Lost Cities - Das Brettspiel

eine Spielerezension von Alexandra Fauth - 24.06.2018
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Lost Cities - Das Brettspiel - Foto von Kosmos
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Dass Lost Cities – das Brettspiel nicht zum Spiel des Jahres nominiert werden würde, war klar, bevor die Jury die Nominierungslisten bekannt gab. Schließlich wurde Keltis bereits 2008 zum Spiel des Jahres gekürt. Auf den ersten Blick haben die Keltis-Spiele rund um keltische Steine und irische Mythen zwar nichts mit dem Forscher- und Entdeckermotiv von Lost Cities gemein – auf den zweiten und dritten Blick sind es aber so sehr dieselben Spielmechanismen, dass diese Spiele alle zur selben Spielefamilie gehören. Reiner Knizia modifizierte das Spielprinzip von Lost Cities (das Kartenspiel für 2) schon vor zehn Jahren so, dass es als Keltis für mehrere Spieler geeignet war. Mit Lost Cities – das Brettspiel kehrt Kosmos nun thematisch zum Ursprungsspiel zurück und veröffentlicht doch noch eine Brettspiel-Variante für mehrere Spieler in der Welt der verlorenen Städte.

Expeditionsanleitung: So erlebt ihr das Abenteuer der Lost Cities im Brettspiel

Lost Cities – das Brettspiel ist also eigentlich kein neues Spiel. Im Gegenteil baut es auf einer langen Tradition an Gesellschaftsspielen auf, von denen das erste schon vor fast 20 Jahren den Spielemarkt eroberte:

Lediglich das Thema trennt Lost Cities und Keltis; das Spielprinzip variiert meist ebenfalls nur auf Mikroebene (z. B. die Laufroute für alle bei Keltis – das Orakel). Da verwundert es nicht, dass auch Lost Cities – das Brettspiel weitgehend bekannt erscheint: Wie gewohnt ist es ein zahlen- und farbbasiertes Kartenanlegespiel. Auf fünf Laufrouten wollen wir unsere Figuren möglichst weit voranbringen, um Punkte zu bekommen. Statt eines Würfelprinzips nutzen wir fürs Vorrücken Handkarten, die in passender Reihenfolge farblich sortiert abgelegt werden müssen. Wie schon bei Keltis gibt es Wegeplättchen: zufällig verteilte Sonderaktionen an den Feldern (z. B. ein weiterer Laufschritt). Vernachlässigen dürfen wir unsere Figuren nicht; stehen sie bei Spielende zu weit hinten, gibt es Minuspunkte. Außerdem gilt es, die Artefaktsammlung im Blick zu behalten – wie bei Keltis die Wunschsteine bringen gesammelte Artefakte weitere Siegpunkte (bei zu wenigen gibt es auch hier Minuspunkte). Das Spiel endet, wenn die insgesamt fünfte Figur über eine der Brücken (jeweils kurz vor Ende der Expeditionsroute) gezogen wird oder der Nachziehstapel zur Neige geht.

Abenteuer oder alter Hut? Lost Cities als weitere Variante der Spielefamilie Lost Cities/Keltis

Neu ist die Kurzspielvariante, die eine separate Siegpunkttabelle für die Artefakte nutzt und statt drei Durchgängen nur einen beinhaltet. Dafür werden in der Langspiel-Version gleich drei Runden nacheinander gespielt – das bedeutet aber auch, das Spiel drei Mal neu aufzubauen (Wegeplättchen verteilen, Karten mischen, etc.), was auf Dauer ein wenig nervt.  Die Spieldauer ist im Langspiel etwas länger als bei Keltis, im Kurzspiel etwas kürzer. Ansonsten ist Lost Cities – das Brettspiel nichts anderes als eine Keltis-Neuauflage – inklusive kleiner Anpassungen bzgl. des Schwierigkeitsgrades: Hier können wir frei wählen, ob wir mit auf- und absteigenden oder ausschließlich mit aufsteigenden Zahlenreihen spielen.

Atmosphärische, aber problematische Farbgebung

Wie auch bei den Keltis-Varianten sind die Spielerfarben ungewöhnlich unscheinbar (Braun, Grau, Weiß, Orange). So bleiben die Grundfarben Rot, Grün, Blau und Gelb – ergänzt durch Schwarz – für die Expeditionsetappen und damit die Farben der Handkarten frei. Doch auch diese sind bei Lost Cities – das Brettspiel nicht leuchtend, sondern optisch zunächst ansprechend als Farbverlauf gestaltet. Thematisch wird das illustrativ sehr schön eingebunden: Blau ist eine Wasserstadt in schimmerndem Meeresblautürkis, eine Wüstenstadt ist in verschiedenen Sandtönen gestaltet und die Dschungelwelt in unterschiedlichem Pflanzengrün. Dabei steigern sich die Bilder auf den Karten von einzelnen Details auf den unteren Zahlen bis hin zum Gesamtüberblick der Stadt auf Karte Nummer 10. Dennoch gibt es ein Manko, das die schöne Atmosphäre der Illustrationen (die Wasserstadt erinnert gerade auf den Detailbildern unwillkürlich an Atlantis) zerstört: Die Spielbarkeit leidet. Wie schon bei anderen neueren Kosmos-Spielen sind die Farben nämlich schwer zu unterscheiden. Auf dem Weg zur schwarzen Festung gibt es z.B. Lava/Feuer, das auf den Karten natürlich ebenfalls zu sehen ist. An sich nicht schlimm, sieht man auf der Kartenhand jedoch nur noch die Kartenecken, kann man schnell mal die schwarze 5 oder 9 für eine rote halten. Dasselbe passiert auch bei anderen Farben wie Grün und Blau (und nicht immer nur an den Kartenecken). Man muss nicht farbenblind sein, damit hier der Spielspaß gemindert wird.

Lohnt sich Lost Cities als Brettspiel?

Lost Cities – das Brettspiel ist eindeutig ein Familienspiel, das sich dank des leichten Einstiegs sehr gut für Gelegenheitsspieler eignet. Trotzdem werden sich auch Vielspieler nicht langweilen, da es wie Keltis zwar einen Glücksfaktor hat, dabei aber (wenn auch begrenzt) taktische Möglichkeiten bietet.

Es reicht allerdings, nur eines der Spiele (Keltis oder Lost Cities – das Brettspiel) zu haben; kennt man eines, kann man das andere nahezu ohne Regeln lesen spielen.

Hat man eine der anderen Varianten wie das ursprüngliche Lost Cities für 2 oder Keltis – das Orakel und mag diese Art von Spiel, kann Lost Cities – das Brettspiel (oder eben Keltis) eine schöne Ergänzung sein. Aber auch dann lohnt sich das zusätzliche Spiel eigentlich nur, wenn man wirklich so richtig begeistert davon ist oder wenn es (so man nur das ursprüngliche Kartenspiel für 2 hat) um die Spielerzahl geht.

Und als Neuling? Nun, Abenteuerexpedition mit Globetrotter-Feeling oder keltische Steine – was einem mehr liegt, muss jeder selbst wissen. Interessant sind die kleinen Neuerungen (wie die Kurz- und Langvariante, wenn man den Mehrfach-Aufbau mal außen vorlässt). Und auch atmosphärisch ist Lost Cities – das Brettspiel gelungen. Die Farbunterscheidung ist allerdings mehr als nur ein Wermutstropfen und lässt die Waagschale fast in Richtung Keltis ausschlagen. Es sei denn, man ist durch und durch Abenteurer.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30-60
Jahrgang: 
2018
Spielkategorisierung
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