Paper Tales

eine Spielerezension von Jochen Pausch - 23.10.2018
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Paper Tales - Foto von Pegasus Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Die Messe 2018 in Essen naht und somit wieder viele neue Spiele. Bei einer Auswahl von weit über 1.000 Spiele fragt man sich natürlich ob es überhaupt noch möglich ist etwas neues zu erfinden oder bekommt man nur noch bekanntes in neuem Gewand? So ist das auch bei Paper Tales (Pegasus Spiele), das auf der Messe auf deutsch bzw. die erste Erweiterung auf englisch vorgestellt wird. Doch dazu später mehr.

Worum geht es bei Paper Tales?

Paper Tales ist ein Spiel von Masato Uesugi bei dem 2-5 Spieler ab 10 Jahren darum wetteifern die meisten Legendenpunkte zu sammeln. Vorlage zu dem Spiel war Vorpals, das Uesugi noch selbst vermarktet hatte. Paper Tales erscheint auf Deutsch beim Pegasus Verlag.

Legendäre Schlachten sind geschlagen worden in der Vergangenheit doch diese sind längst in Vergessenheit geraten. In Paper Tales ist es die Aufgabe der Spieler diese wieder aufleben zu lassen. Hierzu müssen Einheiten rekrutiert werden, die an der Front gegen die Mitspieler kämpfen oder wichtige Aufgaben für den Spielsieg erledigen müssen. Um das Spiel zu gewinnen werden möglichst viele Legendenpunkte benötigt. Dieser erhalten wir, indem wir im Kampf gegen unsere Feinde bestehen, unsere Stadt ausbauen und die Fähigkeiten der Städte und Einheiten geschickt nutzen.

Spielablauf von Paper Tales

Mittels Card-Drafting erhält jeder Spieler fünf Spielkarten mit denen er seine Runde spielen muss. Jede Karte repräsentiert eine Einheit, die einem unterschiedlich weiterhelfen kann. Die Möglichkeiten erstrecken sich hierbei über zusätzliche Einnahmen, Ressourcen, Gold, Kampfstärke oder besondere Eigenschaften. Jeder Spieler darf nun bis zu 4 Einheiten verdeckt auslegen (2 in der vorderen Reihe und 2 in der hinteren). Sollte man von einer vorherigen Runde noch Einheiten ausliegen haben, darf man diese versetzen oder ablegen. Wenn jeder seine Einheiten ausliegen hat, darf jeder seine Einheiten umdrehen und bezahlen. Kann man eine Einheit nicht bezahlen, wird diese abgelegt.

Sobald dies jeder durchgeführt hat, findet der Kampf statt. Dazu vergleicht man die eigene Kampfstärke (nur die vorderste Front nimmt am Kampf teil) mit denen der Sitznachbarn und kassiert Legendenpunkte für einen eventuellen Sieg.

Nach dem Kampf geht es noch an das Geldverdienen. Ohne Gold gibt es in der nächsten Runde keine Einheiten. Für das anschließende Bauen oder Aufwerten von Gebäude benötigen wir ebenfalls das Gold, die Grundstücke in unserem Reich sind leider nicht kostenlos. Die Ressourcen für das Bauen sind auf unseren Karten abgebildet. Vorausgesetzt natürlich, wir haben die richtigen Karten dafür ausgelegt. Jedes Gebäude gibt uns Vorteile und Legendenpunkte. Das Ausbauen unseres Reiches ist also von großer Bedeutung.

Was neues oder doch wieder nur was bekanntes?

Vielspieler werden nach der Beschreibung des Spielablaufs festgestellt haben, dass nicht nur die Mechanismen bekannt sind sondern das Spiel an das erste Kennerspiel des Jahres erinnert (7 Wonders). Der Draft-Mechanismus, das Kämpfen gegen den Nachbarn, das Bezahlen mittels Ressourcen auf ausgelegten Karten. Spontan könnte man sagen, dass es sich um den kleinen Bruder handelt.

Genau so ist es auch, wenn auch bestimmt nicht beabsichtigt. Paper Tales spielt sich wie ein heruntergebrochenes 7 Wonders. Die Auslage ist mit maximal fünf Einheiten und vier Gebäuden relativ übersichtlich. Dies macht das Spiel so reizvoll. Die einzelnen Spielrunden sind dadurch schwerer planbar und sehr abwechslungsreich. Die Einheiten altern und sterben, wenn ich es durch Sonderfähigkeiten nicht verhindern kann, und somit weiß ich nicht genau, wie es in der nächsten Runde weitergeht. Mehrmals mit der gleichen Strategie zu gewinnen, ist sehr unwahrscheinlich. Ein eingeschlagener Weg muss in der folgenden Runde sehr oft angepasst werden. Bei 7 Wonders bleibt meine Auslage erhalten und somit fällt einem das Planen dort viel einfacher.

Lohnt sich Paper Tales?

Wer die Mechanismen mag oder von 7 Wonders nicht genug bekommen kann, der ist bei Paper Tales genau richtig. Die Mechanismen sind sehr gut abgestimmt und besonders das Altern der Karten verursacht einen großen Wiederspielreiz. Das Spiel ist sehr einfach aufgebaut und somit schnell erklärt und gespielt. Alle Phasen werden gleichzeitig gespielt, was eine niedrige Downtime zur Folge hat. Eine Partie füllt nicht einen ganzen Spieleabend, meistens kommt es zu mehreren Partien und so kann der Tag schneller rum sein, als man will.

Am Besten spielt sich das Spiel zu dritt. Auf diese Weise kämpft jeder gegen jeden. Zu zweit ist das Spiel sehr schnell und die Sonderregeln ermöglich mehr taktische Spielchen, besonders beim Zerstören der gegnerischen Strategie. Mit vier oder fünf Spielern spielt sich das Spiel nicht so schön, was hauptsächlich am Drafting und an den Kämpfen liegt.

Paper Tales schreit auf jeden Fall nach Erweiterungen, aber hier ist Fingerspitzengefühl beim Entwickler gefragt. Mehr Karten verursachen zwar mehr strategische Möglichkeiten. Dies hat aber zur Folge, dass es schwieriger wird Kombinationen zu sammeln.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30-45
Jahrgang: 
2018
Spielkategorisierung
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