Olympus

Kampf um die Gunst der Götter im antiken Griechenland

eine Spielerezension von Tobias Brouwer - 08.06.2014
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Gesellschaftsspiel Olympus - Foto von Heidelberger Spieleverlag

Gut, dass ich nicht im alten Griechenland gelebt habe! Natürlich, es gab Kriege, Seuchen und den allgemeinen Zwang zur Anbetung diverser egozentrischer Götter – aber das meine ich nicht. Viel schlimmer ist, dass die Griechen ihre Gebäude aus Teilen von Fischen und gejagten Tieren, gemischt mit Getreide gebaut haben. Wie es da roch, will ich gar nicht wissen. So jedenfalls wird es in Olympus von Andrea Chiarvesio und Luca Iennaco (Straelibri/Heidelberger Spieleverlag) suggeriert.

So wird das Gesellschaftsspiel Olympus gespielt

Als Oberpriester eines Stadtstaates schicken wir anfangs drei, später bis zu fünf Priester los, um zehn verschiedene Gottheiten anzubeten. Wähle man diesen als erstes, bekommt man das Premium-Paket an Belohnungen, die nachfolgenden Spieler können nun ebenfalls einen Priester entsenden, bekommen aber nur eine Sparversion dieses Gottes, also nur die Hälfte der Belohnungen. Zwei Göttinnen sind besonders wichtig, mit dem Fortschreiten auf dem eigenen Spieltableau wird der Fortschritt auf anderen Leisten oder der Bau von hochwertigen Gebäuden erst möglich gemacht. Andere Götter sind für die Produktion der „Baustoffe“ da, mit denen Gott-Gebäude gebaut werden können. Neben Vorteilen im Spiel verschaffen diese zusätzlich Siegpunkte, auf die es ja schlussendlich ankommt. Der strenge Geruch ist dabei nur eine kleine Nebenwirkung.

Bis dahin klingt alles nach einem recht friedlichen Wettbauen, doch zwei Götter bringen noch Interaktivität mit hinein, und diese entscheiden oft über den Sieg. Ares lässt die Spieler auf der Militärleiste fortschreiten und Rohstoffe stehlen. Und Apollon beschwört eine Seuche, bei der die anderen Spieler in ihrer Entwicklung teilweise empfindlich nach hinten geworfen werden, falls sie nicht ebenfalls einen Priester zu diesem Gott schicken.

Wie gut ist das Aufbauspiel Olympus?

Olympus ist sehr schnell begriffen, der Ablauf eingängig und ohne Stolpersteine oder Widersprüche. Und dennoch ist es sehr variantenreich und mit vielen gelungenen Kniffen versehen. Das liegt insbesondere an der großen Auswahl an Gebäuden, die in ihren Wechselwirkungen erforscht werden wollen. Jeder Spieler hat einen identischen Kartensatz, weitere zwölf Karten gibt es einmalig in einer Auslage. So hat jeder die gleichen Chancen und kann sich auf verschiedene Bereiche spezialisieren: Viel produzieren, schnell viele Siegpunkte bauen oder auf militärische Konflikte setzen? Doch es gibt auch Zwänge, beispielsweise die Verteidigung, wenn ein Spieler den militärischen Weg gewählt hat, oder den Schutz vor Plagen – da kann es sich lohnen, schnell die entsprechende Schutzkarte zu bauen, die nur einmal im Spiel vorhanden ist. Das Geschehen ist durchaus lebendig, da man sich immer wieder flexibel auf das Agieren der Mitspieler einstellen muss. Die einzelnen Züge sind schnell abgehandelt, die Denkpausen halten sich meist in Grenzen. Je genauer man das Gesellschaftsspiel kennt, desto mehr Möglichkeiten und Zusammenhänge erschließen sich, und es gibt glücklicherweise auch nicht die eine Strategie, die immer zum Sieg führt.

Das Spielgefühl bei Olympus

Das Spielgefühl unterscheidet sich jedoch stark nach Anzahl der Teilnehmer. Bei drei Spielern mit je drei Priestern können alle Aktionen die erste Aktion eines Gottes einbringen, man muss deutlich seltener die wenig gewinnbringende zweite Aktion der Götter wählen. Bei fünf Spielern kann jeder im Schnitt nur zweimal die volle Belohnung fürs Beten erhalten – hier gibt es wesentlich mehr Gedränge, was auch die Spieldauer deutlich erhöht. Es ist Geschmackssache, welches Spielgefühl man bevorzugt, ich mag die planerische Variante bei drei Spielern etwas mehr.

Insgesamt ist jedoch ein sehr rundes Spiel ohne Glückselemente entstanden, das schnell erlernbar ist, aber einige Zeit zum Entdecken aller Möglichkeiten bietet – der Wiederspielreiz ist dabei sehr groß. Das stimmig gewählte Ambiente und die thematische Einbindung sorgen dabei zusätzlichen für ein spannendes Spielgefühl. Sehr rund, sehr eingängig und sehr spielenswert.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
3-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
14-
Spieldauer (Minuten): 
90-120
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
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