Pi mal Pflaumen

eine Spielerezension von Michael Weber - 14.04.2016
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Kartenspiel Pi mal Pflaumen - Fotos von Pegasus Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Warum heißt dieses Kartenspiel eigentlich nicht Obstsalat? Das hätte viel besser gepasst. Spieleautor Matthias Cramer und Verlag Pegasus Spiele haben sich aber für Pi mal Pflaumen entschieden. Und schon kommt ein Problem. Wie viele Menschen sind durch diesen Titel abgeschreckt? Wer weiß, wie die Zahl Pi heißt? Also, zumindest auf zwei Stellen hinter dem Komma? Eben.

Wie wird Pi mal Pflaumen gespielt?

Mit der Zahl Pi hat das Kartenspiel übrigens nicht sooooo viel zu tun. Pi kommt vor, natürlich als Spielkarte. Und hat auch einen Wert, nämlich - na klar! - 3,14. Im Prinzip ist sie aber kein Multiplikator (von wegen "mal" Pflaumen), sondern eher ein Bonus und eine Art Ti-Breaker bei Gleichstand. Aber erst einmal zum Spielverlauf.

Die Spieler bekommen Karten auf die Hand. Je nach Spielerzahl reichen diese bis maximal 25 und werden gleichmäßig an die Spieler verteilt. Auf den Karten ist Obst abgebildet. Übrigens wunderschön illustriert von Dennis Lohausen. Die Karten machen richtig Lust auf Obst. Hat jeder seine Karten, werden diese ausgespielt. Klingt nach Stichspiel, ist aber ganz anders. Denn dieser Teil des Mechanismus ist ausschließlich dafür gedacht, eine Reihenfolge der ausgespielten Karten festzulegen. Denn wer den höchsten Wert gespielt hat, darf sich zuerst eine der ausgespielten Karten nehmen. Dann der Spieler mit der zweithöchsten Karte usw. Am Ende hat jeder Spieler eine der Karten, die er offen vor sich auslegt. Der Letztplatzierte bekommt zusätzlich eine neben dem Spiel bereit liegenden Pflaumenkarten. Der Mechanismus ist schön: Entweder spielt man auf die erste Kartenwahl oder auf den letzten Platz mit der Zusatzkarte. Natürlich klappt beides nicht immer.

Pi mal Pflaumen - Obstsalat in Kniffel-Manier

Was soll das jetzt? Ganz einfach. Das eigentliche Spiel findet jetzt statt. Denn alle Karten haben besondere Eigenschaften. Entweder bekommt man Pi-Karten (die auf die Hand genommen und gemeinsam mit anderen Karten ausgespielt werden können, um deren Wert zu steigern - s. o.) oder man darf eine Karte eines Mitspielers stehlen. Um das zu verhindern, gibt es einen Wachhund, der ebenfalls über Karten gewonnen wird. Einige Karten sind einfach nur Obst, die meisten Karten tragen aber eine bestimmte Kombination aus einer jeweils verschiedenen Anzahl von beliebigen Obstsorten. Hier erinnert Pi mal Pflaumen an Kniffel. Denn häufige Kombinationen sind Zweier, Dreier, Full House oder Straßen. Jeweils mit Obst. Dieses Obst, das auf den nach dem Ausspielen errungenen Karten abgebildet ist.

Wozu das alles? Na, um die errungenen Obstkarten nach diesem Anforderungsprofil einzutauschen! Verlangt eine Obstkarte beispielsweise ABC, sind drei Obstkarten mit jeweils einer unterschiedlichen Obstsorte abzulegen. Bei AABB sind jeweils zwei Karten der gleichen Obstsorte abzulegen. (Wohl denen, die taktisch geschickt auch mal mit einer errungenen Pflaume die eigene Obstauswahl vergrößern.) Für alle Kombinationen gibt es unterschiedliche Punkte, die über Sieg und Niederlage nach drei kompletten Runden entscheiden.

Wie gut ist Pi mal Pflaumen?

Das Kartenspiel Pi mal Pflaumen ist irgendwie so etwas wie ästhetisch. Selten läuft einem beim Spielen das Wasser im Mund zusammen. Aber die schmackhaften Obstsorten schaffen das. Der visuelle Reiz allein reicht schon aus. Der Reiz beim Spielen hingegen ist eher durchwachsen. Irgendwo haben einige Spielrunden immer eine Made gefunden. Mal war es zu langweilig, mal zu wenig planbar, mal zu schnell zu Ende, mal haben die - für das Spiel ja wesentlichen - Aufgaben nicht gepasst. Und dann wiederum konnten jüngere Mitspieler mit dem Verlust von Hund und Obstkarten nicht gut zurechtkommen.

Pi mal Pflaumen ist so verschieden wie selten ein Spiel in meinen Runden angekommen. Tendenziell haben die erfahrenen Spieler es als langweilig empfunden. Die Taktische Spielerei um die Reihenfolge bei der Kartenwahl war ihnen zu ermüdend und überflüssig. Lieber hätten sie ein echtes Obst-Stichspiel gehabt. Die eher den Gelegenheitsspielern zuzuordnenden Runden fanden es dagegen schön. Sowohl optisch als auch spielerisch. Das Hauen und Stechen um die Reihenfolge, das Aufstocken der Zahlenwerte mit den Pi-Karten und das taktisch kluge Wählen von Obstkarten fanden viel Anklang.

Mir selbst hat es Spaß gemacht. Aber eingeschränkt. Es ist eine interessante Spieleidee, die aber für mich noch nicht perfektioniert ist. Ich hätte mir mehr Karten zum Stehlen gewünscht, mehr kleinere Kombinationen und ein paar mehr Sonderaktionen. In der veröffentlichten Form macht Pi mal Pflaumen vor allem mit unbefangenen Spielern Spaß, aber irgendwie fehlt der letzte Pfiff. Es ist weder Stichspiel, weder Ärgerspiel, weder ein Kniffel-Spiel, weder ein Spiel mit vielen Entscheidungsmöglichkeiten. Aber von allem etwas. Nur eben auch von allem zu wenig. Wären die tollen Illustrationen nicht, würde zumindest ich Pi mal Pflaumen dennoch schnell vergessen. Der Mechanismus ist nicht spannend genug, um es immer wieder hervorzuholen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30-40
Jahrgang: 
2015
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Fotos
Pi mal Pflaumen Karten - Foto von Reich der Spiele
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