Mc Multi (2012)

eine Spielerezension von Axel Bungart - 20.10.2012
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Mc Multi von Pegasus Spiele

Eine große Fangemeinde hatte das 1988 von Hexagames/TST Enterprises herausgebrachte Mc Multi, was Pegasus Spiele (Unter Lizenz von Stronghold Games) mit dazu veranlasst haben dürfte, es als Neuauflage im Jahr 2012 nochmals zu produzieren.

Das Thema von Mc Multi ist immer noch: Öl suchen, es fördern, verarbeiten und/oder damit Handel treiben. Dazu braucht es Öltürme, aus denen möglichst Ölquellen werden, Tankstellen und Raffinerien und natürlich – Öl. Und später Benzin.

Aber man hat kräftig Hand angelegt bei der neuen Ausgabe von Mc Multi und das nicht nur äußerlich. Der Spielplan wurde ganz neu gestaltet. Von der Anordnung der Quadranten auf dem Betriebsplan über das gesamte Spielmaterial bis hin zum Extra-Spielplan für die Märkte wurde nichts unverändert belassen und erscheint nun grafisch zeitgemäß, wirkt dafür aber eher abstrakt. Die Anlagen (Öltürme und –quellen, Tankstellen und Raffinerien) sind nun größer und in unterschiedlichen Farben gestaltet, was die Unterscheidung einfacher macht. Aus fester Pappe sind nun die vorher aus Papier gefertigten Wirtschaftskarten.

Am Spielablauf von Mc Multi hat sich nichts geändert. Der Spieler darf in seinem Spielzug zunächst Öl und/oder Benzin an einem der Märkte kaufen  und/oder verkaufen, würfelt dann, um möglichst seine Anlagen auf dem Betriebsplan zu aktivieren und somit eine Ölquelle zu erschließen, Öl zu fördern oder zu raffinieren oder Benzin über seine Tankstelle(n) zu verkaufen. Schließlich kann er noch Anlagen an- und verkaufen. Seine beiden Sitznachbarn prüfen danach, ob der jeweils sie betreffende Würfel Auswirkungen auf ihren Quadranten hat.

Inhaltlich hat sich hingegen bei Mc Multi einiges geändert, was sich z. T. erheblich auf den Spielablauf auswirkt. Völlig umgekrempelt hat man die Systematik, nach der sich die Wirtschaftslage ändert. Bewirkte früher ein gewürfelter Pasch eine neue Wirtschaftslage, passiert das in der neuen Ausgabe nur dann, wenn man häufig genug keinen Pasch würfelt. Dazu gibt es neuerdings auf dem Extraspielplan eine sog. Würfelunterschiedsleiste, auf der immer dann die Differenz zwischen den beiden Würfeln abgetragen wird, wenn kein Pasch gewürfelt wurde. Erreicht der Würfel das achte Feld der Leiste, wird die Wirtschaftslage neu ausgewürfelt. Die Werte auf den Wirtschaftskarten, um die sich der Benzinpreis am Verbrauchermarkt mit Eintreten der neuen Wirtschaftslage ändert, wurden bei Mc Multi ebenfalls verändert. Sie wurden im Schnitt um drei bis vier Punkte gesenkt! Das bedeutet, dass sich der Benzinpreis nicht mehr so stark verändert. Ölquellen kosten nun nur noch halb so viel wie früher.

Das Spielende von Mc Multi kann jetzt bereits bei 750 Mio. Dollar (statt 1 Mrd. Dollar) erklärt werden. Auch hat im Gegensatz zu früher der Spieler, der das Spielende erklärt, danach keinen Zug mehr. Dafür darf aber jeder Spieler am Spielende noch seine gesamten Anlagen verkaufen – wenn auch nur zum schlechtesten Preis.

Das neue Mc Multi ist zwar kein Blickfang, aber der Spielplan ist zumindest übersichtlich, wenn auch die höheren Anlagen-Spielsteine ab und an den Blick auf dahinter Liegendes erschweren. Funktional ist er allemal. Die kreuzförmig angeordneten Würfelleisten sorgen für die Unterteilung des Spielplans in Quadranten; das Würfelergebnis ist unmissverständlich einer Reihe zuzuordnen. Mit Ausnahme der Wirtschaftskarten, deren Schrift zu klein geraten ist, ist das Material von Mc Multi durchaus ansprechend.

Wenn auch die Spielregel inhaltlich bis auf eine Kleinigkeit nichts vermissen lässt (es fehlt der Hinweis, dass der Würfel der Würfelunterschiedsleiste nach Veränderung der Wirtschaftslage wieder auf Null gesetzt wird), wirkt sie doch zumindest ein bisschen lieblos. Es fehlt gänzlich an Beispielen und Illustrationen, wie es in jeder Spielregel Standard ist. Dafür sind 15 Seiten Spielregel von Mc Multi dann ziemlich üppig.

Die oben genannten Änderungen führen je nach Spielweise in manchen Partien von Mc Multi zu einem ganz anderen Spielgefühl. Besonders der Umstand, dass der Benzinpreis am Verbrauchermarkt nicht mehr so starken Schwankungen unterliegt wie früher, kann dazu führen, dass, wenn früh mit Tankstellen Benzin verkauft wird, der Benzinpreis kaum aus dem Keller kommt. Preise von 60 Mio. Dollar pro Einheit oder darüber sind dann utopisch. Wandert dazu der Würfel auf der Unterschiedsleiste auch noch langsam, verstärkt das den Effekt und der Benzinpreis wird extrem unattraktiv. Man könnte meinen, die Würfelunterschiedsleiste sei zwei Felder zu lang.

Entgegenwirken können dem die Spieler eigentlich nur, indem sie konzertiert am Anfang nur wenig über Tankstellen an den Verbrauchermarkt abgeben, damit der Bezinpreis zunächst steigen und sich in der oberen Region einigermaßen festsetzen kann.

In den meisten Fällen ist es aber dennoch im Laufe des Spiels unerlässlich, eine funktionierende Produktionskette von der Ölquelle bis zur Tankstelle zu entwickeln, damit man unabhängig von den Märkten produzieren kann. Dann hat man seine zwei bis drei Ölquellen, die auch sprudeln, kann sein Öl raffinieren und sogar verkaufen, alles fluppt prima - aber es hakt trotzdem: Man kommt finanziell nicht in die Gänge. Öl verarbeiten reicht nicht. Man ist gezwungen, Anlagen (günstig) zu kaufen, um sie bei entsprechender Wirtschaftslage gewinnbringend wieder verkaufen zu können. Ohne die aus diesem Handel erwachsenden Gewinne wird man von der Konkurrenz einfach abgehängt. Aber genau das fällt einem schwer, denn eine ausgewogen laufende Produktionskette bräuchte eigentlich keine Eingriffe, die sie wieder aus dem Lot werfen (könnte).

Darüber hinaus wird man schon deshalb beim neuen Mc Multi nicht gerade zur Investition ermutigt, wenn die bevorstehenden Ereignisse des Nachrichtenstapels durchaus unangenehme Löcher in die Kasse zu reißen drohen. Ganz wie im richtigen Leben, möchte man meinen.

Mc Multi ist noch immer ein reinrassiges Wirtschaftsspiel, das in vielerlei Hinsicht Weitsicht erfordert. Schon bei der Startaufstellung, in der jeder Spieler seine Anlagen kauft, sollte der dritte und vierte Spieler bereits Tendenzen erkennen, die sich aus dem Anlagenkauf seiner Mitspieler erkennen lassen. Kaufen alle viele Bohrtürme, sollte gleich darauf spekuliert werden, dass früher oder später viel Öl produziert wird und der Ölpreis an den Märkten niedrig ist. Das Kapital, das man dann für den geringeren Anlagenkauf am Anfang spart, muss man dafür erst mal in den anfangs noch erhöhten Ölpreis investieren, bis dieser tatsächlich sinkt.

Es treten leider unweigerlich in der ersten Hälfte des Spiels von Mc Multi Längen auf, die umso ausgedehnter werden, je schlechter die Würfel fallen. Trifft man mit den Würfeln ums Verrecken seine Öltürme nicht, kann das a) die gewählte Strategie über den Haufen werfen und b) einen soweit zurückwerfen, dass man den Abstand kaum noch aufholen kann. Die Spieldauer von Mc Multi ist ohnehin mit zweieinhalb bis drei Stunden effektiv zu lang, denn nach einiger Zeit wirkt zumindest der Spielablauf stereotyp. Auch wenn ständig der Geldfluss durch An- und Verkauf von Rohstoffen und Anlagen kontrolliert, die Lagerbestände reguliert und darüber gewacht werden muss, welche Aktionen jetzt die sinnvollsten sind.

Mc Multi macht zu viert am meisten Spaß, und auch zu dritt gibt es eine akzeptable Lösung für den verwaisten vierten Quadranten. Die Variante für zwei Personen erscheint dagegen so unübersichtlich und chaotisch, dass sie als nicht ernstzunehmender Vorschlag ignoriert wurde. Der Aufforderungscharakter des Brettspiels ist schon rein äußerlich eher gering (Coverdesign). Das Spielmaterial macht einiges wett, aber dennoch ist Mc Multi ein Spiel für Spezialisten und Liebhaber von abstrakt kalkulierbaren Wirtschaftsspielen. Mit einer abgekürzten Spielzielsetzung würde ich es auch wieder spielen.
 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
13
Spieldauer (Minuten): 
120
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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