Klimapoker

Misch mit bei den Klimaverhandlungen

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 11.09.2010
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Klimapoker von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Ein Spiel über Klimakonferenzen und die individuellen Besonderheiten der daran teilnehmenden Länder - auf die Idee muss erst mal jemand kommen! Und das Verrückte daran ist, dass das Spiel dann auch tatsächlich funktioniert und durchaus zu gefallen weiß.

Kern des Ganzen sind 60 Länderkarten. Auf ihnen sind die jeweiligen Siegpunkte und die Werte der CO2-Emissionen pro Kopf der Bevölkerung, der Todesopfer je 100.000 Einwohner aus Umweltkatastrophen sowie der Unwetterschäden in Prozent des Bruttosozialproduktes des einzelnen Staates aufgeführt. Die Werte der drei Hauptkriterien sind farblich in vier Stufen dargestellt von grün für gut bis dunkelrot für katastrophal und alarmierend. Sämtliche Karten werden als individuelle Nachziehstapel an die Spieler ausgeteilt, worauf der erste sechs und alle übrigen fünf Karten auf die Hand nehmen und die gleiche Anzahl Plastikchips neben ihren Stapel legen.

Dann erhält der Startspieler ein kleines Fähnchen und wählt eine der drei Kategorien aus, zu der er wie auch alle übrigen Spieler eine Handkarte verdeckt ablegen. Jeder nennt dabei laut den Namen seines Landes, worauf der Nachbar einen Tipp abgibt, welches das Land mit dem besten beziehungsweise tiefsten Wert sein könnte. Liegt er richtig, darf er nach eigenem Belieben einen Chip nachziehen oder zurücklegen. Ist der Tipp falsch, passiert nichts dergleichen. Hingegen gewinnt der Besitzer der erfolgreichen Karte in jedem Fall den Stich der laufenden Runde. Eine der Karten darf er auf die Hand nehmen, alle übrigen kommen auf seinen Nachziehstapel.

Anschließend kann der Spieler mit dem Fähnchen versuchen, eine Konferenz zu bilden. Dazu benötigt er mindestens drei Handkarten derselben Farbstufe in einer der drei Kategorien, beispielsweise vier Karten mit gelben Angaben bei den CO2-Emissionen. Die zwei mit den höchsten - das heißt, schlechtesten Werten - kommen zurück auf den Nachziehstapel, die übrigen in eine separate Auslage, den sogenannten Flughafen, wo sie bis zum Schluss liegen bleiben. Zuletzt zieht jeder Spieler neue Handkarte bis zur Anzahl der eigenen Plastikchips nach, worauf das Fähnchen weitergeht und ein neuer Stich beginnt durch Auslegen von Karten zu einer bestimmten Kategorie der Werte.

Das Spiel dauert so lange, bis jemand nur noch zwei Hand- und Nachzieh- oder abgelegte Karten hat. Letzte Konferenzen können noch gemacht werden, dann folgt die Schlussabrechnung. Jeder addiert die Siegpunkte der Karten seines Flughafens, außerdem erhält der Spieler mit den wenigsten verbliebenen Spielkarten zehn und jener mit der geringsten Anzahl Chips sieben Siegpunkte. Gewinner ist der Spieler mit dem höchsten Punktetotal.

Abgerundet wird das Ganze durch Angaben zu den Verhältnissen bei großen internationalen (Klimaschutz-) Konferenzen. Handkarten werden in der Anleitung als Kaminzimmer, die Nachzieh- und Ablagestapel der Spieler als Lobby bezeichnet. Die zwei Länder, die nach einer Konferenz auf den Ablagestapel zurückgelegt werden, wollen weiterverhandeln, während jene beim Flughafen mit dem Ausgang der Gespräche zufrieden sind. Spieler mit wenigen Restkarten beim Spielende haben ihre diplomatischen Fähigkeiten, jene mit der geringsten Anzahl Chips dagegen ein großes Fachwissen unter Beweis gestellt. Das alles schafft eine gute Ambiance, die verbergen hilft, wie knochentrocken, aber nicht uninteressant der eigentliche Ablauf des Spiels ist.

Am Anfang macht es Sinn zu versuchen, mit guten grünen Kartenwerten Stiche zu machen, um später möglichst lukrative Konferenzen bilden zu können. Gegen den Schluss einer Partie wird dagegen der Abbau der Chips immer wichtiger im Hinblick auf die Zusatzpunkte der Endabrechnung. Bis dahin hat man einigermaßen einschätzen gelernt, welche Werte die einzelnen Länderkarten in den jeweiligen Kategorien ungefähr aufweisen. So wird in spielerischer Weise Fachwissen vermittelt, das durchaus in angeregte Diskussionen der Spieler einfließen kann. Ein einfaches, aber nicht uninteressantes Schätz- und Lernspiel also, das zwar mit Pokern herzlich wenig zu tun hat. Aber in der Welt der Diplomatie und Politik darf bekanntlich generell nicht immer alles für bare Münze genommen werden …

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
40
Jahrgang: 
2009
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
Fotos
Klimapoker von Bewitched Spiele
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