Kreml

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 31.10.2005
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Ein Knüller der absoluten Sonderklasse - satirisch, kommunikativ, abwechslungsreich und unglaublich spannend bis zum Schluss, wenn nach rund zwei Stunden möglicherweise alles nochmals komplett auf den Kopf gestellt wird! Das Spiel, aufgenommen in die Auswahlliste zum Spiel des Jahres 1987, begeistert sowohl Strategen und Taktiker als auch Hasardeure und Glücksritter aller Art.

Geschaffen als satirische Reaktion auf die Zeit des kalten Krieges vermittelt Kreml eine Ambiance, die absolut einmalig und völlig zeitlos ist. Ein erster Höhepunkt ist dabei allein schon die Lektüre der Spielanleitung mit ihren witzigen Anspielungen auf die undurchschaubaren Ränkespiele der russischen Politintriganten. Es erstaunt daher wenig, dass Kreml nicht zuletzt in den USA einen Kreis eingeschworener Fans gefunden hat.

Schauplatz des Spiels ist der Kreml zu Moskau im Jahre 1951. Im Zentrum stehen 24 Politiker, von denen zu Beginn acht ins Politbüro und fünf ins Kandidatenbüro platziert werden, während der große Rest das Volk bildet. Die Spielerinnen und Spieler agieren als Drahtzieher im Hintergrund, die Einfluss auf das Geschehen zu nehmen und ihre Günstlinge in höhere Ämtern zu bringen versuchen. Zu diesem Zweck werden zu Beginn zehn Politiker ausgewählt und in absteigender Reihenfolge auf einem verdeckten Zettel notiert.

Das Spiel selber läuft in wiederkehrenden Zyklen ab mit unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten. So kann beispielsweise der KGB-Minister in einer der insgesamt acht Phasen eines Spieljahres Säuberungen vornehmen und ihm missliebige Konkurrenten nach Sibirien zu verbannen versuchen. Zu diesem Zweck legen die Spielerinnen und Spieler Einfluss auf den betreffenden Amtsinhaber offen, um sein Handeln bestimmen zu können. Dabei darf nicht weiter gegangen werden als der entsprechende Politiker Rangpunkte auf der jeweiligen geheimen Liste besitzt. Verschiedene Aktivitäten sind mit Stresspunkten verbunden, die das Alter der Politiker erhöhen.

Dies kann besonders verheerende Konsequenzen haben, wenn in einer der Phasen der Gesundheitszustand der Politiker ermittelt wird: Je älter ein Politiker ist, desto schwerer ist eine Verschlechterung der Gesundheit zu vermeiden, wobei sogar der sofortige Tod drohen kann. Stirb dabei der Partei- und Regierungschef, ist anschließend innerhalb des Politbüros nach einem ausgeklügelten Prozedere die Nachfolge zu bestimmen. Diese Wahl ist vorentscheidend, da das Spiel endet, wenn einer der Politiker drei Mal die Oktoberparade abgenommen hat. Gewinner ist, wer den Namen des erfolgreichen Politikers ganz zu Beginn am weitesten oben notierte.

Kreml ist aufgrund seines ungewöhnlichen Ablaufs letztlich nicht restlos planbar, was jedoch gerade seinen außerordentlichen Reiz ausmacht. Erfolg hat in erster Linie, wer seine Karten (Einflusspunkte) nicht offen legen muss. Einziger Wermutstropfen könnte allenfalls die etwas einfache Ausstattung des Spiels sein, doch werden Kreml-Freunde darüber hinwegsehen, zumal das Spiel deswegen durchaus günstig erworben werden kann. In jedem Fall ein absolutes Muss für jede gut sortierte Spielsammlung!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
15
Spieldauer (Minuten): 
120
Jahrgang: 
1986
Spielkategorisierung
Auszeichnungen: 
Spielethema: 
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