Old Town Robbery

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 26.03.2016
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Old Town Robbery - Gesellschaftsspiel - Foto von Clicker Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Old Town ist ein sehr schönes Deduktionsspiel, welches von Stephan Riedel 2004 in seinem Eigenverlag Clicker Spiele umgesetzt wurde. 2007 folgte dann Old Town Solo als Kartenspiel. 2015 hat die Old-Town-Familie nun einen weiteren Zuwachs zu verzeichnen, das hier vorliegende Old Town Robbery. Diesmal sorgen statt Stephan Riedel allerdings Günter Cornett und Peer Sylvester für unsere erneute Reise in den Wilden Westen, um die dortige Geisterstadt zu besuchen.

Worum geht es bei Old Town Robbery?

Doch was ist das? Anscheinend hat jemand die Zeitmaschine falsch eingestellt und statt im Staub der längst untergegangenen Wild West Stadt zu wühlen, finden wir uns im pulsierenden Leben ebenjener wieder. Zwar machte gerade der Hilfssheriff, gemütlich ein Pfeifchen schmauchend, seine Runde, da passiert, wir hätten es vorher sehen müssen, ein Überfall. Nun ist die Hilfe der bis zu sieben Spieler gefragt, um den Übeltäter zu erwischen.

Zu Spielbeginn werden die 18 Gebäudekarten kreisförmig ausgelegt und symbolisieren so die Kleinstadt. Bank, Saloon, Stall, Hotel, Spielcasino, Sheriffbüro und viele andere Gebäude, alles da, was eine Wild-West-Stadt in unseren Vorstellungen so ausgemacht hat. Die 17 Personenkarten kommen in jeweils zwei Varianten vor, mit und ohne Fragezeichen. Diese werden jeweils separat gemischt und getrennt durch die Überfallkarte verdeckt in einem Stapel ausgelegt. Jeder Spieler erhält zudem noch eine Ja/Nein-Karte und zwei Zählsteine. Nun kann die Suche nach dem Banditen, der den Überfall verübt hat, auch schon losgehen.

Wie wird Old Town Robbery gespielt?

In der ersten Phase des Spiels dreht der Hilfssheriff seine Runden. Dazu würfelt der Spieler, bewegt den Hilfssheriff um die entsprechende Anzahl von Gebäudekarten und legt an die Gebäudekarte, an der er seine Bewegung beendet hat, eine Personenkarte an. Nun muss der Spieler nur noch Personen- und Gebäudekarte durch einen kurzen Text für die Mitspieler in einen merkfähigen Zusammenhang bringen. Der nächste Spieler verdeckt zuerst die gelegte Personenkarte, führt anschließend aber einen identischen Zug durch. Passiert der Hilfssheriff auf seiner Runde zwischenzeitlich sein Sheriffbüro, wird das Spiel nach dem Zug des aktiven Spielers unterbrochen. Der Spieler mit der Hutkarte versetzt eine beliebige verdeckte Personenkarte zu einer freien Gebäudekarte. Zudem muss er diese Aktion sprachlich in einen Zusammenhang bringen und die versetzte Personenkarte genau benennen. Jetzt können die Spieler die Identität der versetzten Person anzweifeln und mittels der Ja/Nein-Karten abstimmen. Wurden unterschiedliche Antworten gezeigt, erhalten alle mit der richtigen Antwort einen Zählstein, während der Spieler mit der Hutkarte einen Zählstein abgeben muss, falls er die Person falsch eingeschätzt hat. Die Hutkarte wandert allerdings in jedem Fall an den Nachbarn weiter. Dieses Prozedere läuft solange, bis alle 17 Personenkarten verdeckt ausliegen und die Überfallkarte gezogen wird.

Anschließend beginnt die zweite Phase von Old Town Robbery. Hier sollte die Spieler unbedingt noch im Hinterkopf haben, in welchem Gebäude sich augenblicklich welche Person befindet. Nacheinander wird nun der Stapel mit der zweiten Version der Personenkarten aufgedeckt und die Spieler zu deren Aufenthaltsort befragt. Gleichzeitig tippen sie nun auf das Gebäude, in dem sie die Person vermuten und erhalten, wenn sie richtig liegen, einen Zählstein. Die letzte der Personenkarten stellt den Banditen dar. Wer dessen Aufenthaltsort errät, erhält eine höhere Belohnung. Sieger ist der Spieler, der die meisten Zählsteine angehäuft hat.

Macht Old Town Robbery Spaß?

Old Town Robbery ist ein klassisches Deduktions- und Memo-Spiel, bei welchem vor allem die Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit der Mitspieler gefragt sind. Die Spielregel ist schnell verinnerlicht und auch das Spielmaterial geht für einen Kleinverlag durchaus in Ordnung.

Leider gibt es aber Abzüge in der B-Note. So sind zwar die Grafiken der Personen ganz hervorragend gelungen, die der Gebäude sehen aber zu gleichförmig aus, sodass sich die Spieler bildliche Details schlechter merken können. Die Ja/Nein-Karte ist unpraktikabel und auch das Tippen in der zweiten Spielphase geht in voller Besetzung viel zu chaotisch vonstatten. Hier hätte mit ein bisschen mehr Materialeinsatz und –gestaltung viel gewonnen werden können. Der Genre-Konkurrent Eselsbrücke hat zwar einen anderen Ansatz, zeigt aber trotzdem, was man aus so einem Nischenprodukt herausholen kann.

Unabhängig davon ist Old Town Robbery ein gutes und schnelles Spiel, für das jedoch einige Mitspieler notwendig sind, die Deduktions- und Memo-Spielen aufgeschlossen gegenüber stehen. Erst dann kommt sein Spielspaß voll zur Entfaltung.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spielerzahl: 
2-7
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2014
Spielkategorisierung
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