Moai

eine Spielerezension von Carsten Pinnow - 30.04.2008
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Moai von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Auf der Osterinsel ist was los. Nein, es wird nicht Ostern gefeiert, sondern anständig gearbeitet! Aufgabe der Spieler ist es nämlich, die berühmten Steinstatuen („Moais“) zu errichten, für die die Insel berühmt ist.

Jeder Spieler vertritt einen Clan, der fleißig Steine klopft und Palmen fällt, um die behauenen Steine zu ihren endgültigen Plätzen zu transportieren. Natürlich muss sich solch ein Clan auch um die eigene Versorgung sowie um die Vermehrung kümmern, denn es gibt im Spiel viele Widrigkeiten, denen es zu trotzen gilt.

In jeder Runde bieten die Spieler mit verdeckten Handkarten um die Spielreihenfolge. Wer sich an dieser Stelle fragt, wie man normal große Spielkarten mit seiner Handfläche verdecken soll, oder den Mitspielern gar ein Gebot von null Karten verheimlichen will, hat das Problem dabei verstanden – im Gegensatz zum Hersteller. Dass es sich überhaupt lohnt, um die Reihenfolge zu streiten, liegt an den Handlungskarten, die jede Runde offen ausliegen. Wer zuerst kommt, hat dabei die freie Auswahl.

Diese Handlungskarten bestimmen nicht nur das Einkommen der Spieler (zusätzliche Handkarten), sondern legen größtenteils auch Sonderaktionen fest: Entweder wird der Bau eines Bootes ermöglicht um künftig zusätzliche Nahrung zu erwirtschaften, oder ein Desaster schlägt zu. Diese Desasterkarten machen über die Hälfte aller Handlungskarten aus und schlagen sofort zu. Wer eine solche Karte nimmt, darf einen Spieler auswählen, dem das Unheil dann widerfährt. Bei voller Besetzung kann ein einzelner Spieler allein in einer Runde somit vier Mal vom Schicksal getroffen werden. Das ist hart! Denn bei den Desastern handelt es sich um echte Katastrophen, keine kleinen Hindernisse: Holz verbrennt (mitunter auch mal ein Schiff), Clanmitglieder sterben, Ackerfläche geht verloren, und ganz schlimm in der Endphase: Sogar fertige Statuen werden zerstört!

Dabei ist der Weg zu einer solchen Statue schon hart und steinig. Denn wer daran denkt eine solche zu bauen, sollte rechtzeitig im Wald ein paar Palmen fällen. Die Anzahl verfügbarer Palmen ist je Runde jedoch begrenzt, sodass der Konkurrenzdruck groß ist. Die durch kleine Holzscheiben repräsentierten Clanmitglieder besitzen verschiedene Stärken und werden in Wald und Steinbruch verdeckt platziert. Wenn sich mehrere Spieler um dasselbe Stück Holz bemühen, erhält nur der stärkere Spieler dieses, und die anderen gehen leer aus. Man kann sich daher oft nicht sicher sein, ob man das benötigte Holz auch erhält und investiert deshalb dort Ressourcen (sprich: kräftige Clanmitglieder), die man eigentlich lieber im Steinbruch arbeiten lassen wollte.

Im Steinbruch schließlich werden die Steine geschlagen. Je mehr Leute man dort beschäftigt und je kräftiger diese sind, umso größer kann die Statue werden. Vorausgesetzt, man besitzt bereits ein Stück Holz zum Abtransport. Und hoffentlich ist man auch nicht zu spät dran, denn die Zahl der Statuenplättchen ist begrenzt. Wer erst spät mit dem Bau anfängt oder in der Zugreihenfolge hinten sitzt, muss unter Umständen kleinere Brötchen backen, wenn die lukrativeren großen Statuen schon von anderen Spielern gebaut wurden.

Bei all dem Stress darf jedoch keinesfalls vergessen werden, dass die lieben Verwandten ernährt werden müssen. Glücklicherweise muss man den eigenen Nachwuchs nicht auch selbst füttern, aber wer nicht genügend Arbeitskräfte auf die Felder schickt, muss mit dem Hungertod eigener Leute rechnen. Die einem dann in den folgenden Runden fehlen.

Natürlich sind auch die Felder begrenzt, und werden im Laufe des Spiels dank Erosion dazu noch immer weniger. Das schürt den Futterneid, das sorgt für Ärger. Denn ab und zu möchte die arbeitende Bevölkerung auch mal Pause machen, und wenn davon mal ein Feldarbeiter betroffen ist, ist - schwupps - sein Platz ganz schnell von einem Mitspieler besetzt.

Insbesondere bei fünf Spielern sind die Ressourcen knapp und der Konkurrenzkampf groß, da sorgen die vielen zerstörerischen Aktionen schnell für Frust bei den betroffenen Spielern. Königsmachereffekte sind möglich, ein gezieltes oder langfristig planbares Spiel jedoch nicht.

Frustresistente Spieler, die ein bis zwei Stunden mit dem Thema Osterinsel verbringen wollen und denen das nicht besonders ansprechende Design relativ egal ist, dürften sich mit Moai gut unterhalten fühlen. Alle anderen sollten sich vor Spielbeginn darüber Gedanken machen, ob sie Moai mit diesen Regeln wirklich spielen wollen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
90
Jahrgang: 
2007
Spielkategorisierung
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