Peloponnes

eine Spielerezension von Axel Bungart - 05.09.2010
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Peloponnes von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Die griechische Halbinsel vor etwa 3.000 Jahren: Jeder Spieler führt eine Zivilisation und entwickelt sie, um die Bevölkerung zu mehren und ihren Reichtum zu fördern. Peloponnes ist reichhaltig ausgestattet mit Gebäude- und Geländeplättchen sowie Markern aus fester Pappe, Münzen und Spielsteinen aus Holz und Tableaus, auf denen die Spieler den Fortschritt ihrer Entwicklung darstellen. Bis auf die Tableaus, die ein wenig dünn sind, ist das gesamte Material von sehr ordentlicher Qualität und überwiegend deutlich und nachvollziehbar designed. Lediglich ein paar Symbole auf den Gelände-/Gebäudeplättchen sind nicht ganz so selbstredend, wie man es sich wünscht.

Jedem Spieler wird zu Beginn zufällig eine Zivilisation zugewiesen, die ihm eine Art Startkapital in Form von Einwohnern, Geld und/oder Rohstoffen liefert. Diese Zivilisation sollte jeder Spieler möglichst gleichmäßig entwickeln. Dazu werden in jeder Runde  - abhängig von der Spielerzahl – unterschiedlich viele Gebäude- und Geländeplättchen in zufälliger Mischung aufgedeckt. Diese Plättchen sind das zentrale Element des Spiels, denn sie liefern beim Kauf sowohl einmalig Einwohner und/oder Geld als auch regelmäßig Einkommen in Form von Rohstoffen. Ferner bieten die Gebäudeplättchen Schutz vor Katastrophen und weitere hilfreiche Sonderfunktionen.

Für jeden Spieler sollte, zumindest von der Anzahl her, ein Plättchen zur Verfügung stehen. Ob aber jeder Spieler eines erhält, hängt von seinen Barvorräten und seiner bisherigen Auslage ab. Der Startspieler gibt ein Gebot auf eines der offenen Plättchen ab. Die anderen tun es ihm gleich, wobei jeder ein verbliebenes freies Plättchen wählen oder einen seiner Vorderleute von dem von ihm gewählten Platz wieder verdrängen kann, in dem er dessen Gebot überbietet. Der Verdrängte muss dann eine andere Wahl treffen, wenn sein Gebot dafür ausreicht. Da aber die Plättchen unterschiedlich viel kosten können, kann es passieren, dass nur noch Plättchen ausliegen, die sein Ursprungsgebot übersteigen. Dann geht der Spieler leer aus.

Ein Startplättchen hat bereits jeder Spieler vor sich liegen. Jedes weitere erworbene Plättchen legt der Spieler in einer Kette daran an. Sehr wichtig ist dabei folgende Anlegeregel: Ein neu anzulegendes Geländeplättchen muss zumindest auch in Teilen zu seinem Vorgänger passen. Wirft ein Plättchen zum Beispiel Nahrung ab, muss das daran anzulegende Plättchen ebenfalls Nahrung abwerfen und im günstigsten Fall noch einen anderen Rohstoff. Diese Rohstoffe bilden die Haupteinnahmequelle in jeder Runde.

So kommt das Spiel ins Rollen, wie es bei einem Aufbauspiel typisch ist. Das Spielziel ist zwar eindeutig definiert, muss aber im Spielverlauf doch ab und an neu realisiert werden: Es ist wichtig, sowohl neue Plättchen zu erhalten und möglichst viel Geld zu scheffeln, denn beides bringt Siegpunkte. Auf der anderen Seite, sollte die Bevölkerung ausgebaut werden, denn auch jeder Einwohner bringt Siegpunkte. Aber: Die erzielten Einwohner-Siegpunkte werden am Ende nicht mit den übrigen Siegpunkten addiert, sondern ihnen gegenüber gestellt. Ähnlich wie bei Einfach Genial ist bei Peoloponnes die kleinere der beiden Zahlen nach acht Runden ausschlaggebend für den angestrebten Sieg.

Dafür, dass bei Peloponnes nicht alles berechenbar und langweilig verläuft, sorgen Katastrophen, die am Ende jeder Runde wahrscheinlicher werden. So kann es einem passieren, die Hälfte seiner Nahrungsvorräte zu verlieren oder gleich ein paar Gebäude abreißen zu müssen, wenn man sich nicht entsprechend geschützt hat (Gebäude) oder Rohstoffe aufbringen kann, die dem Verfall entgegen wirken. Außerdem müssen bei Peloponnes zweimal während des Spiels alle Einwohner mit Nahrung versorgt werden, sodass man danach wieder von neuem beginnt, seine Vorräte zu füllen. Auch am Spielende müssen noch mal alle Einwohner ernährt werden.

Peloponnes ist ein klassisches Aufbauspiel. Die Spielregel ist nicht überfrachtet mit Regeldetails, daher recht übersichtlich, vollständig (mit gleich mitgelieferten kleinen Korrekturen des Verlags) und ermöglicht einen relativ schnellen Zugang zum Spiel. Darin liegt auch sein größter Vorteil: Für ein Aufbauspiel ist eine Partie mit ca. 15 Minuten pro Spieler angenehm kurz, ohne dass man das Gefühl hat, das Spiel ende zu früh.

Mit jedem Plättchen, das man erwirbt, mehren sich die Erträge, die man wieder für den Bau neuer Gebäude verwerten kann. Der Mangel an einem Rohstoff kann zwar während der Partie bis zu einem gewissen Punkt durch einen Überfluss an einem anderen Rohstoff ausgeglichen werden. Spätestens aber, wenn sich die Versorgungsphase der Bürger und bestimmte Katastrophen mehr oder weniger gleichzeitig einstellen, kommt es zu einem nicht kompensierbaren Fehlbestand.

Das ließe sich nur beheben, wenn man während des Spiels von allen Rohstoffen genug hätte. Nun ist Mangelbewältigung wesentlicher Inhalt vieler Entwicklungsspiele und macht auch deren Reiz aus. Nur kann es bei Peloponnes passieren, dass man den Mangel aus eigener Kraft nicht beheben kann. Während der Versteigerungsphase, in der man ein neues Plättchen erhalten könnte, kann durchaus ein Plättchen mit dem benötigten Rohstoff gar nicht erst ausliegen, oder man kann es nicht nehmen. Man darf ja nicht vergessen, dass man ein neues Plättchen nur dann in seiner Auslage anlegen kann, wenn die Anlegeregel es zulässt! Und schließlich sind da ja auch noch die Mitspieler, welche ebenfalls um die Plättchen buhlen und daher auch noch ausgestochen werden müssen. Zu viele Komponenten, die einem das Leben recht schwer machen können. Kann man bestimmte Mängel nicht ausgleichen, reißt einem das unter Umständen Löcher, die man nicht mehr stopfen kann. Dieser Punkt ist meines Erachtens nicht genug durchdacht, wirkt unausgewogen.

Das Spiel spielt sich in fast jeder Besetzung gut. Schon ab drei Spielern entsteht ein angenehmes Konkurrenzgehabe bei der Versteigerung der Plättchen. Ein Punkt, der zwar in einer Partie zu zweit zu kurz kommt, was aber gleichzeitig die strategischen Möglichkeiten erhöht; das Spiel wird planbarer. Bei weniger als fünf Spielern liegen noch Plättchen aus, die man – gegen Abgabe eines zusätzliche Obolus’ - sofort kaufen kann, ohne sich mit den anderen darum schlagen zu müssen. Die Solovariante habe ich nicht getestet.

Thematisch eher beliebig liegt der Spielreiz von Peloponnes insgesamt tatsächlich darin, dass man trotz der kurzen Dauer eine gewisse Spieltiefe erlebt. Die Komplexität im Hinblick auf die Siegbedingungen bestätigt die Mindest-Altersangabe, womit auch gesagt ist, dass sich das Spiel eher für geübte Spieler eignet. Die Siegpunktberechnung hat ihren Reiz, birgt aber auch die Gefahr des frühen Absturzes. Die Anlegeregel macht einem im Spielverlauf das Leben immer wieder schwer. Zusammengenommen trübt das den insgesamt guten Gesamteindruck leider etwas.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
1 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2009
Spielkategorisierung
Fotos
Peloponnes von Irongames
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