Meisterdiebe

eine Spielerezension von Michael Weber - 31.10.2005
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Meisterdiebe von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Eine würfelförmige Holzschatulle steht vor den Spielern. Drei einzeln drehbare Ebenen bieten jeweils einer Schublade an jeder Seite Platz, wobei sich zwei kurze auf der einen Achse und zwei kurze mit einem anschließenden Geheimfach auf der anderen gegenüberliegen. Und dreht man die Schatulle auf den Kopf sieht man, dass jede Schublade auf der Unterseite ein identisches Fach beinhaltet.

Und was gehört in so eine Schatulle? Schmuck! Edelsteine, um genau zu sein. Denn jeder Spieler hat ein paar Imitate von Diamanten und Saphire vor sich liegen. Zusätzlich sind in den Geheimfächern der sechs langen Schubladen noch Rubine versteckt (drei auf der oberen Seite, drei auf der unteren). Die Spieler versuchen nun, ihre Edelsteinimitate in die Schubladen zu legen und damit "rein zu waschen". Denn alles, was man in der Schatulle findet, ist echt. Und wer die wertvollsten Edelsteine finden kann, ist dem Geheimnis der Schatulle siegreich auf der Spur.

Das Hineinpacken und Finden der Steine wird durch Karten gesteuert. Jede Runde darf jeder Spieler eine seiner Rollenkarten ausspielen. Mal schmuggelt man erst einen Stein hinein (und mit Glück auch wieder heraus), mal spielt man Juwelier und platziert eine Alarmanlage neben seinen Stein in die Schublade. Die Juweliersgattin legt Steine einfach so hinein, der Dieb versucht möglichst viel zu stehlen, also zu finden. Und nur der Meisterdieb darf nicht nur den vorderen Teil der Schublade öffnen, sondern auch ans Geheimfach mit den wertvollen Rubinen. Weil hier alles drunter und drüber geht, werden noch Detektive benötigt, die das an sich nehmen, was die ungeschickten Mitspieler aus den unteren Schubladen herausfallen gelassen haben. Beweisstücke sozusagen.

Was sich so einfach anhört, wird durch den eigentlichen mechanischen Spielablauf im wahrsten Sinne des Wortes verdreht und auf den Kopf gestellt. Bis auf den Detektiv dürfen alle Rollen nach ihrer Aktion die oberste oder die obersten beiden Ebenen der Schatulle um 90 Grad drehen und beziehungsweise oder die Schatulle auf den Kopf drehen. Schon sind die Edelstein, die eben noch greifbar im oberen Fach einer Schublade lagen, in der unteren gelandet und würden beim Öffnen herausfallen. Wer will aber schon den Detektiven alles überlassen. Also versucht man sich, die einer oder andere Schublade zu merken, um die Hand nach den Steinen ausstrecken zu können. Das gelingt nicht immer. Mal fallen einfach Steine unten heraus, mal löst man die Alarmanlage eines Juweliers aus. Ungeschickte Schmuggler gehen mitunter leer aus, aber findige Meisterdiebe stehlen alles und dazu den Rubin. Wenn der erste Spieler alle seine Imitate losgeworden ist, endet das Spiel. Nun werden eventuell übrige Imitate vom Wert der inzwischen zu echten Edelstücken gewordenen Steine abgezogen. Wer die wertvollsten gesammelt Steine hat, gewinnt das Spiel.

Das Spiel ist sehr edel und aufwändig fabriziert und allein deshalb kein preiswertes Vergnügen. Doch der Preis ist für den Materialwert gerechtfertigt. Doch macht eine Runde Meisterdiebe auch Spaß? Ja. Sehr sogar. Wenn man mit der richtigen Einstellung an das Spiel herangeht. Man wird leicht dazu verleitet, sich den Inhalt möglichst vieler Schubladen merken zu wollen. Doch das wird auf Dauer kaum gehen und lässt dann entsprechend den Spielspaß ins Bodenlose sinken.

Viel sinnvoller ist es, sich zwei, vielleicht drei interessant gefüllte Schubladen zu merken, die für die laufende Runde noch vorhandenen Rollenkarten nutzbar sind. Einem Schmuggler sollten zum Beispiel niemals Steine aus dem unteren Fach der Schublade fallen, das bringt ihn um seinen Anteil. Ein Dieb sollte sich merken, wo sich eine vielleicht gerade eben gut gefüllte und jetzt verdrehte Schublade befindet, um im Idealfall mehrere Steine abstauben zu können. Detektive treten möglichst immer dann auf den Plan, wenn viele Steine in den Schubladen sind. Denn wenigstens ein Mitspieler ist meist der Dumme und lässt etwas für sie herauspurzeln. Peinlich auch, wenn der Juwelier seine eigene Alarmanlage auslöst. Doch die Krönung des Spiels ist der Einsatz der Meisterdiebkarte. Nur dieser darf an die Geheimfächer mit den Rubinen. So wäre es doch gut, wenn der betreffende Spieler wenigstens eine Schublade mit Geheimfach finden würde.

Also nicht so sehr auf das Merken vieler Schubladeninhalte kommt es an, sondern auf den klugen Einsatz der Rollenkarten und eine gesunde Auffassungsgabe. Dazu kann das Drehen und Umdrehen der Schatulle im richtigen Moment den schon lauernden Mitspieler ein Strich durch seine Rechnung machen. Ohne Merken geht es nicht, aber zu viel Merken zerstört den Spielspaß dieser witzigen, durchdachten und sehr frischen Spielidee. Geht man locker an Meisterdiebe heran und nimmt eigene Fehlversuche lächelnd hin, bietet das Spiel eine gute Stunde großen Spielspaß. Ein für den einen oder die andere vielleicht teurer Spaß, aber eben ein exklusiv ausgestatteter Spaß und damit letztlich ein schöner Spaß.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2 - 8
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
75
Jahrgang: 
2004
Spielkategorisierung
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