Panic Station

eine Spielerezension von Silke Groth - 06.10.2013
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Panic Station von Pegasus Spiele
Lesezeit: ca. 7 Minuten

Es klang eigentlich ganz einfach. Eine Aufklärungs-/ Rettungsmission auf der Station Recon-6. Naja, dass der Vorgängertrupp sich nicht mehr meldet, hätte uns vielleicht stutzig machen sollen. Aber was sollte schon großartig passieren, wahrscheinlich nur wieder die übliche Alieninvasion. Definitiv nichts, was man nicht schon hundertmal gesehen hätte und zweifelsohne kein Problem für unser sechsköpfiges speziell ausgebildetes Team, zumal jedes Mitglied noch in Begleitung des neuesten Modells eines biomechanischen Androiden war – wie sehr man sich doch täuschen kann.

In der Rückschau hätten wir sicherlich einiges besser planen können. Kaum auf der Station angekommen war das Geschrei groß, denn die Ausrüstung fehlte zum großen Teil: Hat keiner den Körperscanner eingepackt? Wo hast Du mein Kampfmesser wieder hingelegt? Hatte ich eben nicht noch einen Benzinkanister? Wer hat meinem Androiden den Munitionsstreifen gemopst? Umkehren bei einer Anreise inklusive sechs Monaten Cryo-Schlaf war ja per se nicht drin, und wie stünde man dann auch vor seinen Vorgesetzten da. Und so startete ich diese Mission also mit etwas Benzin für meinen Flammenwerfer und einem Erste-Hilfe-Koffer, welchen ich nach Möglichkeit nicht zur Anwendung bringen wollte. Nicht viel, aber etwas brauchbares würde die Station ja sicherlich zu bieten haben.

Wir einigten uns darauf, auszuschwärmen und erst einmal die nähere Umgebung zu erkunden. Gleich der erste Raum zu meiner Linken erwies sich als Sackgasse – eine verschlossene Tür. Toll! Zum Glück fand ich unter dem Blumentopf eine Schlüsselkarte und konnte den dahinterliegenden Raum betreten. Während ich mich um das Computerterminal kümmerte hörte ich einige seltsame Geräusche aus den Nebenräumen, fast so wie Krallen auf Metall ... sicher nichts dramatisches, bestimmt wieder nur einer der Scherze von Kane, der sich seit dem Eintreffen zunehmend merkwürdig verhielt. Als echte Stimmungsbremse erwies sich dann hingegen der Logbucheintrag der letzten Stationsbesatzung: „STATION RECON-6 KOMMANDANT - ANLAGE RECON-6 STATUS - KONTAMINATION DURCH E.T. LEBENSFORM - INFIZIERUNG KOMPLETTER BESATZUNG - EMPFEHLE STERILISATION DER ANLAGE DURCH EINSATZ TAKT. PLASMASPRENGKÖPFE - WARNUNG - KEINE EINGREIFTRUPPE ENTSENDEN - ANSTECKUNGSGEFAHR STUFE ROT CODE ALPHA - DER SCHÖPFER STEHE UNS BEI“

Entzückend! Taktische Plasmasprengköpfe habe ich zufälligerweise momentan nicht zur Hand und deren Einsatz mit meiner Wenigkeit auf der Station erscheint mir auch nicht sonderlich erstrebenswert. Während ich so über meine Gesamtsituation sinnierte, klopfte es sehr energisch an der Tür zum Computerraum: Dallas, ob ich ihm freundlicherweise einmal die Tür öffnen könnte, er hätte da ein kleineres Problemchen mit der örtlichen Fauna. In der Tat, durch das Fenster der Tür sah ich hinter ihm zwei kleine, sehr unfreundlich aussehenden Viecher. Gerade als ich auf den Türöffner drücke wollte, kam mir der doch ziemlich eindeutige Logbucheintrag in den Sinn – Kontamination, Infizierung – und ich erinnerte mich, dass Dallas direkt nach der Landung mit Kane aneinandergeraten war. Ich bat ihn daher, es doch bitte lieber an einer anderen Tür zu versuchen, mir gefiele es derzeit alleine besser.

Das Terminal überbrachte mir nicht nur Hiobsbotschaften, sondern bot auch nützliche Funktionen. Zum einen konnte ich etwas über das Layout der Station erfahren, alle geschlossenen Türen gleichzeitig öffnen und einen Bioscan durchführen. Letzteres wurde natürlich sofort in die Wege geleitet und siehe da, zwei Personen waren infiziert, vier weitere waren gesund und munter. Ich hatte natürlich einen begründeten Verdacht, aber konnte ich sicher sein? Wenn ich etwas über Alieninfektionen und -parasiten sicher wusste, dann dass es irgendwo ein Nest geben musste. Und dagegen hilft mit einiger Gewissheit Feuer. Gut, dass ich wenigstens den Flammenwerfer nicht zu Hause vergessen hatte. Da ich mit meinem Reservekanister Benzin sicher nicht weit kommen dürfte, musste ich mich auf die Suche nach Nachschub machen. Vielleicht haben die anderen ja weiteres Benzin gefunden, aber wem konnte ich noch trauen? Trübsal blasen half nicht und auf Dauer konnte ich mich ja kaum im Computerraum verstecken, zumal auf der alten Kiste kein anständiges Spiel installiert war und sich dort auch kein Kühlschrank fand – nix wie raus, zumal es im Vorraum gerade ruhig zu sein schien.

In der anfänglichen Hektik hatte ich ganz meinen Androiden vergessen, den ich im Eingangsbereich in der Ecke geparkt hatte. Per telepathischer Verbindung schickte ich ihn so denn gleich auf Erkundungstour. Um mich herum nahm ich mittlerweile eine eindeutige Geräuschkulisse war: Schreie, Schüsse und den einen oder anderen Fluch. Blut an Wänden und Böden, nicht nur im vertrauten menschlichen rot, sorgten für die dazu passende Bilder.

Auf der Suche nach weiteren nützlichen Dingen traf ich auf Ripley, die zwar einen etwas angeschlagenen, aber vertrauenswürdigen, Eindruck machte. Ich gab ihr meinen Erste-Hilfe-Koffer und erhielt dafür etwas Munition. Ein durchaus guter Tausch, auch wenn ich selber schon etwas ramponiert war, da mein Android von mehreren Parasiten in einen Hinterhalt gelockt wurde. Moderne Technik hat ihre Tücken: So können wir zwar unser Inventar teilen, ohne im selben Raum sein zu müssen, aber jede Verletzung teilen wir genauso brüderlich. Der Chefprogrammierer sollte selber mal auf einem Alienplaneten ausgesetzt werden!

Gemeinsam ist man stark und so machten Ripley und ich uns auf die Suche nach dem Nest und etwas Futter für die Flammenwerfer. Der Rest ist relativ schnell erzählt: Nach großen Mühen, einigen Auseinandersetzungen mit diversen Monstern und ehemaligen Teammitgliedern und außerordentlich viel Gerenne erreichten wir schließlich das anvisierte Ziel. Ein letzter Thermoscan, bevor ich dem Muttermonster etwas Feuer unterm Hintern geben wollte, sorgte für eine böse Überraschung: zwei Lebenszeichen, eins gesund, eins infiziert. Die gute, alte Ripley lies sich nicht zweimal bitten und griff mich prompt mit ihrem Messer an. Glück, gute Reflexe und eine gezielte Bleiinfusion durch meinen Androiden konnten aber in letzter Sekunde für die passenden Antwort sorgen. So konnte ich mich ans feurige Werk machen, meinen gezielten Flammenstößen hatte das Wesen nichts entgegenzusetzen. Station Recon-6 war wieder sicher. Den Rückflug musste ich allerdings allein antreten - ein teuer erkämpfter Sieg.

Das Brettspiel Panic Station

So oder so ähnlich kann eine Partie Panic Station von Pegasus Spiele ablaufen. Bis zu vier Aktionen können auf die beiden Spielfiguren aufgeteilt werden. Damit werden dann die Station erkundet und durchschritten, Räume durchsucht, Gegenstände benutzt oder das Terminal verwendet, wodurch zwangsläufig kleine Aliens auftauchen, die sich jede Runde bewegen und die Spieler angreifen. All dies, bis entweder ein menschlicher Spieler drei Benzineinheiten ins das Nest bringt oder das Böse obsiegt, weil dies nicht mehr möglich ist oder alle menschlichen Spieler entweder tot oder infiziert sind.

Panic Station: die Sache mit dem infizierten Mitspieler

Direkt nach Eintreffen auf der Station wird ein Spieler zum „Patient Null“, dessen neuer Lebenszweck ist, die Zerstörung des Nestes zu verhindern, am liebsten, indem er weitere Mitspieler von seiner Sache „überzeugt“. Jedes Mal, wenn eine Spielfigur auf die eines Mitspielers trifft, wird ein Tausch eingeleitet, bei dem zwei Karten verdeckt den Besitzer wechseln. Ist einer der Karten eine Infektion und der Tauschpartner, antwortet nicht mit Benzin (nicht nur Flammenwerfer-Munition, sondern auch das einzig wirksame Gegenmittel), ist die Mannschaft des Wirts um eine Person angewachsen. Das Zücken von Waffen ist die einzige Möglichkeit, einen Tausch zu verhindern. Blödes Dilemma: Ohne Kooperation geht es nicht, aber wem kann ich noch vertrauen, wer macht sich verdächtig? Gutes Beobachten ist hier wichtig. Der Wirt sollte subtil vorgehen und ein gutes Pokerface besitzen, eine beiläufig eingestreute falsche Verdächtigung kann auch hilfreich sein, um von sich selber abzulenken und Unfrieden zu schüren. Die richtige Balance zu finden ist nicht ganz leicht, was die Rolle des Erstinfizierten zur anspruchsvolleren macht. Je mehr Mitspieler sich auf der Station einfinden, desto einfacher wird es für den Wirt, da Spielfiguren dann häufiger aufeinandertreffen und Karten tauschen (müssen).

Panic Station - die Kritik

Eine häufig und gern benutzte Floskel in Brett- und Kartenspielrezensionen lautet: „In der richtigen Runde kann das Spiel Spaß machen“. Auch wenn solche Gemeinplätze tunlichst vermieden werden sollten, selten traf dies so zu, wie im Fall von Panic Station. Es polarisiert und ist ohne Frage nichts für jeden Spielertyp. Denn um bei diesem Spiel Spaß zu haben, muss man sich voll und ganz darauf einlassen können. Dann entsteht wirkliche Paranoia und es herrscht eine kribbelige, filmreife Spannung mit einigen Überraschungen, vor allem bei den Tauschaktionen oder Thermoscans. Umso erstaunlicher mit welch begrenzten Mitteln dies erreicht wird: Eine paar Karten, Spielfiguren, Pappchips und ein relativ einfaches Spielprinzip – fertig ist ein sehr gelungener Vertreter aus dem Genre der kooperativen Spiele mit Verräterelement, wie man es von Battlestar Galactica oder Schatten über Camelot kennt.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
4 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30 - 60
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
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