Piraten: Die Suche nach dem Gold von Davy Jones

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 31.10.2007
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Piraten: Die Suche nach dem Gold von Davy Jones von Amigo Spiele
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Seit 2004 machen die Piraten der spanischen Meere die Spieltische von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen unsicher. Als eine Mischung aus Sammelkartenspiel und Schiffs-Tabletop gewann es rasch eine große Popularität und viele Erweiterungen folgten, welche die Piraten in verschiedene Zeitalter und Regionen der Welt segeln ließen. Letztendlich hatte das Spiel allerdings durch eine sehr starke Ausrichtung auf das reine gegenseitige Bekämpfen mit einigen regeltechnischen Schwierigkeiten zu kämpfen, die mit nachfolgenden Erweiterungen abgemildert wurden. Für das Brettspiel wurde um dieses Spiel herum eine abenteuerliche Hintergrundgeschichte gewoben und der Ozean auf ein großes und sehr ansehnliches Spielbrett verfrachtet - beide Änderungen verbessern das Spielgefühl erheblich.

Davy Jones, so wird auch von vielen Seeleuten der Teufel des Meeres, das personifizierte Böse auf See, genannt. Dieser geisterhafte Pirat hat angeblich einen ungeheueren Schatz irgendwo auf Inseln in der Karibik versteckt. Davon angelockt, versuchen die mutigsten und unerschrockensten Piraten diesen Schatz zu finden und ihn Davy Jones im Kampf „Mann gegen Mann“ zu entreißen. Natürlich gilt es gleichzeitig auch, die anderen Piratenkapitäne auf Distanz zu halten und Ihnen im besten Fall die Masten vom Schiff zu schießen.

Vor dem Spielen heißt es aber basteln. Analog dem Sammelspiel müssen insgesamt acht Segelschiffe und zwei Seeungeheuer, sowie diverse Münzen und Marker aus den Scheckkarten großen Vorlagen gelöst und zusammengesetzt werden. Die Schiffs- und Monstermodelle sind exklusiv und so bisher nicht im Sammelspiel vorhanden, aber ohne Probleme auch mit diesem kompatibel. Beim Zusammenbau sollte man allerdings entsprechende Vorsicht walten lassen, damit nicht schon im Vorfeld ein Mast abbricht oder gar eines der Schiffe auf den sprichwörtlichen Grund des Meeres geschickt wird. Danach entscheiden sich die zwei bis vier Mitspieler für einen der Piratenkapitäne, von denen jeder eine „besondere“ Eigenschaft hat, die er einmal je Runde einsetzen darf, und legen ihre Heimatinsel fest. Die Kapitäne erhalten je nach Mitspieleranzahl zwei bis vier Schiffe unter ihr Kommando. Die Schatz-, Monster- und Fluchmarker werden auf den verbliebenen Inseln deponiert und dann kann es auch schon losgehen.

Das Ziel an sich klingt einfach: Jeder der Freibeuter versucht, so viele Schätze wie möglich von den Inseln zu bergen oder seinen Konkurrenten abzujagen. Aber wie immer steckt der Teufel im Detail. Zusätzliche Bonuspunkte gibt es für besiegte Seeungeheuer, das Entkommen aus verfluchten Zonen und natürlich für den Kampf gegen Davy Jones selbst. Ist dessen Schatz restlos geplündert, endet das Spiel.

Sind die Spieler an der Reihe, können sie sich für eine der vier nachfolgenden Aktionen entscheiden: Bewegen, Erforschen, Schießen oder Reparieren. Die Reichweite der „Bewegung“ wird, für alle gleichweit, mittels eines Entfernungsmessers frei auf dem Spielplan abgemessen. Ist er an einer der unbewohnten Inseln angelangt, kann er forschen. Dazu dreht er die dort liegenden Marker der Reihe nach um. Goldmünzen kann er bis zur maximalen Tragfähigkeit auf sein Schiff legen. Deckt er einen Marker einer verfluchten Zone auf, wird sein Schiff in dieser festgehalten, bis er es schafft, sich mittels geschickter Würfelwürfe zu befreien oder das Schiff bewegungsunfähig ist und in der Heimatinsel repariert werden muss. Weiteres Unheil kann durch das Aufdecken von Fluchmarkern, die sein Schiff mit Flüche belegen, oder Monstermarkern angerichtet werden. Letztere treiben dann auf offener See ihr Unwesen und greifen solange alle Schiffe in Reichweite an, bis sie endlich besiegt sind.

Wird jedoch eine Davy Jones Marke aufgedeckt, erscheint der Geisterpirat höchstpersönlich und stellt sich dem Frevler zum Kampf. Der Kampf wird als Würfelduell unter Berücksichtigung diverser Boni ausgefochten. Kann Davy Jones besiegt werden, erhält der Sieger einen Teil des Schatzes als Lohn. Wurde der Geisterpirat vier mal besiegt endet das Spiel sofort.

Kommt ein Piratenkapitän während seiner Bewegungen durch sein gutes nautische Geschick in eine perfekter Schussposition, kann er ein Seemonster oder einen rivalisierenden Freibeuter beschießen. Die für alle identische Reichweite wird auch hier mit einem Entfernungsmesser überprüft - wie auch mit einem Würfelwurf die Zielgenauigkeit. Besiegt sind die Gegner erst, wenn entweder alle Masten oder alle Monsterteile getroffen wurden. Besiegte Gegner können geplündert werden. Ist das eigene Schiff aus einem der oben genannten Gründe ohne Masten kann es auf der heimatlichen Insel repariert werden. Dazu werden wieder alle Masten am Schiff angebracht und der Pirat kann einen neuen Versuch unternehmen, gegen Davy Jones zu bestehen.

Das Spiel ist ohne Zweifel grafisch perfekt gestaltet und die dreidimensionalen Schiffe und Seeungeheuer tun ein Übriges, damit schnell echtes Piratenfeeling aufkommt. Eingebettet in die derzeitige Piraten-Mania und in Kombination mit dem gleichnamigen Sammelkartenspiel ist es fast ein kompletter Selbstläufer. Die Regeln wurden im Vergleich zu diesem deutlich verschlankt, der direkte Kampf untereinander dadurch mehr in den Hintergrund gestellt, ein Spielbrett hinzugefügt und ein grusliger und unsagbar mächtiger Hauptfeind auserkoren. Durch diese kleinen aber wirkungsvollen Eingriffe wurde aus dem recht speziellen Sammelkartenspiel ein waschechtes Familienspiel mit zugegebenermaßen recht großem Glücksfaktor aber einer unvergleichlichen Atmosphäre.

Schon Piratenkapitäne ab acht Jahre können unter elterlicher Anleitung die Karibik unsicher machen. Die Spieldauer von zirka einer Stunde verfliegt sehr schnell und danach will der hoffnungsvolle Piraten-Nachwuchs in jedem Fall noch einmal gegen Davy Jones in See stehen. Ohne Zweifel ist dem Hersteller ein gutes Spiel gelungen, das vorbehaltlos zu empfehlen ist und sicher in vielen Kinderzimmern Einzug halten wird. Zugleich ist es mit dem entsprechenden Sammelkartenspiel kompatibel und kann bei entsprechenden Neigungen später in dieses integriert werden. Eine klare Kaufempfehlung!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2006
Spielkategorisierung
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