Santiago

eine Spielerezension von Michael Weber - 31.10.2005
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Santiago von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Das Land liegt trocken und karg vor den Spielern. Plantagen (Bohnen, Bananen, Zuckerrohr, Chili und Kartoffeln) sollen angelegt werden. Diese benötigen jedoch Wasser. Und Wasser ist kostbar. Große Plantagen bringen mehr Erträge, Monokulturen lohnen sich eben in Santiago. Wer am Spielende die meisten Erträge einfahren kann (zuzüglich zum Bargeld), gewinnt.

Jede Runde werden zunächst zufällig aufgedeckte Plantagen in Spielerzahl (bei drei Spielern mit einer Variante) versteigert. Jeder Spieler bietet ein Mal und muss ein anderes Gebot als die anderen Spieler nennen. Nach Gebotshöhe dürfen die Spieler sich Plantagen aussuchen und auf das Spielfeld platzieren. Wer am wenigsten bietet (oder als erster gar nichts) wird Kanalaufseher. Alle Gebote werden an die Bank bezahlt.

Die Plantagen bringen entweder ein oder zwei Erträge, die durch Spielsteine markiert werden. Allerdings nur, wenn Sie möglichst rasch bewässert werden. Ausgehend von der Quelle, die zufällig auf dem Spielplan platziert wurde, oder bereits bestehenden Kanälen dürfen nun die Spieler dem Kanalaufseher Vorschläge machen, wo der nächste Bewässerungsgraben gebaut werden soll. Natürlich muss man schon ein paar Escudos bieten, damit dieser dem Wunsch nachkommt. Vielleicht unterstützt ja ein anderer Spieler diesen Vorschlag, in dem er etwas Geld drauf legt, ein anderer mag vielleicht einen anderen Vorschlag machen. Der Kanalaufseher kann eins der Angebote annehmen und den gewünschten Kanal bauen oder aber in eine von ihm selbst gewünschte Richtung bauen und dort die Plantagen bewässern. Dann muss er aber ein Escudo mehr bezahlen als das höchste Gebot für die Wünsche der anderen Spieler. Danach kann noch jeder Spieler ein Mal im Spiel einen Zusatzkanal legen, um seine Plantagen vor dem Vertrocknen zu retten, denn nicht bewässerte Plantagen verlieren einen Ertragsstein pro Runde. Ist keiner mehr vorhanden, werden Sie umgedreht und zur Wüste. Da sind die drei Escudos Entwicklungshilfe am Rundenende nur ein Tropfen auf den heißen Stein ...

Es lohnt sich, Plantagen gleicher Art nebeneinander zu setzen. Denn am Spielende zählen die eigenen Ertragssteine in einer Plantagenfläche gleicher Anbausorte multipliziert mit der Anzahl der Felder (auch die der Mitspieler) dieser Plantagefläche. Wer zum Beispiel vier Ertragssteine in einer sechs Felder umfassenden Fläche Zuckerrohr vorweist, erhält dafür am Ende 24 Escudos aus der Bank ausgezahlt. Das Plantagenbauen wird zur Rechenaufgabe. Denn es muss auch beachtet werden, dass die Mitspieler nicht zu viele Erträge an einer Plantagenfläche besitzen. Jedes neues gleichartige an einer großen Plantagenfläche angelegte Feld will genau abgewogen werden. Erhält man selbst vielleicht nur zehn Punkte, kann ein Mitspieler dafür ein vielfaches bekommen. Andererseits lohnt es sich überhaupt nicht, kleine Flächen einer Frucht anzubauen.

Der eigentliche Witz beim Spiel ist aber, die Rolle des Kanalaufsehers. Zwar kann dieser entscheiden, wo der nächste Kanal gebaut werden soll, und dafür wohl möglich den Mitspielern viel Geld aus der Tasche ziehen, aber er muss bei der Auswahl der Plantagen mit dem Vorlieb nehmen, was die anderen übrig lassen. Das gilt auch für die Platzierung der Plantagen. Schnell wird so manche Runde als Kanalaufseher zu einem Fiasko. Entweder bekommt man kein Geld, weil alle Spieler ihre Plantagen an bereits gelegte Kanäle bauen konnten, oder die Mitspieler schmieren einem mit Escudos für Verläufe, die kein Mensch braucht - nur um dem Kanalaufseher das Bauen in die von ihm gewünschte Richtung zu vermiesen (verteuern). So ist diese Rolle ein zweischneidiges Schwert, das aber den Spielspaß ausmacht. Der Rest ist viel Rechnen und Abwägen beim Bieten.

Es bleibt aber auch jenseits vom Rechnen genug Raum für gegenseitiges Ärgern, nämlich beim Legen der Plantagenplättchen. Oder beim (Über-) Bieten, das recht eigenwillig vonstatten geht, und Kanalbau. Santiago ist eine kopflastige, aber dennoch nicht zu schwere Herausforderung, die Mechanismen sind gut aufeinander abgestimmt, ein gewisser Ärgerfaktor vorhanden. Mit Geld kommt man weit, aber das erhält man nur, wenn man spart oder als Kanalaufseher einen guten Schnitt macht.

Ständig ist man hin und her gerissen zwischen zu großen Ausgaben oder wertlosen Plantagen, zwischen Vertrocknen lassem oder Schmieren des Kanalaufsehers. Ein feines Spiel, bei dem viele Möglichkeiten bleiben, um Entscheidungen zu treffen. Ein anspruchsvolles Spiel, das dennoch leicht zugänglich ist. Ein Spiel, das Spaß macht - wenn man das Rechnen beherrscht.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
3 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2003
Spielkategorisierung
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