Lanzeloth

eine Spielerezension von Alex Sch. - 20.10.2017
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Lanzeloth: Der goldene Ritter Lanzeloth - Foto von Alex Sch.
Lesezeit: 5 Minuten

Welch‘ eigentümliche Schreibweise sich gar als Titel der kleinen roten Spielbox offenbart. Bezieht sich die Namensgebung „Lanzeloth“ auf eine mittelalterliche Form des berühmten Ritters der Tafelrunde (und Nebenbuhlers von König Artus)? Weit gefehlt. Die Antwort ist viel einfacher: Die Autoren dieses kleinen Kartenspiels tragen den Familiennamen Loth und sind die Köpfe hinter dem Mogel-Verlag. Der Wortwitz regte zum Grübeln und eigener Recherche zum edlen Lanzelot an. Der namensgebende Gralsritter ist, wie sich schließlich herausstellt, für das weitere Spiel im Kreise der Familie für zwei bis sechs Mitspieler allerdings komplett unerheblich. Ritter ja, Tafelrunde nein. Dafür ein Turnier zu Pferde mit Rüstung, Schild und … Lanze!

Wie wird Lanzeloth gespielt?

Jeder Spieler stellt einen Ritter dar, der sich für das Turnier rüstet. Wichtig für den Wettkampf sind Helm, Rüstzeug am Torso, Schild, Stiefel und natürlich die Lanze. Jeweils in Form einer eigenen Karte. Auch Pferde gibt es, welche unterschiedliche Besonderheiten mit sich bringen. Dies alles wird zufällig zugeteilt. Der Clou dabei ist, dass die Karten mit Ausnahme der Pferde grundsätzlich verdeckt sind. Es weiß zu Beginn also niemand, wie gut oder wie schlecht die eigene Rüstung jeweils ist. Und diese kann stark variieren. Ein goldenes Rüstungsteil ist natürlich die Crème de la Crème. Sie hat einen Rüstwert von fünf. Im schlimmsten Fall ist der Ritter unter einer der Karten nackt und kann gar keinen Beitrag von diesem Kartenteil zum Kampfwert beitragen. Dazwischen gibt es aufsteigend sämtliche Variationen.

Der Sieg ist ganz einfach. Wer zu Turnierbeginn den höchsten Gesamtkampfwert (alle Rüstkarten zusammen gezählt) besitzt, gewinnt das Turnier und erhält einen oder mehrere Pokale. Je nach Abstand zum Zweitplatzierten. Das Turnier und damit das Rundenende kann jedermann zu jeder Zeit ausrufen, wodurch die aktuelle Runde nur noch zuende gespielt wird. Anschließend wird gewertet. Der meisterliche Trick ist es, den besten Zeitpunkt hierfür abzupassen. Zuvor hat man so einige Möglichkeiten, die eigene Rüstung zu verbessern.

Durch Ziehen von verdeckten Karten kann man die eigenen aufpolieren. Oder man nimmt die ausgesonderen Rüstteile des Vorgängers vom Ablagestapel. Schließlich bieten die Karten vom Nachziehstapel auch noch verschiedene Aktionen zur Auswahl. Mit diesen Aktionen kann der aktive Spieler z.B. verdeckte Karten aufdecken, sie heimlich ansehen oder gar mit einem fremden Ritter eins zu eins austauschen. Es werden so viele Turniere gespielt, bis einer der Ritter eine vorgegebene Anzahl an Pokalen gesammelt hat. Dieser heldenhafte Recke ist der Gewinner des Spiels.

Ein Blick auf die Qualität des Spielmaterials von Lanzeloth

Die 90 Karten werden während der Spielpartie heftig in die Mangel genommen. Bis zum letztlichen Sieg kann das Spiel je nach Anzahl der Mitspieler locker auch mal neun oder zehn Turniere andauern. Jedesmal muss neu und gut gemischt werden. Das An- und Ablegen der Karten beansprucht die Stabilität der Ecken. Spitze Fingernägel tun ihr übriges. Und doch zeigen die Karten auch nach zig Turnieren keine Ermüdungserscheinungen. Was ist das Geheimnis? Abgerundete Kanten, eine hohe Flexibilität der Karten und ein Leinenfinish. Eine sehr ordentliche Verarbeitung für ein kleines Kartenspiel.

Die Grafik der Karten ist amüsant und passt gut zum lockeren Spielgefühl. Der Zweig, den ein nackter Ritter statt eines Schildes trägt, sorgt sowohl für Augenrollen bei einem selbst, als auch zur gleichzeitigen Belustigung der anderen Spieler. Oder umgedreht.

Lohnt sich das Kartenspiel Lanzeloth?

Das ritterliche Thema wird umfassend umgesetzt und zwar auf eine heitere Weise. Turnier, Rüstung, und Pferde … Es ist alles dabei, was ich von dem Thema erwarte und es wird mit einem interessanten Mechanismus verwoben: einem Memospiel. Dieser Aspekt hat mich in seiner Ausführung am allermeisten überrascht. Fünf Karten, die kann man sich doch gut merken, hab ich gedacht. Hier und da mal die Karte gegen eine bessere austauschen, hab ich gedacht. Schnell einen Überblick über die eigene Rüstung bekommen, hab ich mir gedacht. Ja, gedacht hab ich mir viel, jedoch deutlich weniger gemerkt als erwartet. Selbst im Spiel zu zweit geht es schon los. Welchen Schild hab ich nochmal? Wieso tauscht mein Gegenüber jetzt die Lanze aus? Ist die schlechter gewesen als meine? Hatte ich in dieser Partie den goldenen Helm oder war das in der vorherigen Runde? Und je mehr Mitspieler hinzukommen, umso verwirrender wird es. Meine grauen Zellen werden in jedem Turnier gefordert. Das Chaos nimmt überhand und fördert dennoch den Spaß im Wettlauf um die besten Karten. Mitspieler können nämlich zu allem Überfluss ganz schön nervig sein. Da nehmen sie die heiß erbeutete schwarze Lanze weg. Natürlich von Stelle, die ich mir endlich mal gemerkt hatte! Oder ich bekomme eine verdeckte Karte zugeschanzt. Das wäre ja nicht so schlimm, wenn nicht dieses diabolische Grinsen meines Kontrahenten wäre. Was hab ich jetzt schon wieder angedreht bekommen? Aber wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich am besten. Die Wertung kann so einige Überraschung zu Tage fördern. Je mehr Leute mitspielen, umso spaßiger ist Lanzeloth. Bei wenigen Mitspieler waren die Partien vorsichtiger, überlegter, um nicht zu sagen, taktischer. Zeitlich gesehen dauert ein Turnier etwa fünf bis zehn Minuten. Ein ganzes Spiel kommt je nach Spieleranzahl auf eine halbe Stunde, kann aber auch länger dauern, wenn alles sehr ausgeglichen ist.

Der Zufall spielt hier und da eine größere Rolle, was der einzige Wehmutstropfen im Spiel ist. Selbst bei hervorragendem Gedächtnis, kann man auch nur schlechte Rüstungsteile oder unpassende Aktionen ziehen. Der Zufallsfaktor sorgt freilich auch für eine gewisse Balance innerhalb der Familie und bei unterschiedlichem Alter. Meine sechsjährige Tochter steckt mich in Sache Merkfähigkeit in großen Spielrunden komplett in die Tasche. Eine bessere Planung meiner Aktionen hilft da nicht immer. Somit ist die Altersempfehlung ab sieben Jahren durchaus passend.

Heiterkeit zum kleinen Preis. Ich habe bislang keine Spielrunde bereut und freue mich auch schon auf die nächste. Lanzeloth ist ein feines Kleinod für schnelle Partien zwischendurch oder am Ende eines Spielabends.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spielerzahl: 
2-6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
7
Spieldauer (Minuten): 
20-30
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
Fotos
Lanzeloth: Ein nackter Ritter hats schwer! - Foto von Alex Sch.
Lanzeloth: Pferdeparade - Foto von Alex Sch.
Lanzeloth: Leinenfinish der Karten - Foto von Alex Sch.
Lanzeloth - Foto von Mogel Verlag
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