Savanne

eine Spielerezension von Claudia Grothe - 22.12.2016
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Kinderspiel Savanne - Foto von Trefl
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Die Tiere Afrikas wollen herausfinden, wer von ihnen der Schlauste ist, darum veranstalten sie in der Savanne ein Rennen ...   Was für eine Schildbürger-Logik!

Der spielverlauf: Wie läuft das Rennen durch die Savanne?

Jeder Spieler bekommt ein Team aus fünf verschiedenen Tieren (Plättchen). Ziel ist es, zwei seiner fünf Läufer zur Wasserstelle zu lotsen. Dabei geht es heiß her, denn die Tiere rennen sich auf dem Weg zum kühlen Nass regelrecht über den Haufen. Wer auf einem bereits besetzten Feld landet, springt dem dort stehenden Tier einfach auf den Rücken und hindert es so am Weiterlaufen. Bis hierhin also ein ganz normales Rennspiel.

Das interessante an Savanne von Jan Madejski und Lukas M. Pogoda (Trefl) ist der Würfelmechanismus. Der aktive Spieler bekommt sechs Würfel. Pro Wurf muss er auf einem seiner Tierplättchen beliebig viele Würfel (mindestens einen) ablegen. Natürlich kann nicht jeder x-beliebige Würfel verwendet werden. Jedes Tierkärtchen zeigt zwei Werte. Nur Würfel mit der entsprechende Augenzahl dürfen auf dem jeweiligen Plättchen platziert werden. Die nicht verwendeten Würfeln kann der Spieler erneut werfen, muss anschließend aber mindestens einen Würfel auf einem anderen, würfellosen Plättchen ablegen. Nachdem alle Würfel verteilt sind oder der Spieler auf weitere Würfe verzichtet, wird jedes Plättchen entsprechend der Anzahl der auf ihm liegenden Würfel weiter bewegt. Aber Vorsicht! Wer zu viel riskiert und nach einem Wurf keinen seiner Würfel ablegen kann, geht leer aus. Die Sechs spielt eine ganz besondere Rolle. Sie ist auf keinem der Plättchen abgebildet. Mit ihr kann man die Tiere der Mitspieler bewegen, um so eigene blockierte Tiere schnell wieder frei zu bekommen. Allerdings bringt man seine Gegner dadurch auch näher ans Ziel.

Auch beim Rennsport in der Savanne braucht man Spezialisten

In der Profiversion bekommen die Tiere individuelle Fähigkeiten. Der Elefant ist so groß, dass niemand auf ihn draufspringen kann. Das Zebra ist so wendig, dass es die Spur wechseln kann. Der Hals der Giraffe ist so lang, dass sie schon ein Feld vor dem eigentlichen Ziel ans Wasser heranreicht. Der Löwe verscheucht andere Tiere, anstatt auf sie zu springen. Und die Gazelle springt einfach über aufgestapelte Tiere hinweg. Das Ziel ist nach wie vor dasselbe. Schafft es ein Spieler, zwei seiner Tiere durch das Gedränge ans rettende Wasserloch zu bugsieren, ist das Spiel vorbei. Die restlichen Tiere bleiben auf der Strecke. Die Natur ist eben gnadenlos.

Wie gut sind die Innovationen beim Spiel Savanne?

Ein Push-your-luck-Mechanismus ist ungewöhnlich in Rennspielen, sorgt aber für echtes Glücksspiel-Feeling! Einerseits will man natürlich immer weiter würfeln, um möglichst viele Würfel nutzen zu können. Andererseits sinkt die Anzahl an freien Plättchen und verfügbaren Würfeln immer mehr und damit steigt auch das Risiko, beim nächsten Wurf nur unbrauchbare Zahlen zu bekommen, somit alles zu verzocken und leer auszugehen. Die absoluten Seltenheitsspieler in unseren Testrunden taten sich anfangs recht schwer mit der Würfelverteilung. Zum Erlernen des Prinzips kam das Einsteigerspiel da gerade richtig. Auf Dauer ist diese Version allerdings etwas langweilig.

Eine unterschiedliche Zugweise einzelner Figuren ist für ein Kinderspiel ebenfalls eher ungewöhnlich. Aber die Fähigkeiten sind zum Glück recht logisch und es sind ja auch nur fünf Tiere. Während der Würfelphase werden die einzelnen Würfel nur auf den Tierkärtchen ablegt, erst im Anschluss zieht man. Weil die Zugreihenfolge frei wählbar ist, kann noch ein wenig taktiert werden, um hier und da für das ein oder andere Tier noch ein zusätzliches Feld herauzusholen oder den Gegner zu blockieren. Aufgrund der kurzen Strecke und Spieldauer kommen die Fähigkeiten der Tiere leider viel zu wenig zum Tragen. Da zwei Tiere im Ziel zum Sieg reichen, braucht man gar nicht alle seine Tiere einzusetzen. Es reicht, zwei oder drei von ihnen möglichst schnell voranzubringen. Machen das alle Spieler so oder hat man nur wenig Mitspieler, kommen die Tiere sich viel zu selten in die Quere und ihre Fähigkeiten somit kaum zum Einsatz. Im Grunde hängt also alles davon ab, die richtige Augenzahl zu erhalten. Wer kein gutes Händchen beim Würfeln hat, kann auch mit Herumtaktieren nichts reißen.

Wer ist fit genug für ein Rennen durch die Savanne?

Das Design der Spieleschachtel erinnert stark an den Film Madagaskar, was besonders bei Kindern sofort das Interesse weckt. Das Spiel selbst ist sehr glückslastig. Dadurch können verschiedene Altersstufen gut zusammen spielen. Jan Madejski und Lukas Pogoda haben zwei bekannte Mechanismen auf eine sehr innovative Weise miteinander verbunden und in ein klassisches Rennspiel integriert. Die Idee an sich ist super, aber bei der praktischen Umsetzung hapert es dann. Gelegenheitsspieler können sich mit der ungewohnten Würfelverteilung nicht so recht anfreunden, und schon nach dem Einsteigerspiel ist die Motivation für eine zweite Runde nahezu null. Vielspieler finden die Mechanismen interessant, werden jedoch beim Spielen enttäuscht, da die Eigenschaften der Tiere selten bis gar nicht zum Einsatz kommen und die taktischen Möglichkeiten somit mehr Schein als Sein sind. Was bleibt ist ein kurzweiliges Würfelspiel, das verloren durch die Brettspielwelt dümpelt und nicht so recht weiß, an welche Zielgruppe es sich eigentlich wenden soll.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
6
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2015
Spielkategorisierung
Spielethema: 
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