Mein neues Leben

eine Spielerezension von Carsten Pinnow - 30.04.2008
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Mein neues Leben von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Knallbunt präsentiert sich Mein neues Leben, das Spiel zur bekannten TV-Serie auf Kabel 1. Zumindest auf dem Spielplan, denn das Cover kommt eher etwas bieder daher, noch dazu mit einem zusätzlicher Strichcode, der irgendwie stört. Ähnlich unprofessionell wirkt das Innenleben: Ungleiche Würfel (Farbe und Material), teilweise nicht korrespondierende Farben bei Spielfeldern und den dazugehörigen Ereigniskarten, sowie ein Spielplan, der wohl auch vor 100 Jahren schon so gefaltet wurde.

Wer die Fernsehserie kennt, legt sich dieses Spiel mit einer gewissen Erwartungshaltung zu. Die Serie lebt jedenfalls im Wesentlichen von optischen Eindrücken aus dem neuen Land und den Hindernissen, die es dort zu bewältigen gibt. Pauschaltourismus im Reality-TV quasi. Das Brettspiel beschränkt sich jedoch auf Formalismen und bunte Felder auf einem hässlichen Spielplan. Abgenudelte Mechanismen müssen dafür herhalten, aus der Serienlizenz ein vermarktbares Spiel zu machen: Über einen Parcours würfeln sich die Spieler zu Tode und ziehen ihre Figur im Kreis – die folgende Aktion wird durch das Feld bestimmt, auf dem man gelandet ist.

Dabei sind es vor allem die "Checklisten"-Karten, auf die es ankommt. Diese werden so lange gesammelt, bis man alle sechs verschiedenen Typen zusammen hat. Angefangen vom Visum bis hin zum Möbeltransport. Also all die Dinge, die man im realen Leben schon ungern tut.

Daneben gibt es auch Jobfelder, die den Spielern zufällig neue Berufe zuteilen. Schnell wird ein gelernter Chirurg mal zum Planierraupenfahrer oder anders herum – entsprechend unterschiedlich sind die Gehälter, die die Spieler während des Spiels kassieren. Ähnlich realitätsfern sind die Verhandlungsfelder, die überall dazwischen gestreut sind: Gibst Du mir eins von Deinen beiden Visa, bekommst Du von mir einen Impfpass, und für Deine Arbeitsbescheinigung zahle ich Dir zusätzlich noch zehntausend Euro! Wobei man im Spiel zu zweit natürlich eher nicht mit langen Verhandlungsgesprächen rechnen sollte ...

Irgendwann hat es sich aber mal ausgewürfelt und einem Spieler ist es gelungen, die sechs Checklistenteile zusammenzusammeln, noch drei Freunde im neuen Land gewonnen sowie das benötigte Kleingeld verdient zu haben. Dieser Spieler hatte vielleicht etwas mehr Glück beim Ziehen der Ereigniskarten, die sehr unterschiedlich stark sind. Vielleicht ist er beim Würfeln auch häufig auf schon besetzten Feldern gelandet, wodurch er bei den betroffenen Mitspielern Checklisten-Karten stehlen durfte. Ganz sicher aber landete er nicht auf dem "Geh-zurück-zum-Start-und-fang-noch-mal-von-vorne-an-Feld", das im Zielland auf ihn wartet.

Mit den einfachen Regeln ist das Spiel für geübte Spieler von Mensch ärgere Dich nicht zwischen acht und zwölf Jahren kein Problem, thematisch spricht Mein neues Leben jedoch eher Erwachsene an. Wer sich daran versucht, wird bestenfalls in seiner Meinung bestätigt, dass Brettspiele Kinderkram seien – und sich wieder stundenlang vor die Glotze hocken. Die Lizenz zur Serie ist somit eine Lizenz zum Wegwerfen. Eigentlich eine Frechheit, dass solche Spiele heutzutage noch produziert werden.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
120
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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