Lokus

eine Spielerezension von Axel Bungart - 28.07.2012
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Lokus von Nürnberger Spielkartenverlag
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Ein Spiel mit diesem Namen schreit fast nach Wortspielchen um den Ort als solchen und dem, was man üblicherweise darin versenkt. Da dies aber an anderer Stelle schon unweigerlich breit(est)getreten wurde, spare ich mir das.

Zumal: Was Lokus thematisch zu bieten hat, ist so beliebig und eigentlich eher abstrakt, dass man sich fragen darf, wie es zu dem Namen kommt.

Jeder Spieler erhält elf Karten offen auf die Hand. Die Karten enthalten – neben einer offensichtlich von einem Bedürfnis geplagten aber ansonsten belanglosen Person – eine Zahl zwischen eins und zwölf in einer von sechs Farben.

Jeder legt eine Karte verdeckt vor sich ab, worauf hin alle gleichzeitig aufgedeckt werden. Kennen wir. 6 Nimmt lässt grüßen. Dann dürfen die Spieler mit der niedrigsten (zuerst) und der höchsten Zahl (als Zweiter) ihre Karten an eine der beiden Kartenreihen anlegen, die in der Mitte jeweils an einem Klohäuschen anliegen. (Die Kartenreihen sollen die Warteschlangen vor den Klohäuschen darstellen.) Doch darf man nur dort anlegen, wo weder dieselbe Zahl noch eine beliebige Zahl in derselben Farbe bereits ausliegen. Hat man also eine rote neun ausgespielt, darf man weder in der Reihe anlegen, in der bereits eine neun noch eine andere rote Zahl liegen. Der/die Spieler, die weder die höchste noch die niedrigste Karte ausgelegt haben, müssen ihre Karten umgedreht (d. h. mit der Klorolle nach oben) vor sich ablegen. Diese Karten zählen zunächst als Minuspunkte.

Kann jemand die fünfte Karte in einer Reihe anlegen, wird die Reihe abgeräumt und abgelegt. Der betreffende Spieler erhält als Belohnung eine Putzkarte, die ihm später zur Neutralisierung von Minuspunkten dient. Wer sogar drei Putzkarten einheimsen konnte, geht mit dem Optimum von null Minuspunkten aus einem Durchgang (und wird außerdem von seinen Mitspielern für den Rest des Abends als „Glückspilz des Abends“ belächelt).

Nach elf ausgespielten Karten ist ein Durchgang vorbei, nach drei Durchgängen das ganze Spiel. Wer die wenigsten Minuspunkte sammeln musste, gewinnt.

Lokus erinnert in Ansätzen an 6 nimmt. Die Regeln sind weitaus einfacher, nicht zuletzt, weil nicht gerechnet werden muss. Lediglich bei zwei ausgespielten Karten gleichen Werts muss man eine einfache Farbskala zu Hilfe ziehen, um die niedrigste bzw. höchste Zahl zu bestimmen. Ein grundlegender Unterschied zum Klassiker ist der, dass Spieler mit mittleren Kartenwerten meistens gekniffen sind, da sie oft nicht anlegen dürfen und somit Minuspunkte sammeln. Das sagt auch schon einiges über den Glücksfaktor aus, der bei diesem Spiel recht hoch ist. Im Spiel zu fünft sind wenigstens mehr Karten im Spiel, sodass man im Mittel davon ausgehen kann, dass sich die Kartenhände der Spieler ausgleichen. Das tröstet einen in einem Durchgang aber nur bedingt, wenn man mangels geeigneter Karten nur mitspielen aber nicht mitlenken kann. Hat man im übrigen mal nur Karten auf der Hand, die man aufgrund der bereits Ausliegenden gar nicht anlegen dürfte, muss man sogar eine seiner mittleren Karte spielen, damit man gar nicht anlegen darf. Das kommt häufiger vor und ist irgendwie unsinnig. Hier fehlt eine Regel.

Dennoch: Zu fünft läuft es besser als zu dritt, weil im Schnitt auch mehr mittlere Kartenwerte im Spiel sind. Ein bisschen zum Ärgerspiel wird es, wenn der Spieler mit der kleinsten Zahl dem Spieler, der als zweiter auslegen darf, seine einzige Anlegemöglichkeit zunichte macht und letzterer dann sogar noch eine Straf-Klorolle erhält.

Dass die Spielregel gut und (eben fast) vollständig ist, darf man aufgrund der Kürze und Einfachheit des Spiels wohl erwarten. Die Karten sind von guter Qualität, die Grafik ist irgendwo zwischen albern und amüsant. So spricht es zumindest ein breiteres, unspezifisches Publikum an. Obwohl das Spiel am Thema vorbei geht, fühlten wir uns zwar alles in allem einigermaßen unterhalten aber nicht wirklich zu einer Revanche animiert.

Ob der Vergleich nun erlaubt ist oder nicht: Das ganze ist bei 6 nimmt besser gelöst. Hätte man bei Lokus außer dem 6-nimmt-Anteil auch noch einen Hols-der-Geier-Effekt eingebaut, anstatt die höchste Zahl über die Farbe zu entscheiden, wäre es ein besseres Spiel geworden. Aber wie hätte es dann wohl geheißen?
 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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