Ragusa

eine Spielerezension von Florian Kirchhof - 22.08.2020
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Ragusa - Ausschnitt - Foto von Braincrack Games/Giant Roc
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Lesezeit: ca. 6 Minuten

Herzlich Willkommen in Ragusa, italienische Gemeinde mit knapp 74.000 Einwohnern auf der beschaulichen Insel Sizilien. Seit 2002 UNESCO-Welterbe und seit 2020 Namensgeber unseres heutigen Spiels von Fabio Lopiano.  Ragusa aus dem Hause Giant Roc und BrainCrack Games bietet für einen bis zu fünf Spielern ein spannendes strategisches Aufbauspiel. Der überschaubare Inhalt des Spiels beinhaltet für jede Spielerfarbe eine eigene kleine Box, wer es gerne ordentlich mag, macht also schon beim ersten Entpacken einen kleinen Luftsprung. Ob das Spiel auch nach dem Auspacken noch für Spaß am Spieltisch sorgt, wie das ganze allein funktioniert und ob ein Kauf sich lohnt, lest ihr jetzt.

Eine Partie Ragusa: die Vorbereitung

Ragusa besteht aus einem großen Spielplan, der die Stadt anzeigt. Der Spielplan ist doppelseitig bedruckt, wobei eine Seite vereinfachte Grafiken hat und bei geringem Licht oder zum Erlernen des Spiels angedacht ist. Man sieht einen Unterschied, ob es nötig gewesen wäre, wage ich aber zu bezweifeln. Auf dem Bild ist der Spielplan recht gut zu erkennen. Wie bei vielen anderen Spielen dient der Rand zum Zählen der Punkte. Jeder Spieler erhält seine Box und ein Spieltableau mit drei Perlenmarkern, diese geben später an, wieviel einer Ware die Spieler besitzen. Je nach Spieleranzahl werden verschieden viele Häuser an die Spieler ausgeteilt. Nun erhält jeder Spieler drei Bonuskarten, sucht sich eine davon aus und legt die verbliebenen zwei wieder zurück, diese werden gemischt und können später noch zum Einsatz kommen. Die Bonuskarten bringen zum Ende des Spiels Bonuspunkte. Meistens geht es darum, eine Ressource häufig zu sammeln oder eine andere Ware zu besitzen, um die Punkte am Ende erhalten zu können. Die Waren wiederum befinden sich in den Schiffen, die nun im letzten Schritt der Vorbereitung am unteren Ende des Spielplans ausgelegt werden. Spannend ist hier, dass die Schiffe einen Effekt auf Warenwerte haben. Der allgemeine Warenwert wird also entsprechend der Schiffe am Warenwertzähler am oberen Spielplan angepasst. Nun ist die Vorbereitung abgeschlossen.

Wie wird gespielt?

Brettspiel Ragusa - Foto von Braincrack Games/Giant Roc

Gespielt wird im Uhrzeigersinn. Ziel des Spiels ist es, am Ende am meisten Siegpunkte zu haben. Siegpunkte bekommt man durch den Kauf von Schiffen, durch das Erfüllen der Bonuskarten, durch den Kauf von Mauerstücken und am Ende des Spiels für die längste zusammenhängende Stadtmauer.

Neben jedes Mauerstück kann ein Haus gesetzt oder ein Turm gebaut werden, dieses bzw. dieser verbindet zwei Mauerstücke. Je länger eine solche zusammenhängende Verbindung am Ende, desto mehr Punkte gibt es. Um aber überhaupt erst einmal Häuser bauen zu können, müssen die „Baubedingungen“ erfüllt sein. Diese haben uns in unserer ersten Runde kurz verwirrt, wenn man es jedoch einmal verstanden hat, ist es eigentlich ganz logisch und einfach. Jedes Baufeld, sei es in der Stadt, an der Stadtmauer oder im Umland grenzt stets an drei Hexfelder. Jedes Hexfeld wiederum hat einen Effekt. Diese sind symbolisch auf dem Spielplan zu erkennen. Hexfelder im Umland können Holz, Stein, Oliven, Weintrauben, Silber oder Fisch beinhalten. Ein Haus im Umland kostet Holz, in der Stadt kostet es Stein. Das Problem: Zu Beginn des Spiels hat niemand Holz oder Stein, wie also soll gebaut werden, war unsere Frage. Die Antwort ist, dass jedes gebaute Haus direkt die Ressource freischaltet, sich also im ersten Zug direkt „selbstversorgt“.

Ebenfalls ein wenig verwirrend ist, dass Ressourcen nicht verbraucht werden. Im Klartext heißt das, dass der erste Zug in Ragusa immer darin bestehen muss, ein Haus neben einer Holzressource zu bauen, dieses Holz ist nämlich Grundvoraussetzung für das Haus. Man dreht seinen Ressourcenplättchen entsprechend auf die Anzahl erschlossener Ressourcen und der nächste Spieler ist an der Reihe. Ein Haus erschließt in der Regel immer mindestens zwei bis sogar drei Ressourcen. Alle diese Ressourcen werden „eingelagert“.

Ist die erste Runde rum, wird das nächste Haus gebaut. An dieser Stelle lassen sich nun die „Bauvoraussetzungen“ gut erklären. Ich suche mir eine Stelle für das Haus und muss nun jedes angrenzende Hexfeld überprüfen. Im Umland kostet jedes Feld eine Holzressource (diese werden nicht addiert), sprich ich benötige ein Holz für ein Haus, grenzt jedoch ein weiteres meiner Häuser an eines der zu prüfenden Hexfelder, benötige ich für dieses Hexfeld für jedes Haus eine Holzressource, sprich mindestens zwei. Nach diesem Prinzip wird in Ragusa gebaut.

Sobald ein Spieler Stein erschlossen hat, ist der Sprung in die Stadt möglich. Die Stadt bietet keine Ressourcen, sondern Gebäude mit unterschiedlichen Effekten. Gebäude in der Stadt, die an ein gebautes Haus angrenzen, ermöglichen das Bauen einer Mauer oder eines Turms, Waren zu veredeln, aus Trauben wird Wein, aus Eisenerz wird Eisen, aus Oliven wird Öl, hiermit kann auf dem Spielertableau der Marker weiter gesetzt werden. Ein anderes Gebäude erlaubt es wiederum diese Waren gegen Siegpunkte zu verkaufen. Die Anleitung fasst das auf vier Seiten kurz und knapp zusammen. Das Besondere ist, dass ein aktiviertes Gebäude bei dem auslösenden Spieler beginnt und dann reihum geprüft wird, ob weitere Häuser angrenzen, diese lösen den Effekt ebenfalls aus. So wird gespielt, bis keine Häuser mehr gebaut werden können. Dann werden die Siegpunkte verrechnet.

Fazit: Lohnt sich das Brettspiel Ragusa?

Ragusa ist ein spannendes Spiel, welches recht schnell erlernt ist und sich doch immer wieder anders spielt. Die Bonuskarten bringen immer wieder Abwechslung, da unterschiedliche Missionen ausgeführt werden müssen. Aufgrund der nicht unerheblichen Belohnung lohnt es sich auch die Missionen zu erfüllen.

Für mich punktet das Spiel schon sehr durch das Material. Die kleinen Boxen in den Spielerfarben sorgen für Ordnung im Karton und auf dem Spieltisch. Die Häuser, Türme, Mauerstücke, das Spielbrett und die Spielertableaus sind sehr hochwertig und robust. Die Rohstoffanzeigekarten hingegen enttäuschen. Sie passen eher schlecht als recht in die Aussparungen am Spielertableau und sind dünne Kärtchen. Hier hätte eine harte Pappe ähnlich des Tableaus in selber Stärker und Stabilität, welches gut in die vorgesehenen Aussparungen passt eine bessere Figur gemacht. Schade. Aber dem Spielspaß tut das keinen Abbruch.

Zugeben war die erste Runde ein wenig holprig und man muss Ragusa erst einmal in seiner Ganzheit verstehen, hat man dies jedoch, ist das Brettspiel sehr unterhaltsam und bietet eine schöne Tiefe, ohne dabei zu komplex zu werden. Eine Spielrunde dauert eine gute Stunde und keinen gesamten Abend. Die Möglichkeit, dass aktvierte Gebäude auch für andere wirken können, zwingt die Spieler dazu, ihre Züge gut zu überdenken.

Besonders schön ist, dass das Spiel eine Solo-Variante an Bord hat. Dabei spielt man gegen den Patrizier, der mit zufälligen Karten Häuserplätze erhält und über weitere Karten Häuser baut. Das funktioniert erstaunlich gut, ich bevorzuge aber den gemeinsamen Spieleabend mit menschlichen Mitspielern.

Spielschachtel Ragusa - Foto von Braincrack Games/Giant Roc

Neben der Taktik kommt Ragusa aber nicht ohne eine kleine Portion Glück aus. Die Bonuskarten können von recht einfach zu erfüllen bis recht schwer sein. Die Punkte, die sie bringen, unterscheiden sich jedoch kaum und das Maximum an Punkten ist für jede Mission gleich bei zwölf Punkten, so kann der eine Spiele Punkte durch gekaufte Türme erhalten, was nicht allzu schwierig ist, wohingegen ein anderer Spiele eine Ware von einem Schiff benötigt, welches vielleicht noch weit unten im Schiffsdeck liegt. Hier wäre eine Einteilung schön gewesen.

Ähnlich wie bei einem Vikings gone Wild hier sind Missionskarten in drei Schwierigkeitsgrade eingeteilt, werden dementsprechend im Laufe des Spiels immer schwieriger und sind nicht von Anfang an vermischt. Jedoch hält sich der Teil an Glück in dieser Form am Ende in Grenzen.

Alles in allem bringt Ragusa eine großartige Spielerfahrung mit einer vertretbaren Lernkurve. So kann Ragusa eines dieser Spiele sein, die man gerne an einem Spielenachmittag spielt, an dem mehr als nur ein Spiel geplant ist. Taktisches denken und dementsprechend weniger actionreiches Gameplay muss jedoch gemocht werden, ein schnelles Spiel ist und will Ragusa nicht sein.

Video: 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
1-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
40-80
Jahrgang: 
2020
Spielkategorisierung
Fotos
Brettspiel Ragusa - Foto von Braincrack Games/Giant Roc
Spielschachtel Ragusa - Foto von Braincrack Games/Giant Roc
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