Plan B

Das Strategiespielen mit Original Ankersteinen

eine Spielerezension von Michael Weber - 02.11.2014
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Zwei-Personen-Spielerunde bei Plan B von Goki - Foto Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Nein, das erste Spiel war zu kompliziert, das nächste haben die Kinder nicht gemocht und beim Dritten konnte Oma die Figuren nicht greifen. „Wir brauchen einen Plan B“, meinte der Familienpapa. „Haben wir doch“, entgegenete Sohnemann. „Stimmt“, pflichtete die Mama bei. Und so kommt Plan B von Goki auf den Tisch.

Was ist das Spiel Plan B?

Plan B ist ein „Strategiespiel mit Original Ankersteinen“. Also kommt zuerst die nicht gestellte Frage an die Reihe. Ankersteine sind Bauklötze für (kleine und manche großen) Kinder, deren Eltern etwas mehr Geld für Spielzeug haben. Ein faszinierend schönes Material aus Quarzsand, Kreide, Leinöl und Farbpigmenten. Völlig natürlich und daher „unbedenklich“, auch wenn manche etwas streng riechen (wegen des Leinöls). Übrigens ein wirklich gutes, wenn auch nicht so schönes anderes Brettspiel mit Ankersteinen ist San Gimignano. Und nun gibt es eben Plan B als Brettspiel mit diesen Steinen.

Wie wird Plan B mit den Ankersteinen gespielt?

Hersteller Goki sieht in Plan B ein Strategiespiel, das ist aber etwas zu hoch gegriffen. Aber es ist ein hübsches Würfelspiel, das durch das Material besticht und in Nullkommanix erklärt ist.

Das Material beim Spiel Plan B

Das Spielbrett besteht ebenfalls aus dem tollen Material. Darauf werden die Ankersteine platziert: Scheiben als Bäume, Würfel als Rohbauten und ein Prisma als Dach. Haptisch ein Traum, schwer, funktional und eben einfach schön. Dazu kommen noch zwei Würfel. Einen davon wirft jeder Spieler in seinem Zug.

Die Aktionen bei Plan B

  • Bei einem Kreis setzt der Spieler einen Baum auf ein freies Feld,
  • bei einem Quadrat setzt er einen Rohbau auf ein freies Feld,
  • bei einem Dreieck setzt er eines seiner Dächer auf einen freien Rohbau,
  • bei einem Doppelpfeil (Rochade) vertauscht er die Bauten auf zwei nebeneinanderliegenden Feldern,
  • bei einem Stern sucht er sich eine Aktion aus,
  • bei einem Kreuz setzt er aus.

Das ist alles. Ziel ist es, möglichst schnell drei Häuser mit eigenem Dach so auf das Spielbrett zu bringen, dass drei davon nebeneinander liegen. Dabei dürfen sie auch über Eck, aber niemals diagonal angrenzend sein. Wer das als erstes schafft, gewinnt bei Plan B.

Wie gut ist das Ankersteine-Spiel Plan B?

Die spannende Frage ist nun: Wer mag dieses Spiel und warum ist es bei der an Banalität grenzenden Simplizität ein Spiele-Tipp? Erfahrene Spieler mögen das haptische Spielerlebnis, aber bestimmt nicht das Spielprinzip. Dazu ist es etwas arg einfach. Aber: Es macht durchaus Spaß. Zu zweit lässt sich etwas taktieren, wobei Bäume und Rochaden die wesentlichen Aktionen sind. Zu dritt oder viert wird es bei aller Taktik eher chaotisch und damit eher zum Ärgerspiel. Kinder mögen das Bauen, die Erwachsenen haben das Ärgern im Blick. Das Würfelglück ist immens, aber das bedeutet nicht, dass der Einfluss komplett verloren geht. Soweit gilt für „Vielspieler“: Eher Finger weg. Es sei denn …

Ein tolles Familienspiel für jede Altersgruppe

… es kommen drei oder vier Generationen zum Spielen zusammen. Denn dann zeigt Plan B tatsächlich sein ganzes Potenzial. Es ist im Spielspaß generationenverbindend. Klar, es bleibt ein glücksabhängiges Spiel für Schöngeister und unbedarfte Spieler. Aber eins, dass eben diese Zielgruppe liebt. Nicht zuletzt ist es schnell gespielt und bringt damit auch Spieleverweigerer an die Würfel. Typische Aussage: „Nur fünf Minuten? Na gut, ich mache mit.“

Ich kann es nicht leugnen: Mir geht Plan B nicht tief genug, es ist auch nicht innovativ. Aber das Gesamtkonstrukt aus tollem Material, wunderbarer Haptik, schöner Optik, superkurzer Spielanleitung sowie Würfelglück und taktischen Möglichkeiten macht Plan B zu einem Spiel, dass spielunerfahrene Spieler lieben. Sie wollen es gleich mehrfach spielen, finden es schön und fordern Revanche. Eine Resonanz, die ich bei der Zielgruppe selten genug vorfinde. Und wenn es kurz vor Weihnachten oder vor dem nächsten Geburtstag heißt: „Schatz, was verschenken wir denn diesmal“. Tja, dann gibt es eben Plan B. Und das ist gut so! Und wer mehr Spieltiefe sucht, der greift zu den ähnlich gelagerten Cuatro oder zu dem wahnsinnig schönen und anspruchsvollen Siesta.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
5-
Spieldauer (Minuten): 
5-
Jahrgang: 
2013
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Fotos
Plan B - Schachtelgrafik - Foto von Goki
Plan B - Spiel mit Ankersteinen - Foto von Goki
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Kommentare

Plan B ist offiziell ja durchaus eher als Kinderspiel angelegt. Wer aber als 'ERwachsener' oder auch 'Vielspieler' entsprechend  etwas mehr Herausforderungen wünschen sollte als die vorliegenden Regeln hergeben, der kann z. B. folgende regeln optional einführen:

Um ganz einfach das Würfelglück etwas zu relativieren, kann man einfach immer mit beiden Würfeln würfeln, und sich dann entscheiden, welche der beiden Würfelergebnisse man für seinen Zug als Aktion nutzt.

Wem dies nach wie vor noch zu unbefriedigend erscheint, könnte als weitere Hausregeln z.B. folgende einführen:

- Die Aktion des letzten Zugspielers darf vom nächst-nachfolgenden Zugspieler nicht gleich wieder rückgängig gemacht werden. Erst einem der später nachfolgenden Spieler wäre solches wieder erlaubt.

- Wer 2 Haussymbole würfelt ('Rohbau-Pasch'), darf (nicht muß) statt eines neuen Rohbaus ein 2.Geschoß auf einen bereits bestehenden Rohbau setzen. Solche 2-stöckige Gebäude (Rohbau oder mit Dach) dürfen dann nur noch in eine Rochade eingebunden werden, wenn der Zugspieler ein 'Rochade-Pasch' gewürfelt hat. 2.stöckige Gebäude sind also wesentlich 'sicherer' vor möglichen Zugriffen der liebenswürdigen Mitspieler/innen. Höher als 2 Geschosse zu bauen ist nicht erlaubt (den wir bauen ja augenscheinlich ein hübsches EFH-Wohngebiet =D..).

- Die gleiche Regel wie für Rohbau-Geschosse könnte eventuell ebenso auch auf 'Bäume' angewendet werden (2 grüne Scheiben übereinander = großer Baum).

- Wer 2 Kreuzsymbole würfelt, darf (nicht muß, s. u.) ein beliebiges bauteil (Rohbau, Dach, Baum) 'abreißen', also wieder entfernen und ggf. ein dach wieder dem jeweiligen Mitspieler zurück in dessen Vorrat geben. Alternativ dazu darf der Zugspieler statt einen Abriß vorzunehemen eine nachfolgenden Spieler bestimen, der das nächste mal, wenn er an den Zug kommt aussetzen, also auf seinen regulären Zug verzichten muß.

- Wer 2 Rochade-Symbole würfelt darf (nicht muß) eine Rochade über ein Feld hinweg ausführen, also mit den beiden die Plätze tauschenden Elementen (Rohbau, bedachtes Haus oder Baum) ein dazwischen liegendes Feld (egal ob bebaut, bepflanzt oder unbesetzt) überspringen.

- Wer 2 Dach-Symbole würfelt, darf (nicht muß) 2 beliebige, aber verschiedenfarbige FREMDE Dächer (also kein Dach der eigenen Spielefarbe) miteinander die Rohbauten tauschen lassen.

- Wer einen 'Joker-Pasch' würfelt hat somit auch die Möglichkeit die Aktion eines beliebigen anderen Pasch-wurfes auszuführen.

Ich hoffe, hiermit wenigstens einigen eventuell entsprechend Interessierten hiermit weitergeholfen, bzw. zu Inspiration für die eigene Kreativität bzgl. Hausregeln verholfen zu haben =D..

So long - viel Spaß beim Spielen - ggf. auch mit diesen ergänzenden  wortwörtlichen 'Plan B'-Regeln!