Schweinchen Schlau

eine Spielerezension von Riemi - 31.12.2006
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Schweinchen Schlau von
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Es gibt Zeiten, da glauben viele Eltern, sie müssen um Plastikspiele für die kleinen Racker einen großen Bogen machen. Aber selbst diejenigen unter uns, die meinten, unser Kind wird zum Beispiel niemals mit einer Barbie spielen, müssen sich mittlerweile eingestehen: Verdammt, die Kinder spielen doch damit!

Auf einer bekannten Radiowelle für das Zielpublikum unter Dreißig, gibt es eine Rubrik, die heißt: Mein Tag heute. Lesen Sie jetzt von einem Spielenachmittag aus der Sicht eines gestressten Familienvaters, nennen wir ihn Herrn Spiel.

"Guten Tag. Mein Name ist Willi Spiel. Nach einem anstrengenden Arbeitstag und anschließenden Einkaufen, wobei mir ein Yoghurt die Tüte mit den Einkaufsachen versaut hat und ich mal wieder die längste Schlange der Welt an der Kasse erwischt habe, werde ich heute mit meinen Kindern spielen. Ich muss zugeben, mein inneres Gleichgewicht schwankt. Na gut, wir spielen heute Schweinchen Schlau, es ist noch im original verpackten Zustand. Runter mit der Folie und ... Deckel ab - dann doch nicht. Hm? Wie geht das denn auf!? Ahh! Danke, Anke! Meine große Tochter macht mich auf die zwei Laschen an der Seite aufmerksam, die man rausziehen muss. Okay, die erste Hürde ist genommen. Jetzt noch einen Kreis mit einem Lauffeld gelegt und eine Art großen grünen Plastikvulkan in die Mitte gestellt. Über das Loch wird der böse Wolf gestülpt und in die vorgetanzten Einbuchtungen kommt in den drei Ecken des Berges jeweils eine Häuserfront mit je sechs Rahmen. Na Prima! Die Pappbedachung von dem roten Haus ist schon rausgeflogen. Zum Glück kann man sie schnell wieder einklemmen. Es müssen noch die Fensterrahmen mit Papprechtecken gefüllt werden. Die Laune sinkt auf einen Tiefpunkt, weil diese Teile nicht sofort passen wollen und keine Batterien beiliegen. Zum Glück sind noch welche in der Küchenschublade. Die Regel selber ist unkompliziert. Wer dran ist, würfelt und geht mit seinem dicken Schwein die erwürfelten Augen vorwärts. Es gibt vier Arten von Feldern, die Baufelder in den Materialien Stroh, Holz und Stein sind schon mal drei. Dann noch die Felder mit dem Wolf. Alles ganz einfach - im Prinzip.

Meine kleine Tochter fängt an. Würfel schmeißen – locker -, Schweinchen landet auf das Strohfeld – gut –, Fenster einbauen. Gewollter Nachteil der Strohbauteile: sie können nur auf einem Vorsprung aufgelegt werden - was gar nicht so einfach ist. Nach dem fünften missglückten Versuch – wobei jeder Fehlversuch mit einem leisen 'Scheiße' kommentiert wird und andere Teile ebenfalls runterfallen, werde ich doch leicht ungeduldig und helfe. Toll, bei mir klappt es schon nach dem dritten Versuch. In Gedanken: 'Scheiße!' Die große Tochter hat mehr Glück und bekommt eine Steintüre, Stein kann eingeklemmt werden, während Holz etwas fester aufliegt als Stroh. Nach ein paar Runden landet zum ersten Mal ein Schweinchen auf ein Wolfsfeld. Ich habe die zweifelhafte Ehre – ein Kind wird wahrscheinlich nicht begeistert sein - den Wolf auf eine Hausfassade auszurichten. Noch ein Sprüchlein und dann den Wolf drücken. Es erklingt Lärm der Einatmen simulieren soll und danach wird ausgepustet. Puh, hat der Wolf einen faulen Atem oder liegt das etwa an dem Plastik aus Fernost, das ausdünstet? Nach der Attacke sind sämtliche Rahmen bis auf ein eingeklemmtes Steinteil weggeblasen worden. Aber Überraschung: Von Enttäuschung keine Spur. Am liebsten würden die Kinder den Wolf noch mal betätigen. Gut, dass der Luftstrom nicht immer gleich ist. So geht es munter weiter, bis ein Spieler sämtliche Löcher in der Fassade gestopft hat. Der Sieger steht fest! 'Super Kinder, bettfertig machen'. Mann, bin ich froh, dass dieser Tag fast vorbei ist!"

So oder ähnlich trägt es sich täglich zu. Natürlich wünscht der überwiegende Teil der Eltern, dass die Kinder am liebsten mit Holz spielen sollen. Tatsache ist aber: Bis auf Ausnahmen ist unser Nachwuchs geradezu vernarrt in die bunte Welt des Plastiks. Wenn dann noch irgendwas Elektronisches oder wie hier ein Pustemechanismus ins Spiel kommt, gibt es kein Halten mehr. Man muss der Geschichte ins Auge sehen, liebe Eltern und Großeltern mit dem Geld: Den Kindern gefällt's!

 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
2 - 3
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
3
Jahrgang: 
2006
Spielkategorisierung
Spielethema: 
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