Saboteur: The Lost Mines

eine Spielerezension von Axel Bungart - 09.05.2019
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Saboteur: The Lost Mines - Ausschnitt - Foto von Amigo Spiele
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Früher war alles besser. Es gab Brettspiele und Kartenspiele. Und Brettspiele mit Karten. Mittlerweile gibt es auch immer mehr Kartenspiele mit Spielbrett. Ist das sinnvoll? An Saboteur – The Lost Mines von Autor Frederic Moyersoen (Amigo Spiele) hat man das mal wieder ausprobiert. Und in ein paar Minuten wird erklärt sein, ob es das braucht.

Wer das Spielprinzip von Saboteur noch nicht kennt, sollte es dort erst mal nachlesen. Kurz: Die Spieler verbinden zwei Startfelder über Wegekarten mit vier Minen, um dort Schätze zu heben. Grundsätzlich spielen zwei Teams gegeneinander. Wer aber zu wem gehört, kristallisiert sich erst im Laufe der Partie heraus. Am Schluss teilen sich alle Teams untereinander die gesammelten Schätze.

Saboteur: The Lost Mines - Spielsituation - Foto von Axel Bungart

Was ist neu an Saboteur – The Lost Mines?

Saboteur: The Lost Mines - die Zwerge - Foto von Axel BungartZunächst mal das auffälligste: Der Spielplan. Während man beim Kartenspiel vor jeder Runde die Entfernung von den Start- zu den Zielkarten abmessen musste, was ohne Zollstock aber mithilfe der Spielregel einwandfrei funktionierte, hat man nun den Spielplan, auf dem alle Felder gekennzeichnet sind. Klarer Vorteil außerdem: In die Versuchung, eine Karte in falscher Ausrichtung anzulegen (längs statt quer), kommt nun keiner mehr. Der Sinn des Spielplans ist so gesehen nicht zu leugnen, erschöpft sich damit aber auch.

Jeder Spieler besitzt nun eine Zwergenfigur, mit der er physisch durch die Gänge wandert. Erst, wenn man mit der Figur eine Mine erreicht, wird diese aufgedeckt.

Saboteur: The Lost Mines - Kartenreihe - Foto von Axel BungartWährend man sich früher immer nur den Zorn Einzelner zuzog, weil man ihm a) eine Blockadekarte vor die Nase gelegt hat und b) ihn damit anzuprangern versuchte, kann man sich jetzt gleich eine kollektive Schelte abholen. Denn manche Wegekarten enthalten jetzt ein Hindernis auf der Karte (See, Baumstamm, Graben), welches das Passieren nur ermöglicht, wenn man eine entsprechende Karte hat, mit der man das Hindernis aus dem Weg räumen kann (Boot, Beil, Seil). Ein Hindernis ist also ein Hindernis. Für alle!

Hinderlich sind auch Trolle, mit denen man den Übergang zwischen zwei Karten kompromisslos blockieren kann. Während man diese bei Saboteur – Das Duell aber bestechen musste/konnte, um passieren zu können, muss man hier nur eine Runde warten, dann sind sie wieder weg. Und schließlich gibt es noch Fallen, für deren Überquerung man dauerhaft eine Handkarte verliert.

Wie bei Saboteur II gibt es unter den Clans sowohl Zwerge, die in Wirklichkeit für die andere Seite arbeiten, als auch selbstsüchtige Zwerge, die ausschließlich für die eigene Tasche sammeln. So kann man sich nie sicher sein, dass zwei Spieler, die Karten derselben Farbe auf der Hand haben, auch wirklich dasselbe Ziel verfolgen.

Wie gut ist Saboteur - The Lost Mines?

Saboteur: The Lost Mines - Material - Foto von Axel BungartIch habe eine gute Nachricht: Die Spielregel ist einwandfrei, präzise und übersichtlich.

Und ein halbes Dutzend schlechter Nachrichten: Beim Material muss man schon die ersten Abstriche machen. Leider sind die Karten nun viel kleiner als im Kartenspiel. Während das für die normalen Wege- und Aktionskarten kein Problem darstellt, bedeutet das leider für die Hinderniskarten, dass die Symbole darauf zu klein sind. Sicher weiß man nach kurzer Zeit, dass auf einem See ein Boot abgebildet ist, aber wenn ein Symbol abgebildet ist, sollte man es auch aus der Distanz noch gut erkennen können. Bei bis zu neun Spielern, für die das Spiel gedacht ist, ist aber davon auszugehen, dass auch mal jemand außerhalb der optimalen Reichweite sitzt.

Zu klein sind auch die Pappfiguren der Zwerge, die durch die Gänge wandern. Stehen einmal drei, vier Zwerge irgendwo zusammen, müssen sich die Spieler ihre Figur erst wieder heraussuchen. Sinnvollverweise hat jeder noch eine Pappscheibe vor sich liegen, die daran erinnert, wie der eigene Zwerg aussieht.

Der Spielfeldrand ist quasi offen gestaltet, sodass es aussieht, als könne man die Gänge dort erforderlichenfalls weiterführen. Leider steht nirgends, ob man das darf, oder die Grafik nur darauf hinweisen soll, dass man zum Rand hin auch Gänge anlegen darf, die nach außen führen.

Saboteur: The Lost Mines - Ressourcen - Foto von Axel BungartDer größte Unterschied zum Kartenspiel ist aber gleichzeitig auch das größte Manko: Wird von einem Spieler eine Hinderniskarte gelegt, betrifft dies alle Spieler, die sich an der Stelle im Labyrinth befinden. Im Zweifel sogar den, der sie gelegt hat. Im Kartenspiel blockiert man mit einer Karte immer nur einen Spieler. Und dieser kann sich selbst befreien oder sich von anderen befreien lassen, während alle anderen weiterbauen können. Die Beseitigung eines Hindernisses ist hier aber davon abhängig, dass einer der Beteiligten eine passende Karte hat. Wenn nicht, muss man Umwege bauen, bis diese vielleicht wieder blockiert werden.

The Lost Mines - Lost in the Mines

Dies hat in allen unseren Runden zu einem oft zähen Verlauf geführt, weil sich solche Spielsituationen nur langsam und oft spät auflösen ließen, bis womöglich alle Karten im Spiel waren und sich einer erbarmt hat. Wurden aber die notwendigen Karten vielleicht sogar (beim Passen) abgeworfen, tauchen sie gar nicht mehr auf. Und noch ein zweiter Effekt tritt dadurch ein: Ein einzelner Zwerg oder sogar zwei Zwerge, die sich abseits des Pulks einen anderen Weg suchen, haben kaum eine Chance, sich den Minen auch nur anzunähern. Wer nicht im Pulk mitzieht, wird erbarmungslos abgehängt oder eingeschlossen. Schon deshalb, weil man die Hinderniskarten, die die Spieler in der Gruppe auf der Hand haben, ja irgendwie loswerden will. Damit verpuffen aber in der Regel auch andere Effekte wie die Fallen oder Trolle und selbst die Sprengkarten. Denn nur, wenn sich Zwerge absetzen, können diese sinnvoll eingesetzt werden.

Brettspiel Saboteur: The Lost Mines - Foto von Amigo SpieleEs fehlt hier an einer Regelung wie im Kartenspiel, wonach ein Spieler gegen Abgabe zweier Karten eine Blockade beseitigen kann, für die er keine passende Karte hat. Das würde den Gang befreien und vor allem die Partie in Gang bringen. Auch wenn der Nutzen einer solchen Regel hier ganz anders zu bewerten wäre, weil man damit eben allen Anwesenden den Weg wieder freiräumt, was man eigentlich gar nicht will. So richtig zufrieden macht das nicht.

Während ich sowohl Saboteur I und II als auch das Duell sehr witzig und unterhaltsam finde, muss ich einräumen, dass Saboteur - The Lost Mines nicht so richtig funktioniert und ich damit auch keinen wirklich begeistern konnte. Hier müsste noch mal über eine Regeländerung nachgedacht werden. Aber eigentlich hatte Saboteur schon alles, was es braucht – auch ohne Brett.

Wenn auch nicht früher alles besser war - Saboteur war es.

Video: 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3-9
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Spielethema: 
Spielegattung: 
Fotos
Brettspiel Saboteur: The Lost Mines - Foto von Amigo Spiele
Saboteur: The Lost Mines - Spielsituation - Foto von Axel Bungart
Saboteur: The Lost Mines - Kartenreihe - Foto von Axel Bungart
Saboteur: The Lost Mines - Ressourcen - Foto von Axel Bungart
Saboteur: The Lost Mines - Material - Foto von Axel Bungart
Saboteur: The Lost Mines - die Zwerge - Foto von Axel Bungart
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