Libertalia

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 01.09.2013
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Libertalia von Asmodee
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Piraten hatten naturgemäß ein äußerst ereignisreiches, aber leider auch meist nur ein sehr kurzes Leben. Denjenigen unter ihnen, die die zahllosen Kämpfe, Kaperfahrten, Eroberungen und Plünderungen heil und unversehrt überstanden hatten winkte ein geruhsamer Lebensabend auf der Insel Libertalia. Dort  konnte sie selbst der lange und grausame Arm des Gesetzes nicht mehr erreichen.

Im hier vorliegenden Spiel Libertalia von Asmodee schlüpfen die teilnehmenden Spieler jeweils in die Rolle eines Piratenkapitäns, der mit seiner gesamten Crew vor dem verdienten Ruhestand noch einmal drei Kaperfahrten unternehmen will. Jede dieser Kaperfahrten wird sechs Tage dauern und an jedem dieser Tage soll ein neues Schiff gekapert werden. Reichlich Arbeit und viel Aufregung also, bevor das wohlverdiente Piratenrentnerdasein ansteht. Aber nicht alle Mitglieder der Crew werden dieses erleben, denn viele finden während der letzten Kämpfe noch ihr nasses Grab.

Grundlage und Motor des Spiels ist ein Satz von 30 Charakterkarten der jeweiligen Crew, der komplett identisch jedem Piratenkapitän zur Verfügung steht. Die Charakterkarten sind durchnummeriert und ihre zugehörige Spezialfähigkeit wird mit aufsteigender Nummerierung immer mächtiger. Allerdings kann diese nicht immer durchgeführt werden, es kommt hier also auf das richtige Timing an. Ein Spieler sucht zu Beginn zufällig neun Charakterkarten aus den möglichen 30 als Crew aus, mit der alle Piratenkapitäne identisch die erste Kaperfahrt beginnen. Da fürs Beutemachen pro Tag ein Charakter benötigt wird haben die Spieler nach der ersten Fahrt noch drei Charaktere verdeckt auf der Hand, dazu kommen pro Fahrt wieder sechs neue Charaktere, die aber für alle Kapitäne wieder gleich sind. Die Schwierigkeit und Varianz besteht also immer darin, den idealsten Zeitpunkt zu finden, um seine Piraten die beste Beute machen zu lassen.

Jede der drei Kaperfahrten läuft in den Phasen: Sonnenaufgang, Tag, Dämmerung, Nacht und nach dem sechsten Kapertage - ein Ruhetag ab. Die mögliche Beute für die sechs Tage wird offen ausgelegt. Während der Sonnenaufgangsphase legt jeder Spieler verdeckt einen Charakter für diesen Tag aus. Während der Tages-Phase greifen in aufsteigender Rangreihenfolge die Sonderfähigkeiten der einzelnen Charaktere. Anschließend wird in der Dämmerungs-Phase in absteigender Reihenfolge die Beute vergeben und die gespielten Charaktere wandern zusammen mit den Schätzen in die eigene Piratenhöhle. In der Nacht greifen bestimmte Spezialfähigkeiten einzelner in den Piratenhöhlen befindlicher Piraten und am Ruhrtag wird die Beute der Kaperfahrt gezählt und die nächste Fahrt vorbereitet.

Was sich hier noch ein wenig durcheinander anhört, ist aufgrund der geringen Regelfülle schnell verinnerlicht. Schwieriger wird hingegen die Einschätzung, wenn welche Charakterkarte gespielt werden sollte. Da jeder Piratenkapitän, mit geringen Ausnahmen, die Karten seiner Kontrahenten kennt, kommt es hier vielmehr auf die subjektive Einschätzung seiner Mitspieler und auf ein gewisses Pokerelement an. Die tolle Grafik transportiert eine sehr gute Atmosphäre und zusammen mit dem erstklassigen Spielmaterial kommt schnell echtes Piratenfeeling auf. Fehlt nur noch die Buddel brauner Rum auf dem Spieltisch.

Libertalia ist ein Bluff- und Zockerspiel aller erster Güte! Planbar ist hier nicht viel, aber mit zunehmender Spielerzahl steigen auch die Anforderungen an die eigene Merkfähigkeit. Diese sollte zumindest rudimentär vorhanden sein, um von den anderen Spielern nicht hoffnungslos untergebuttert zu werden. So richtig Spaß macht Libertalia allerdings erst mit steigender Spielerzahl ab vier Piratenkapitänen und bei voller Besetzung läuft das Spiel zu turbulenter Hochform auf. Berechnende und grüblerische Workerplacement-Spieler sollten allerdings einen großen Bogen um dieses Spiel machen. Allen anderen sei es wärmstens empfohlen. Auf die eine oder andere Niederlage oder eine gemeine Aktion eines Mitspielers sollte man sich allerdings sicherheitshalber schon einmal einstellen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
14
Spieldauer (Minuten): 
45 - 60
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
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