Riga

eine Spielerezension von Dirk Janßen - 01.10.2017
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Gesellschaftsspiel Riga - Foto von Ostia Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Im Kartenspiel Riga von Stefan Risthaus darf wieder gehandelt und gebaut werden. Und das, weil wir zu Beginn des 13. Jahrhunderts als Händler aus Lübeck nach Livland (das heutige Est- und Lettland) aufbrechen, um den Ostsee-Markt für uns zu entwickeln. Im Gepäck haben wir Tuch, Wein, Glas und Korn, welches wir nun in den vier wichtigsten Nachbarhäfen an den Mann zu bringen versuchen, um mit den erwirtschafteten Dukaten Gebäude zu errichten. Soweit der Hintergrund.

Riga: wider der Gigantomanie

Wer mit einem gewaltigen Eurogame rechnet, wird von der doch recht überschaubaren Menge an Material „enttäuscht“ werden. Statt der aktuellen Gigantomanie im Brettspielsektor zu folgen, setzt Ostia Spiele bei Riga auf ein schlankes Package aus 110 Spielkarten, die 44 Warenkarten und 48 Gebäudekarten + 16 Riga-Gebäudekarten (für fortgeschrittene Spieler) enthalten.

Vier Jahreszeiten und schlanke Regeln bei Riga

Das Spiel lässt sich auch recht schnell erklären. Im Wesentlichen liegen in der Tischmitte Reihen mit verschiedenen Warenkarten und an der Seite eine Reihe mit Gebäudekarten aus. Zu Beginn hat jeder Spieler bereits einige Warenkarten und eine Gebäudekarte auf der Hand. Das Spiel geht über acht (bzw. bei drei Spielern über neun) Jahre (= Runden). Jedes Jahr besteht natürlich aus den vier Jahreszeiten:

  • Im Frühling werden Waren in der Tischmitte und Gebäude an der Seite wieder aufgefüllt.

  • Der Sommer besteht aus zwei Phasen: (1) Waren oder Gebäude nehmen und anschließend (2) Gebäude bauen. Hierbei darf man nur ganze Reihen von Waren nehmen und maximal drei Gebäude bauen. Um Gebäude bauen zu können, werden Warenkarten verkauft. Der Knackpunkt ist, dass die Gebäude einer der vier Städte angehören und die Waren dort teils einen unterschiedlichen Ertrag bringen bzw. gar nicht verkauft werden können.

  • Im Herbst wird die Zugreihenfolge geändert, d. h., der letzte Spieler des Sommers ist nun direkt noch einmal dran und dann geht es zurück zum Startspieler.

  • Im Winter werden Handkarten abgeworfen, wenn man mehr als sechs Karten auf der Hand hat.

Punkte gibt es für die gebauten Gebäude, Minuspunkte für Gebäude, die man am Spielende ungebaut noch auf der Hand hat. Wenig überraschend hat am Ende der Spieler mit den meisten Punkten gewonnen.

Riga: Ganz schön öde am baltischen Meer

Ja, Riga wäre ganz schön öde, wenn nicht die Gebäude noch zusätzliche Funktionen hätten. So gilt es nicht nur, bei der Wahl der Waren sondern auch noch bei der Wahl der Gebäude und der Reihenfolge, in welcher man sie baut, gut zu planen.

Es gibt Gebäude mit dauerhaften Effekten, wie bspw. die Manufactur, die den Wert einer bestimmten Ware um einen Dukaten erhöht. Oder die Markthalle, die die Beschränkung aufhebt, dass gewisse Waren in gewissen Städten nicht verkauft werden können. Dann gibt es Gebäude mit einmaligen Effekten, z. B. der Bauhof oder die Schatzkammer, die es ermöglichen, Waren oder Gebäude direkt vom Nachziehstapel zu ziehen. Und schließlich gibt es Karten, die am Ende zusätzliche Punkte einbringen, so wie die Loge oder das Archiv.

Was kann das Spiel Riga und was kann Riga nicht?

Riga bietet überraschend viel Futter für Grübler und Taktiker. Behalte ich Glas und Korn oder kaufe ich zu einem schlechten Kurs ein Wirtshaus in Visby? Kann ich machen, wenn sich genug Ritter in meinen Städten tummeln. Oder soll ich doch lieber schauen, dass ich viel Tuch an mich nehme, um zusätzliche Logen zu errichten? Immerhin bringen vier Logen am Ende des Spiels satte 27 Siegpunkte. Da kann der olle Fritz aus Lübeck schon mal Insolvenz anmelden. So oder ähnlich wird bei Riga taktiert. Was das Spiel zu einem stillen und von Denkpausen durchzogenem Vergnügen macht. Interaktion und flottes Kartenkloppen sind hier Fehlanzeige. Aber das würde ich an Riga nicht kritisieren.

Auch dass man aus dem Thema viel mehr hätte machen können, indem man das Ganze zu einem Brettspiel mit richtigem Schiffsverkehr und interaktiven Handel und wohlmöglich noch ausuferndem Worker Placement aufbläst, würde Riga nicht gerecht werden. Das Besondere ist ja, dass es sich nicht zu solch einer Material- und Regelschlacht auftürmt.

Was mir bei Riga fehlt, ist ein wenig die thematische Gestaltung. Auf die Gebäudekarten hätte man doch schmucke Gebäude platzieren können, sodass tatsächlich in der eigenen Auslage langsam Städte wachsen. Gerade junge Spieler lassen sich mit so etwas ködern, geht es ihnen doch häufig weniger um Siegpunkte als um ein „He, schau her, wie schön meine Stadt ausschaut!“. So verliert mein Sohn immer Machi Koro, kann aber definitiv eine vielfältigere Stadt sein eigen nennen. ;-) Und seine Landschaften bei Isle of Skye ... Ja, da möchte man Urlaub machen. Ansonsten bietet Riga zu einem kleinen Preis genug Gegenwert, um Ostia Spiele auf der kommenden Spiel 2017 in Essen einmal einen Besuch am Stand abzustatten oder sich auf anderem Weg das Kartenspiel etwas näher anzusehen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30-50
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
Fotos
Das Bild zeigt Waren und Gebäudekarten aus dem Spiel Riga - Foto Dirk Janßen
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