Kazaam

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 04.10.2009
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Kazaam von Wolf Fang
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Der polnische Verlag Wolf Fang veröffentlichte als Neuling auf der Spiele Messe 2008 in Essen gleich eine Reihe von Spielen, unter anderem Kazaam. Die Spieler schlüpfen hierbei in die Rollen von angehenden jungen Alchimisten, deren wichtigste Prüfung gerade vor ihnen liegt. Die Erschaffung und Belebung ihres ersten Homunkulus. Erst danach wird der Meister entscheiden, welcher der Adepten der Beste ist und seine Ausbildung bei ihm beenden darf.

Als einen Homunkulus kann man im weitesten Sinne ein aus an sich toter Materie künstlich erschaffenes Lebewesen bezeichnen. So wäre zum Beispiel auch das allseits bekannte Geschöpf des Dr. Frankenstein ein Homunkulus. Allerdings driftet das vorliegende Spiel nicht in Richtung Horror ab, sondern ist, auch durch die schönen Illustrationen unterstützt, als Familienspiel zu bezeichnen.

Zu Beginn des Spieles erhält jeder Mitspieler ein, sich in den Farben unterscheidendes, Alchimistenbrett, welches die zu verkörpernde Figur des Adepten, dessen Lieblingszutaten beim Mischen von Zaubertränken und Ähnlichem, sowie die Positionen für die einzelnen Teile des Homunkulus zeigt. Solch ein Wesen muss hier aus insgesamt neun Bestandteilen zusammengesetzt werden. Aus dem Kopf, zwei Ohren, zwei Armen, dem Torso, zwei Beinen und dem Schwanz soll jeder Adept seinen Homunkulus ausbilden.

Jeder Spieler erhält nun noch verdeckt drei Karten mit Homunkulus-Bestandteilen, die restlichen Bestandteilkarten werden verdeckt auf dem Tisch abgelegt. Die Chips mit den Alchemiezutaten für die Herstellung der Homunkuli wie zum Beispiel Drachenblut oder Phönixfedern liegen hingegen offen sichtbar und griffbereit. Nach der Wahl des Startspielers kann es auch schon losgehen.

Pro Zug hat jeder Spieler drei Aktionen. Für jede dieser Aktionen kann er immer aus fünf verschiedenen Optionen die auswählen, welche er für sinnvoll hält. Diese fünf zur Auswahl stehenden Optionen sind: Das Nachziehen einer Bestandteilkarte bis zum Handkartenlimit von sechs Karten; das Anlegen einer Bestandteilkarte an den eigenen Homunkulus, wenn die notwendigen Alchemiezutaten abgeben werden können; das Extrahieren von Alchemiezutaten aus Bestandteilkarten, welche anschließend auf den Ablagestapel gelegt werden; die Nutzung der spezifischen Fähigkeiten von bereits gelegten Bestandteilen des eigenen Homunkulus und letztendlich die Deaktivierung aller bis zu diesem Zeitpunkt genutzter Bestandteile des eigenen Homunkulus.

Die Ohren, Arme, Beine, der Torso und der Schwanz des Homunkulus, welche schon auf dem Brett erschaffen wurden, geben ihrem Schöpfer jeweils die Möglichkeit spezifische Fähigkeiten zu nutzen. So kann man zum Beispiel Einsicht in die Kartenhand der Mitspieler nehmen, Karten aus deren Kartenhand ziehen, Karten vom Ablagestapel wieder reaktivieren oder genutzte Bestandteile der Homunkuli auf den Ablagestapel legen. Dazu wird der entsprechende Bestandteil des Homunkulus einfach auf die Rückseite gedreht.

Hat einer der Spieler alle neun Felder auf seinem Alchimistenbrett richtig belegt und so einen kompletten Homunkulus erschaffen, endet das Spiel sofort. Nun werden die erreichten Punktwerte zusammengezählt, wobei allerdings nur die derzeit nicht genutzten Bestandteile gezählt werden. Es gibt unterschiedlich viele Punkte pro Bestandteil des Homunkulus und nochmals Zusatzpunkte, wenn unter diesen Bestandteilen die eigene Farbe vertreten ist. Sieger ist der Adept, welcher die meisten Punkte erringen konnte.

Was sich jetzt hier noch teilweise kompliziert anhört, ist in Wirklichkeit ein schnell zu erlernender und eingängiger Mechanismus. Die Spielregel ist kurz und knapp gehalten, schnell vermittelbar und verinnerlicht. Das Spiel an sich ist ein einfaches Legespiel mit einem, durch das verdeckte Nachziehen der Karten, großen Glücksfaktor. Die einzelnen Spielelemente sind bekannt und bewährt. Jeder Spieler kann jedem in die Suppe spucken. Je mehr Mitspieler am Tisch sitzen, umso eher kann man versuchen, einen kompletten und zusammengehörigen Homunkulus zu erschaffen, da mehr Bestandteile im Umlauf sind. Bei weniger Mitspielern geht das Spielziel eindeutig mehr in Richtung der schnellen Fertigstellung des Homunkulus

Die Illustrationen im Spiel sind comicartig mittelalterlich gehalten und ein wenig gewöhnungsbedürftig, passen aber trotzdem recht gut zum Spiel. Die Qualität des Spielmaterials und des Druckes ist für einen Kleinverlag ebenfalls gut. Allerdings gibt es auch hier wie beim Spiel Yucatan aus gleichem Hause, ein Problem mit den sich manchmal sich vom Pappgrund der Karten ablösenden, bedruckten Papieroberflächen. Hieran könnte ein ungenügender Kleber in Verbindung mit einer schlechten Stanzung schuld zu sein.

Alles in allem ist Kazaam jedoch ein nettes Spiel ohne größeren Anspruch, allerdings mit einem gewissen Wiederspielwert, welches einfach nur gut unterhalten will und sich insbesondere an Gelegenheitsspieler und Familienspieler wendet. Das Spiel sollte allerdings vorwiegend in größeren Spielrunden auf den Tisch kommen, da sich hierbei der Spielspaß erhöht. Vielspieler sind bei Kazaam allerdings deutlich unterfordert und schnell gelangweilt, da die Möglichkeiten der eigenen Einflußnahmen auf die Dauer zu gering sind.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
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