorliegenden Fassung ist Junk Yard Races daher leider kaum guten Gewissens zu empfehlen. Wenn ein Spiel jemals eines fähigen Redakteurs bedurfte, um den überbordenden Ideenwust des Autoren in den Griff zu bekommen und für einen ordentlichen Spannungsbogen zu sorgen, dann ist es dieses.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
9
Spieldauer (Minuten): 
120
Jahrgang: 
2003
Spielkategorisierung
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