Orléans Stories

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 06.06.2020
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Orléans Stories - Foto von dlp Games
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Lesezeit: ca. 5 Minuten

2014 erschien mit Orléans eines der erfolgreichsten Spiele von dlp Games. Dieses drückte sich u. a. darin aus, dass Orléans 2015 für die Wahl zum Kennerspiel des Jahres nominiert wurde. Auch finanziell war Orléans für den kleinen Verlag ein Erfolg, sodass zwei große Erweiterungen und zahlreiche Promos sowie kleinere Ergänzungen folgten. Trotzdem hatte der Autor Reiner Stockhausen noch viele Ideen für das Spiele-Universum, die er bisher noch nicht verwirklichen konnte. Da ihn zudem der Gedanke des sich entwickelnden Spiels reizte und er gleichzeitig für sein neues Spiel einen großen Wiederspielwert und keine Vernichtung von Spielmaterial wollte, war die Idee zu Orléans Stories geboren.

Die grundlegenden Spielprinzipien und die wichtigsten Regeln von Orléans Stories basieren, welch' Wunder, auf denen des klassischen Orléans. Allerdings sollen dabei gleichzeitig zum Spielgeschehen, Geschichten (die so genannten Stories) erzählt werden.

So funktioniert eine Partie Orléans Stories

Im Spiel gibt es weiterhin Spielertableaus sowie das Prinzip des Bag-Buildings. In ihrem jeweiligen Zug ziehen die Spieler, wie auch beim Vorgänger, Personen-Plättchen verdeckt aus ihrem Sack und platzieren diese auf ihren Tableaus, um somit zukünftige Aktionen zu planen. Ist das jeweilige Aktionsfeld voll, so wird dadurch die Aktion ausgelöst und die genutzten Plättchen wandern zurück in den Sack. Durch die Aktionen kann man sich z. B. neue Gefolgsleute sichern, Gold erhalten, auf dem Markt handeln oder aber sich auf dem gemeinsamen Spielfeld ausbreiten. Dieses ist eine der Neuerungen bei Orléans Stories. Die auf dem Spielplan vorhandenen Gelände- bzw. Ressourcenfelder (Feld-Getreide, Wald-Holz und Teich-Fisch) werden dabei von Spiel zu Spiel neu und zufällig ausgelegt. Ausgehend von ihrem Startdorf versuchen sich die Spieler während der jeweiligen Partie möglichst geschickt auf dem gemeinsamen Spielplan auszubreiten, um dadurch für sie interessante Ressourcenfelder zu belegen und später weitere Dörfer und vielleicht sogar Festungen zu errichten.

Der titelgebende und hauptsächliche Unterschied zum Vorgänger besteht jedoch in den Stories. Von diesen sind schon zwei Stück (Das erste Königreich und Die Gunst des Königs) im Spiel enthalten. Eine weitere (Die Siedler) kann auf der dlp-Verlagsseite ganz offiziell herunter geladen und ausgedruckt werden. Die Stories sind eigenständige Spielzenarien, die als in sich abgeschlossene Spielpartien funktionieren. Neben den bekannten Orléans-Regeln gelten bestimmte grundsätzliche Spielregeln für alle Stories; weiterführende Regeln sind hingegen von Story zu Story unterschiedlich und in den jeweiligen Storyheften, von denen jeder Spieler eines erhält, aufbereitet. Auch beim Spielmaterial gibt es zu jeder Story spezifische Bestandteile.

Orleans Stories - Aufbau - Foto von dlp Games

Das erste Königreich

Die Story Das erste Königreich benötigt eine recht lange Spielzeit. Vorsicht: Hier können sogar die vom Verlag angegebenen drei Stunden Spieldauer problemlos überschritten werden. Eine Partie ist hier in acht Epochen unterteilt, wobei jeder Spieler selbstständig entscheiden kann, wann er in die nächste Epochen wechselt. Der Zeitpunkt sollte dabei aber gut auf das eigene Spiel abgestimmt werden, denn jede der Epochen bringt spezifische, spieltechnische Vor- und Nachteile mit sich. Wer als Erster alle seine auf dem Aufgabenblock vermerkten Aufgaben erfüllen konnte, gewinnt diese Story.

Die Gunst des Königs

Die zweite beiliegende Story, Die Gunst des Königs, ist von der Spielzeit her deutlich kürzer angelegt und wird dabei nur über fünf Epochen bzw. Jahre gespielt. Allerdings wird hier das Spielprinzip der Player-Elimination angewendet, das nicht allen Spielern gefallen dürfte. Hierbei scheiden Runde für Runde diejenigen Spieler aus der Story aus, welche die für die jeweilige Runde gestellte Aufgaben nicht erfüllen konnten. Danach müssen sie für den Rest der Partie leider zusehen. Es gewinnt derjenige Spieler, der am längsten durchhält oder, wenn dies mehreren Spielern gelingt, am Ende die meisten Punkte sammeln konnte.

Fazit: Lohnt sich Orléans Stories?

Orléans Stories kommt in einer wunderschön gestalteten und mit Material prall gefüllten Schachtel daher. Gestaltung und Grafik gehen bekannte Wege und orientieren sich am bekannten Orléans. Auch die Basisregeln und Kernelemente wurden von Orléans übernommen. Trotzdem ist Orléans Stories ein komplett eigenständiges Spiel mit teilweise neuen Aktionen und zusätzlichen Regeln, das sich vom Vorgänger abgrenzen will. Natürlich startet das Spiel mit einer ordentlichen Bürde im Gepäck: Da sind zum einen der Bekanntheitsgrad und die gute Spielbarkeit des Vorgängers und zum anderen das Versprechen der Stories, quasi des Geschichtenerzählens im Spiel.

Schnell stellt sich beim Spielen auch das altbekannte Gefühl des Optimierens der eigenen Aktionen gepaart mit dem Zufallsfaktor des Bag-Building Mechanismus ein. Hier gibt es immer etwas zu knobeln und auszuprobieren. Allerdings, und das ist der große Pferdefuß dabei, gibt es bei Orléans Stories drei verschiedene Regelebenen. Die Grundregeln, die allgemeinen Story- und die speziellen Storyregeln. Diese sind zudem noch an verschiedenen Stellen der beiden Regelhefte zu finden, sodass die Spieler, zumindest in den ersten Partien, aufgrund vieler Regeldetails ständig mit blättern und nachlesen beschäftigt sind. Außerdem hat jede der beiden Stories ihren Pferdefuß. Bei der einen ist es die überbordende Länge der Partie ohne dabei genügend Abwechslung zu bieten, bei der anderen schlägt den meisten Spielern die Player-Eliminierung auf den Magen.

Orleans Stories - Schachtel - Foto von dlp Games

Die schön gedachte thematische und storytechnische Einbettung des Spiels nutzt sich leider recht schnell ab, da sie nicht auf die jeweilige Spielsituation bzw. –konstellation reagiert. Wird in der ersten Partie noch sehr viel Sorgfalt auf den Flavour-Text verwendet, steht schon ab der zweiten Partie mit derselben Spielrunde vor allem die Spielmechanik im Vordergrund.

Oléans Stories ist zweifellos ein gutes Spiel, scheitert jedoch an seinen Vorschußlorbeeren. Es erreicht leider nicht die Einfachheit und Geradlinigkeit des Vorgängers, ist in vielen Beziehungen regeltechnisch zu kompliziert und dauert zu lange für das Gebotene. Auch die titelgebenden Stories können nicht wirklich zünden und verbrauchen sich zu schnell, da sie nach der ersten Partie keine Überraschungen durch Ereignisse oder gar andere Spielverläufe bieten. Insofern kann ich Orléans Stories leider nicht empfehlen, sondern würde allen Interessierten zum althergebrachten Orléans und seinen vielen Erweiterungen raten.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12-
Spieldauer (Minuten): 
60-180
Jahrgang: 
2019
Spielkategorisierung
Fotos
Orléans Stories - Aufbau - Foto von dlp Games
Orléans Stories - Schachtel - Foto von dlp Games
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