Monopoly U-Build

eine Spielerezension von Axel Bungart - 04.04.2011
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Monopoly U-Build von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Muss man zu einer neuen Monopoly-Version noch was sagen? Ja, man muss, zumindest in diesem Fall.

Bei Monopoly U-Build ist vieles anders. Die Schachtelgröße, der „Spielplan“, die Regeln. Kein fester, quadratischer Parcours erwartet uns, keine Straßen sondern Stadtteilfelder, aus denen man den Rundkurs fast frei zusammenstecken kann. Mit kleinen Nasen und den dazu passenden Löchern verhakt man die einzelnen Stadtteilfelder miteinander. Die Farben auf den Stadtteilfeldern erinnern tatsächlich ans Original. Auch "Los", "Frei Parken" und die Gefängnisfelder sind unverändert geblieben, ansonsten hat das Material nichts mehr mit dem alten Monopoly zu tun.

Es gibt nun bewegliche Klappbrücken, die in den Parcours mit eingebaut werden, es gibt Stör- und Bonusgebäude, Wolkenkratzer und – den Monopoly-Tower! Alle diese Gebäude sind farblich sehr gut von einander zu unterscheiden und von lichter Gestalt. Wohn- und Industrieblocks (früher: Häuser und Hotels) runden das Material ab.

Würfeln, ziehen, kaufen bzw. versteigern oder Miete zahlen: das alles ist unverändert. Neu ist, dass man sofort, also wenn man auch nur ein einziges Stadtteilfeld besitzt, die Bebauung beginnen kann. Früher brauchte man alle drei Straßen einer Farbe, um bauen zu dürfen. Hier baut man Wohn- oder Industriegebäude. Letztere sind teurer aber auch resistent gegen störende Einflüsse (Störgebäude). Die Mieteinnahmen für beide sind dagegen gleich.

Besitzt man zwei Stadtteilfelder einer Farbe, darf man ein Stadion bauen, was allerdings nur dem Ersten zugute kommt, dem das gelingt. Es erhöht die Einnahmen, wenn man über LOS geht. Hat man sogar alle Stadtteile einer Farbe, darf man einen Wolkenkratzer bauen. Dieser verdoppelt die Mieteinnahmen dieser Farbgruppe. Sollte ein Spieler gar alle Stadtteilfelder zweier Farbgruppen besitzen, darf er den Monopoly-Tower bauen. Er verdoppelt den Mietpreis aller Stadtteile seines Besitzers. Spätestens dann jedoch dürfte das Spiel ohnehin entschieden sein.

Die Stör- und Bonusgebäude darf jeder bauen, der ein Feld „Baugenehmigung“ betritt. Ein Störgebäude macht, solange es neben einem Stadtteilfeld klemmt, dessen Mieteinnahmen zunichte, sofern es sich um Wohnblocks handelt. Bezeichnenderweise handelt es sich um eine Kläranlage, ein Kraftwerk und ein Gefängnis. Verständlich - wer will in deren Nachbarschaft schon Miete zahlen? Ein Bonusgebäude hingegen schützt davor, dass sich ein Störgebäude in seiner Nähe niederlässt.

Zu guter Letzt sind da noch die Brücken, die sich öffnen und schließen lassen und die man auf dem Rundweg zwangsläufig überquert. Sie sorgen lediglich dafür, das sauer verdiente Geld wieder loszuwerden. Sind sie geöffnet, zahlt man, um sie zu schließen und dann zu überqueren. Das kommt immer ungelegen und reißt zuweilen auch größere Löcher in den Geldbeutel.

Soweit so gut. Das meiste lässt sich aus der Spielregel gut herauslesen. Zweifelhaft und keineswegs gelungen geht die Regel mit Detailfragen um. Sich widersprechende Aussagen (Vorrücken der Störgebäude), auf verschiedenen Seiten verteilte Regeln für die Behandlung der Brücken bis hin zu fehlenden Regeln (wohin mit dem Störgebäude bei Hindernissen?) ist alles vertreten. Kurz: Die Regeln sind unpräzise und lückenhaft. Eine Kurzspielregel, die zumindest die Preise der Sondergebäude auflistet, fehlt. Vereinzelt hinterlassen die Aufdrucke auf den Ereigniskarten Fragen. (Was bedeutet der Aufdruck „1 Mio“ auf der Karte "Brückensperre"?) Außerdem sieht das Stadion zwar aus wie ein Bonusgebäude, ist aber in Wirklichkeit keines - verwirrend.

Hat man sich die Regeln zurechtgerückt, gewinnt auch hier, wer am reichsten ist, wenn der erste Spieler Bankrott geht.

Die Regellücken und –ungenauigkeiten stören leider das Gesamtbild dieser Monopoly-Variante. Aber nicht nur das. Auch das Material spricht einen nicht wirklich an. Sind die Sondergebäude noch von der Formgebung richtig gut, ist deren unifarbene Gestaltung in Müllwagen-Orange (Störgebäude) und Neon-Apfel-Grün (Bonusgebäude) ideen- und lieblos. Dazu kommen die Tower in gedecktem Baby-Blau – und schon haben wir die Kinderzimmerfarben einer Fünfjährigen komplett. Die grasgrünen und stahlgrauen kleinen Mietgebäude fallen da gar nicht mehr ins Gewicht. Mit den vielen Farben der Stadtteilfelder sind das einfach ein paar grelle Farben zu viel. Das wirkt kindisch.

Dass alles aus Plastik ist und irgendwie unsolide wirkt, möchte man angesichts der Funktionalität verzeihen. Mit Blick auf die Zielgruppe (Familien) wird das auch nicht so kritisch zu bewerten sein. Die Mängel in der Regel treffen allerdings jede Zielgruppe.

Was Monopoly U-Build interessant macht, ist sein variabler Spielaufbau, der es nicht nur erlaubt, die Anforderungen und Spieldauer stufenlos an das Alter der Mitspieler anzupassen, sondern auch teure und günstigere Stadtteilfelder beliebig anzuordnen. Man verhindert damit eine Ballung besonders teurer Gebäude, während in anderen Ecken kaum etwas zu zahlen ist. Auch die Möglichkeit, sofort mit dem Bauen beginnen zu dürfen, ist wesentlich dynamischer: Sie sorgt für eine schnellere Entwicklung des gesamten Spielfeldes aber natürlich auch für ein schnelleres Spielende.

Auch dieses Monopoly bleibt ein Familienspiel. Die Gebäude in 3D bieten Kindern zusätzliche Anreize, ändern  aber nichts daran, dass Monopoly ein Glücksspiel ist. Kleine Erfolge stellen sich recht schnell ein, weil alle Spieler ohne weiteres Gebäude bauen dürfen. Die dienen aber unter Umständen nur dazu, die Mietforderungen seiner Mitspieler besser bedienen zu können. Das ist halt Monopoly.
 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
90
Jahrgang: 
2010
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
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