Netzwerk

eine Spielerezension von Frank Biesgen - 31.10.2005
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Netzwerk von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Alles begann mit dem Spiel Isi, das Corné van Moorsel 1999 in seinem eigenen Verlag Cwali veröffentlichte. Die Kleinstauflage des 2-Personen-Spiels war schnell vergriffen, und so erschien 2000 Morisi (sprich: Mor-Isi), ebenfalls bei Cwali, grafisch aufgemotzt und mit bis zu vier Personen spielbar. Dieses Spiel wurde unter dem Namen Netzwerk von Jumbo erneut herausgebracht.

Die dem eigentlich abstrakten Spiel aufgepfropfte Hintergrundgeschichte wurde dabei nur unwesentlich geändert. Als Handelsreisender erwirbt man verschiedene Sorten von Rohstoffen, welche wiederum für den Bau von Straßen verwendet werden. In der Praxis wird dafür zunächst aus verschiedenfarbigen Feldern mit Landschaften und neun Städten unterschiedlicher Wertigkeit ein variabler Plan gelegt. Jede Landschaft erhält zwei Würfel in der entsprechenden Farbe, welche die Rohstoffe darstellen. Dann setzen alle ihre Spielfiguren auf beliebige Startfelder und nehmen einen der dort liegenden Rohstoffwürfel an sich. In jeder Runde bewegt nun der Spieler am Zug zunächst seine Figur auf ein benachbartes Feld und erhält so einen weiteren Rohstoff. Danach darf er eine Straße seiner Farbe zwischen zwei Städten bauen; dies kostet einen Rohstoff pro überbautem Feld, in der Farbe der betreffenden Landschaft. Paralleles Bauen zu bereits existierenden Wegen ist möglich, erfordert allerdings einen zusätzlichen Würfel. Sobald der letzte Rohstoffwürfel einer Farbe aufgenommen wird, endet das Spiel und die einzige Wertung erfolgt. Nun zählen zum einen alle an das Netzwerk eines Spielers angeschlossenen Städte mit ihrem individuellen Wert, zum anderen bringt jede Stadt noch einmal einen Punkt pro mit ihr verbundener Nachbaransiedlung.

Netzwerk ist ein Spiel, das ohne jeglichen Glücksanteil auskommt. Alle Informationen sind jederzeit ersichtlich. Selbst die in Morisi vorhandenen Sichtschirme zum Verbergen des Rohstoffvorrats der Mitspieler wurden weggelassen. Die im Vorgänger noch recht komplizierte Schlusswertung wurde entschlackt. Mit den Wüstenfeldern, die weder betreten noch bebaut werden dürfen, sowie den Stadtwerten kommen neue, interessante Mechanismen hinzu. Gerade letztere können jedoch auch zur Unausgewogenheit führen - bisweilen hat der Startspieler hier Vorteile, die im Laufe einer Runde auch bei geschicktem Spiel kaum aufgeholt werden können. Da eine Partie jedoch selten länger als 20 Minuten dauert, spricht nichts gegen eine sofortige Revanche. Die gegenüber Morisi verkürzte Spieldauer liegt darin begründet, dass weniger Rohstoffwürfel eingesetzt werden. Weitere kleine Änderung: Die Landschaften wurden zu Dreierblöcken zusammengefasst, was die Variabilität aber nicht weiter schmälert.

Ein Ärgernis allerdings ist die mangelnde Sorgfalt, die seitens des Verlages (wieder einmal – siehe Moderne Zeiten) an den Tag gelegt wurde. Zwar sind kurze Spielanleitungen lobenswert, jedoch sollten diese dann auch vollständig sein und den Leser nicht, wie hier zum Teil geschehen, mit offenen Fragen und halben Sätzen (!) zurücklassen. Gesunder Menschenverstand hilft zwar weiter, aber trotzdem sind dies Fehler, die nicht vorkommen dürfen. Und die Schachtel versprüht den Charme der 70er Jahre. Mit solchen Motiven tapezierte man damals sein Wohnzimmer, aber zum Griff ins Spielregal animiert die Grafik nicht. Schade, dass dieses flotte, dabei jedoch nicht seichte Taktikspiel somit wohl nicht die erhoffte Aufmerksamkeit erhalten wird.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2003
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