Santa Cruz

eine Spielerezension von Olaf Bormann - 07.10.2012
  Spiel kaufen kommentieren
Santa Cruz von Hans im Glück
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Inseln sind ein beliebtes und dankbares Thema in der Welt der Spiele. Schnell werden Sehnsüchte wach, in einem solchen begrenzten und überschaubaren Raum zu leben und zu wirken. Und zu bauen und zu siedeln. Die Regel dieses Brettspiels hält sich auch nicht lange mit irgendwelchen Vorgeschichten auf. "Santa Cruz wird besiedelt". Damit beginnt sie. So manches spricht dafür, dass es sich um jenes Santa Cruz der Galápalos Inseln handelt. Aber es geht nicht um Darwin oder einzigartige Tiere dieser Insel, es geht um Häuser, Kirchen und Leuchttürme.

Der Spielplan von Santa Cruz zeigt ein Wegenetz, Flüsse und Vulkanfelder auf der Hauptinsel und zwei weiteren kleinen. Auf vorgegebene Positionen werden zufällig gezogene Kärtchen verteilt. Diese geben an, was zu welchem Siegpunktertrag jeweils dort von einem Spieler gebaut werden kann. Die Gebäudetypen sind begrenzt, so hat z. B. jeder nur zwei Leuchttürme. Dieser Aspekt und natürlich die lieben, in die Quere kommenden Mitspieler können dafür sorgen, dass man nicht den Idealfall von neun Baugelegenheiten erfüllen kann. Jene Kärtchen an den Küsten liegen offen. Die im Landesinneren werden erst nach und nach aufgedeckt. Das sorgt für eine gewisse Unwägbarkeit, wie auch für die Möglichkeit, feste Pläne nochmals umzuwerfen. Gesteuert wird das Errichten der Gebäude durch einen Satz Baukarten. Diese zeigen ein Schiff, ein Fluss oder einen Weg und damit den nutzbaren Baugrund, welcher allerdings angrenzend zu einem schon vom gleichen Spieler bebautem Gebiet liegen muss. Einzig die Schiffe dürfen beliebig an freien Küsten anlanden.

Eine Besonderheit der Baukarten bei Santa Cruz ist es, dass jeder einen unterschiedlichen Satz bekommt mit einem jeweiligen Schwerpunkt auf Schiff, Fluss oder Weg, also mehr Karten des Typs hat. Zusätzlich erhält jeder Spieler zwei bis vier Wertungskarten, abhängig von der Mitspielerzahl. Ein Teil der Kärtchen auf dem Spielplan haben neben den Gebäuden auch ein Rohstoff- oder Tiersymbol. Diese kommen bei den Wertungskarten zum Tragen. Anstatt zu bauen, kann eine Wertung gespielt werden, wobei alle Spieler, die das Symbol bebaut haben, gleichermaßen Bonuspunkte erhalten. Gleiches gilt für die Ortswertungen. Nachdem alle ihre Karten gespielt haben, folgt ein zweiter Durchgang. Hierfür werden alle Gebäude abgeräumt. Jeder kann sein Set mit Baukarten gegen ein anderes und eine neue Wertungskarte gegen eine alte austauschen.

Der grundsätzliche Spielmechanismus von Santa Cruz ist schnell erlernbar: Karte spielen, Gebäude platzieren, Punkte einsacken. Rasch wird es spannend: "Rechts von mir ist ein fetter Leuchtturm zu bauen, den sollte ich mir nicht entgehen lassen, aber links kreuzt der Weg meinen Mitspieler. Der tut zwar ganz desinteressiert, könnte mir aber fix den Weg abschneiden, dann mache ich das lieber mit ihm! Zusätzlich ist immer die Frage des richtigen Zeitpunktes für die Wertungskarten: Noch bin ich allein im Zucker und kassiere entsprechend auch den Bonus alleine, ich könnte aber noch rasch ins Schafgeschäft einsteigen, irgendjemand der anderen hat bestimmt noch eine Schafswertung auf der Hand." Dieser Pokermoment ist bei Santa Cruz sehr gelungen!

Die zweite Runde erscheint wie eine zweite Partie. Aber es gibt einen feinen Unterschied, der vielleicht nicht gleich in den ersten beiden Partien auffällt. Jeder kennt die Wertungskarten der anderen Spieler. Aber jeder kann auch eine austauschen. Da wird das Bluffen, das Belauern und Beobachten der Aktionen der anderen Spieler noch wichtiger. Unerfahrenen Spielern kann es passieren, dass sie nicht alle Baukarten spielen können, weil die Gebäudetypen verbraucht oder alle Wege abgeschnitten sind. Das ist nicht zwangsläufig spielentscheidend. Ich erlebte Partien, wobei dies sogar dem Gewinner passierte.

Ich nenne Santa Cruz rund und gelungen! In der Liga der leichten Planspiele, ohne gleich in Denksport auszuarten, wo der Kopf raucht, spielt es meiner Ansicht nach vorne mit. Das Brettspiel ist spannend und unterhaltsam bei einer guten Stunde Spielzeit und von Michael Menzel sowie Manuela Schieder hübsch und ansprechend gestaltet.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
Auszeichnungen: 
Spielethema: 
Spielegattung: 
Mehr zum Spiel