Keltis - Das Orakel

eine Spielerezension von Olaf Bormann - 12.07.2010
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Keltis - Das Orakel von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Die dominierende Farbe ist Grün. Auf der Schachtel, dem Spielplan, den Spielkarten, Vorder- wie Rückseite. Leicht keltisch anmutende Symbolik, ein paar Farbtupfer, Holzkleeblätter in weniger ansprechenden Farben. Das wirkt bekannt? Nun, es geht noch weiter. Das Bewegen der eigenen Spielsteine wird durch ausgespielte Karten gesteuert. Diese sind in fünf Farben unterteilt, in den Werten von null bis zehn, jeder Wert zweimal. Mit der offen gelegten zweiten Karte einer Farbe legt man fest, ob die Reihe aufsteigend oder absteigend verlaufen wird. An den Spielfeldern liegen zufällig verteilte Wegeplättchen, die Punkte bescheren, einen Trampolinsprung erlauben oder Wunschsteine, die bei Spielende je nach gesammelter Anzahl Bonuspunkte zählen. Sind fünf Spielsteine im Zentrum angelangt, ist das Spiel sofort zu Ende. Je nach Position der Spielsteine erhält jeder noch Extrapunkte, im Zentrum deutlich mehr, immer noch auf den Feldern kurz hinter dem Anfang stehend, Minuspunkte. Klingt bisher nach Keltis. Zu 100 Prozent.

Nun die Unterschiede: Es gibt nur einen Weg, welcher sich spiralförmig in die Spielfeldmitte ausrichtet. Das macht das Spiel auf den ersten Blick überschaubarer. Aber nur auf den ersten. Die Farben der Spielfelder wechseln sich ab, das gab es auch schon in der Erweiterung zu Keltis, dort aber in dreier Blöcken. Es müssen im Orakel nicht alle Felder abgelaufen werden, die ausgespielte Farbe erlaubt den Sprung zum nächsten Feld dieser Farbe ausgehend von der bewegten Figur. Dies ist der wesentliche Unterschied und erinnert an Tutanchamun vom selben Autor vor vielen Jahren bei Amigo Spiele erschienen. Jeder Spieler hat nur drei statt fünf Spielfiguren. Bei den Wegeplättchen gibt es dreieinhalb neue: Die Kobolde erlauben einmalig im Spiel für jeden eine Sonderwertung, pro eigener Figur auf den drei Kobolden gibt es fünf Punkte, maximal also fünfzehn. Zusätzlich kann eine weitere Karte abgeworfen werden, von der Hand oder dem Spielplan, auch das tauchte schon in der Erweiterung auf. Die Trampoline sind eingefärbt, es gibt Plättchen zum Rückwärtsziehen und zu guter Letzt Verdoppler für die Wunschsteine. Ein solcher brach mir in der ersten Partie das Genick, ganz unbedarft griff ich mir den ersten, sah aber in der restlichen Partie keinen einzige Wunschstein mehr. Tja, die Minuspunkte werden auch verdoppelt ... Es gibt noch einen weiteren neutralen Spielstein, The Lady In Green, die Orakelpriesterin. Von mir als "Apfelgriebsch" verunglimpft, sieht sie einem solchen doch nicht sehr unähnlich. Zieht man sie auf ein Feld mit eigenen Spielsteinen, sackt man fünf Punkte ein. Für ihre Bewegung ist auf den Karten ein eigener Wert aufgedruckt.

Dafür musste ein neuer Kartensatz gedruckt werden, ohne die Priesterin hätte auch mit den alten Karten gespielt werden können und das Orakel wäre in einer Kistengröße und Ausstattung wie die Erweiterung erschienen mit neuem Brett und einer Handvoll neuer Marker. Ob das die potentiellen Kunden nicht eher zugreifen lassen würde? Das Orakel kommt in Größe und Preis des Grundspiels daher ... Die Priesterin wurde wenig genutzt in meinen Partien, die fünf Punkte locken, aber es kostet Zeit sie heranzuziehen. Ist das Spiel beendet, zählen die Felder Punkte, auf denen die Spielfiguren stehen. Die im Zentrum sind deutlich hochwertiger. Die Partien, in denen ich gezielt die Priesterin bewegte, gewann ich nie ...

Ich mag das Orakel. Ich mochte auch schon Lost Cities, Keltis - Grundspiel und die Erweiterung dazu. Allerdings seit der Erweiterung spielte ich das Grundspiel nicht mehr. Das Orakel ist sehr kurzweilig, spielt sich auch zu viert zügig und kann mich fesseln. Es ist abstrakt und das Thema beliebig, ein lupenreiner Knizia. An Keltis scheideten sich schon die Geister, ich hörte oft Stimmen, denen es zu trocken und dröge erscheint. Ich mag diese Zockerei, kommt noch die passende Karte, habe ich noch die Zeit ...? Das Orakel ist an dieser Stelle nicht anders als seine Vorgänger, wobei es mir besser gefällt. Man muss diese Art von Spielen mögen. Ich kann es der politischen Mitte, also den kaufwilligen Gelegenheits- und Familienspielern empfehlen, sofern sie noch kein Keltis ihr eigen nennen. Beide braucht man nicht.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2010
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Spielethema: 
Spielegattung: 
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