Kunst Box

eine Spielerezension von Michael Weber - 31.10.2005
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Kunst Box von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Vorab: Dieses Spiel ist ein Spiel mit, über und um Kunst. Es ist zwar nicht zwingend notwendig, sich mit Kunst, also Gemälden, Museen, Künstlern und ähnlich obskuren Dingen auszukennen, aber es erleichtert das Spiel ungemein. Genau genommen, tappen Spieler ohne Kunstverständnis in eine Wissensfalle, die ihnen Spaß und den möglichen Spielerfolg kostet. Dennoch reicht ein Amateur- oder Grundwissen völlig aus.

Aber um was geht es eigentlich? Na klar, um Kunst. Aber wie denn jetzt? Es geht im Grunde darum, eines der beigelegten großformatigen und mit kleinen und wirklich gelungenen Holztäfelchen zugedeckten Kunstwerke nach und nach zu entblättern oder zumindest zu entdecken. Dabei muss man reihum eine der vorgegebenen Kategorien zum Leben erwecken. Zum Beispiel: Wie heißt der Künstler, wo hat er gelebt, für welchen Stil steht er, welches Format hat das Original, welche Geschichte erzählt das Bild und vor allem welche Fälschungen sind zu erkennen. Bitte? Fälschungen? Genau. Jedes Bild enthält ein oder mehrere Details, die dort gar nicht rein gehören. Meistens so gut versteckt, dass selbst erfahrene Kunstkenner nur auf dem zweiten Blick den Fehler erkennen.

Aber wir schweifen ab. Die Kategorien. Wer an der Reihe ist, versucht nun den anderen Mitspielern zu einer der Kategorien etwas zu erzählen. Dabei kommt es nicht auf richtig oder falsch an, sondern auf die überzeugende Ausführung. Denn die Mitspieler belohnen nun die Antwort mit einem Punktechip oder eben nicht. Wer belohnt, darf sich diese Antwort aufschreiben. Wer zweifelt, darf diese Antwort während der laufenden Bilder-Runde nicht mehr auf dem eigenen Wertungsblatt notieren. Und im Moment auch sonst nichts, was genau genommen die Crux ist. Glaubt man dem Mitspieler, belohnt ihn und nimmt einen möglichen Punkt mit oder verzichtet man und liegt am Ende auch daneben. Allerdings darf man später im Spiel dann eine eigene Lösung für die gleiche Kategorie vorstellen. Das hat den Nachteil, dass man von Mitspielern, die bereits Informationen zu dieser Frage notiert haben, kaum noch einen Chip erwarten darf, selbst wenn man Recht hat. Aber wenn man richtig liegt, gibt es für alle Spieler am Rundenende immerhin noch einen Punktechip für jede richtig notierte Antwort. Und das Lösungsheft hat immer Recht. Das klingt komplizierter, als es ist. Klar ist jedenfalls, dass am Ende von drei Bilder-Runden die meisten Punkte über den Gewinn des Spiels entscheiden.

Das Spiel ist ein Kommunikationsspiel erster Güte. Es geht nicht ums Spielen, sondern darum, miteinander über Kunst zu reden. Dabei lässt die Spielanleitung einige Punkte unklar. Aber es geht ja auch um Kunst. Und Kunst heißt immer auch Interpretation. Und die Interpretation führt hier leicht zum Erfolg. Denn wer immer fleißig Punkte verteilt, wird möglicherweise von den Mitspielern selbst einen Punktedank erfahren. Und wer nur zweifelt, kann sein Wissen allein an der Chipkasse abgeben. Nur ein Punkt für die richtige Antwort reicht nicht. Her liegt die Schwäche. Es ist so einfach, Mitspielern Punkte zu schenken oder zu verweigern. Wenn auch auf eigene Kosten. also immer schön lächeln und das eigene Wissen richtig dosieren. Mal eine falsche Antwort mitnehmen, dafür aber für Unwissenheit belohnt werden. Das Rezept ist schwierig und leicht zugleich - die gesunde Mixtur aus Wissen, Vermutung und Halbwahrheiten finden und nicht zu vergessen: Fälschungen erkennen.

Das Problem bei so einem Spiel ist, dass einigen Mitspielern einfach niemand abnehmen wird, wenn sie selbstbewusst versuchen zu bluffen. Wenn man sich untereinander gut kennt, weiß man, dass Spieler A nicht in Rom vor dem Bild stehen konnte und Spieler B niemals etwas von Eugene Delacroix gehört hat. Wenn aber alle ein gesundes Maß an Kunsthalbwissen mitbringen, wird Kunst Box zu einem echten Unterhaltungsleckerbissen. Bluffen, Auf die falsche Fährte locken, mit Wissen prahlen oder Unwissenheit vortäuschen. All das macht Kunst Box in der richtigen Besetzung zu einem feinen und vielleicht exklusiven Gesellschaftsspiel, das diesen Titel auch tatsächlich verdient. Ganz abgesehen davon, dass sie Ausstattung vorbildlich ist.

Selbstredend dass ein beigelegtes Lösungsheft die richtigen Antworten und eine Darstellung des Bildinhaltes enthält. Damit kann man Kunst spielerisch erlernen. Und beim nächsten Mal geht man vorher in das nächst gelegene Kunst-Museum. Versprochen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2003
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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