Mysterium

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 05.09.2016
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Mysterium - Foto von Asmodee
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Ein nie aufgeklärter Mord an einem Diener lastet wie ein Fluch auf den Bewohnern und Bediensteten des Adelssitzes, sodass sich der Graf und seine Gattin genötigt sahen, ihr Anwesen zu verkaufen. Doch auch die neuen Eigentümer leiden unter den unerklärlichen Vorfällen und haben sich deshalb die sechs berühmtesten Spiritisten der goldenen 20er eingeladen, um bei einer gemeinsamen Séance den Geist des Ermordeten zu beschwören. So erhoffen sie sich wichtige Hinweise auf den Täter, das Tatwerkzeug und den Tatort, um dem Spuk ein für allemal ein Ende zu bereiten und dem Geist des Dieners seine wohlverdiente Ruhe zukommenzulassen. Eine lange und aufregende Nacht steht also bevor!

Wie wird das Gesellschaftsspiel Mysterium gespielt?

Vor der Séance muss durch die Spieler jedoch noch alles vorbereitet werden. Dazu wird das überaus reichhaltige und fantastisch illustrierte Material bereitgelegt. Ein regelkundiger und möglichst kreativer Mitspieler schlüpft in die Rolle des stummen Geistes der nur mit Hilfe von (durch die Illustrationen an Dixit erinnernden) Visionskarten mit den Spiritisten kommunizieren kann. Die anderen Spieler suchen sich jeweils eines der zur Verfügung stehenden Alter Egos aus und schlüpfen anschließend in den Körper des entsprechenden Spiritisten. Diese haben allerdings keine besonderen Eigenschaften, sodass diese Entscheidung keine tiefere Bedeutung für das Spiel hat.

Für jeden Mitspieler wird eine zufällige Kombination (Vision) aus Mörder, Ort des Verbrechens und Tatwerkzeug erstellt, die gut hinter dem Sichtschirm des Geistes versteckt ist. Dieser hat eine gewisse Anzahl an Visionskarten in der Hand, die er an die Spiritisten weitergibt. Für jede weitergereichte Karte zieht er eine Neue nach. Die große Schwierigkeit für den Geist besteht nun aber darin, mit Hilfe dieser Karten den Spiritisten möglichst eindeutige Hinweise zu ihrer jeweiligen Vision zu geben. Dieses ist aber aufgrund des Detailreichtums der Visionskarten und ihrer vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten nicht besonders einfach.

Gespielt wird in Runden, nach sieben Runden müssen alle Spiritisten ihre jeweilige Vision vollständig vor Augen haben, sonst ist das Spiel schon vorzeitig zu Ende. Vor den Spielern liegen, abhängig von der Schwierigkeitsstufe, auf der gespielt wird, entsprechend viele Karten als Auswahl für Mörder, Ort des Verbrechens und Tatwerkzeug. So versuchen die Spieler also nun, mit Hilfe des Geistes aus dieser Auslage für sich die Richtigen herauszufiltern. Dabei ist es ausdrücklich erwünscht, dass sich die Spieler gegenseitig helfen. Haben sich alle, innerhalb einer mittels Sanduhr vorgegebenen Zeit, für einen Verdächtigen entschieden, dürfen die Spieler am Ende der Runde noch tippen, ob ihre Mitstreiter mit den jeweiligen Tipps richtig lagen. Dafür kann es sogenannte Hellsichtspunkte geben, die aber erst im zweiten Teil des Spiels wichtig werden.

Hierbei muss aus den Visionen der Spiritisten die Richtige herausgefiltert werden. Dabei wandelt sich allerdings der Charakter des Spiels von kooperativ zu konfrontativ. Der Geist wählt verdeckt eine der Visionen aus und legt drei Visionskarten (eine offen und zwei verdeckt) aus, die seiner Meinung nach die gesuchte Kombination aus Täter, Tatort und Tatwerkzeug am besten umschreibt. Mit diesem Wissen und der Kenntnis der möglichen Kombinationen müssen die Spiritisten geheim ihre jeweiligen Tipps abgeben. Haben sie jedoch eine bestimmte Anzahl an Hellsichtspunkten gesammelt, können sie sich dafür noch die zweite oder gar dritte der Visionskarten ansehen, um einen genaueren Tipp abgeben zu können. Wer den richtigen Tipp abgeben hat und dazu die wenigsten Hellsichtspunkte benötigte, ist der beste Spiritist in der Runde, hat den rätselhaften Fall gelöst und dem Geist seine wohlverdiente Ruhe zurückgegeben.

Wie gut ist Mysterium?

Oft hört oder liest man bei/in Einschätzungen über Mysterium den Satz: Dixit trifft Cluedo. Doch leider wird diese Einschätzung dem Spiel von Oleksandr Nevskiy und Oleg Sidorenko (Lillebud/Asmodee) nicht gerecht und so werden eher Spieler abgeschreckt, die mindestens eines der vorgenannten Spiele nicht mögen. Richtig ist aber, dass Mysterium natürlich Spielelemente bzw. –mechaniken aus beiden Spielen beinhaltet und speziell die Grafik der Visionskarten der der Karten aus Dixit stark ähnelt. Damit erschöpfen sich aber auch schon die Gemeinsamkeiten, denn das eigentliche Spielerlebnis bei Mysterium ist ein komplett anderes und recht nah beim Genre des Rollenspiels angesiedelt. Ein Riesenpluspunkt für dieses Spiel ist die tolle Atmosphäre die es aufbaut und die insbesondere durch das fantastische Material zusätzlich unterstützt wird. Aber damit wird Mysterium leider noch nicht zum Selbstläufer denn es werden natürlich auch noch die entsprechenden Mitspieler benötigt, die sich zum einen auf dieses Spiel und das Genre einlassen können und wollen und es zum anderen durch ihre aktive Teilnahme auch selbst mit gestalten. Funktioniert die Gruppe untereinander oder die Wechselbeziehung zum Geist nicht, so wird auch der gewünschte Spielspaß nur schwerlich aufkommen. Ein zweites kleines mögliches Manko ist der gefühlte Bruch im Spielerlebnis nachdem alle Spiritisten ihre jeweilige Vision vervollständigt haben. Zwar logisch über ein paar Umwege erklärbar, läuft das Spiel an dieser Stelle aber nicht sonderlich rund.

Mysterium polarisiert aus den oben genannten Gründen. Entweder man findet es richtig toll oder kann einfach nichts damit anfangen. In meinen Augen ein wunderschönes Spiel ohne Wettbewerbsstress für eine gemütliche und stimmungsvolle Runde im Freundeskreis, das man zwar nicht regelmäßig spielen wird, aber immer wieder gern hervorholt. Erweiterungen mit neuen Fakten- und Visionskarten stehen schon in den Startlöchern und sollten mehr Abwechslung ins Spiel bringen. Unbedingt Probe spielen, es lohnt sich!

Video: 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spielerzahl: 
2-7
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2015
Spielkategorisierung
Mehr zum Spiel

Kommentare

Das Spiel kann man auch mit vielen Personen spielen, denn man kann auch zu zweit für eine Spielfigur rätseln.

 

Man bekommt Bilder gezeigt und muss mit diesen Bildern erraten, welche anderen Bilder gemeint sein könnten. Ich habe sowohl als Mitspieler als auch als der spielführende Geist gespielt. Es macht Spaß, erfodert aber auch eine ganze Menge Fantasie und evtl Um-Die-Ecke denken.

 

Sehr kooperativ, bei uns berät die ganze Gruppe jeden Mitspieler, der dann die finale Entscheidung trifft. Das hat immer sehr gut funktioniert. Noch nie ist jemand eingeschnappt rausgerannt, was sonst leider häufig passiert.

 

Ich habe es einer Familie von Dixit Fans geschenkt, und es war ein voller Erfolg. Sie spielen es ständig.