Scorpio

Ein Quiz wie kein anderes

eine Spielerezension von Claudia Grothe - 15.10.2011
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Scorpio von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Scorpio wird im Gegenteil zu den meisten anderen Quizspielen im Team gespielt, und das Ganze auch noch auf Zeit. Dafür gibt es einen Timer, auf dem vor Spielbeginn für jedes Team die Zeit einstellt wird, die zur Beantwortung aller Fragen zur Verfügung steht. Das Spielbrett fungiert als reiner Punktezähler und zeigt, passend zum Namen, einen Skorpion. Die Teams starten bei den Scheren und arbeiten sich langsam zur Schwanzspitze vor. Dazu liest der Spielleiter, oder ein Spieler des gegnerischen Teams eine Frage vor und stoppt anschließend die bis zur Beantwortung der Frage benötigte Zeit. Stimmt die Antwort, kann man je nach Schwierigkeit der Frage ein bis drei Felder vorrücken. Wenn nicht, haben die anderen Teams die Chance die Frage zu beantworten und die Punkte zu bekommen. Am vorletzten gelben Feld beginnt die Endphase. Um auf das letzte Feld zu gelangen, und somit zu gewinnen, muss das Team alle fünf Fragen einer speziellen Endkarte beantworten. Das Team, dass dies innerhalb der vorgegebenen Zeit als erstes schafft, gewinnt.

Ein Quiz wie kein anderes, so heißt es auf der Spielschachtel. Was dieses Spiel so einzigartig machen soll, ist zweifelsohne der Zeitfaktor. Das Element also, welches Partyspielen wie Activity, Tabu oder auch Tick Tack Bum ihren charakteristischen Reiz verleiht. Hätte man, wie bei solchen Spielen üblich, einfach eine Sanduhr genommen, die einem zehn Sekunden für die Antwort Zeit lässt, wäre das sicherlich auch gelungen. Stattdessen hat man einen elektronischen Timer, auf dem die Gesamtspielzeit eingestellt wird. Diese läuft dann rückwärts ab. Die Zeit ist anfangs also völlig egal, da man ja genug hat. Lediglich zum Schluss könnte so etwas wie Zeitnot auftreten, wenn man seine Zeit denn sehen würde. Das ist aber nicht der Fall, da der Spielleiter die Uhr hat, um die Zeit zu stoppen. Der Zeitfaktor spielt also überhaupt keine Rolle, und falls die Uhr doch einmal vorzeitig abläuft, kommt es eher einem Spielabbruch gleich, und alle sind enttäuscht. Der Timer ist also bestenfalls ein Störfaktor. Beim hin und herschalten zwischen den Teams muss man sehr aufpassen, dass nicht ausversehen die Zeit des falschen Teams abläuft. Und zu allem Überfluss ist die Löschen-Taste auch noch neben der Stopp-Taste, sodass die Spielzeiten des Öfteren mitten im Spiel einfach futsch sind.

Die Fragen sind breit gefächert: Geschichte, klassische Literatur, Sport, Naturwissenschaft … Dabei ist alles recht allgemein gehalten, also keine Fragen, die sich auf das neuste Sternchen am Pophimmel beziehen, oder nach irgendwelchen Ministern fragen, die schon in ein paar Jahren nicht mehr im Amt sind. Ein ideales Spiel, das viele Generationen gemeinsam spielen können. Dabei sind die Fragen aber keineswegs simpel. Oder wissen Sie, welches Insekt mit geschätzten zehn Billiarden Exemplaren zahlenmäßig am häufigsten auf der Welt vorkommt? Sicher gibt es auch einige Fragen, die ein Kind beantworten könnte. Allerdings ist man mit zwölf gerade einmal in der sechsten Klasse, hat den Namen Napoleon bestenfalls gehört, wenn der Nachbarshund so heißt, und selbst bei Bücherwürmern stehen Werke wie Faust wohl kaum im Regal. Die wenigsten haben eine Oper von innen gesehen und wenn, dann lief bestimmt keine von Wagner. Da die Fragen sich aber genau auf solche Themen beziehen und es einfach nur frustrierend ist, wenn eine Frage nach der anderen kommt, von der man keine Ahnung hat, sollte man es Kindern unter sechzehn Jahren lieber nicht zumuten.

Als Familienspiel ist Skorpio also bestenfalls geeignet, wenn die Kinder schon erwachsen sind, da die vorausgesetzte Allgemeinbildung bei Kindern einfach nicht vorhanden ist. Trotz großer möglicher Spielerzahl (bis zu vier Teams), ist Sorpio für Partys ebenfalls untauglich, da Quizspiele nun mal keine Stimmungsmacher sind. Spart man sich die Batterien und lässt den absolut überflüssigen Timer weg, ist Scorpio nicht mehr inovativ. Was bleibt, ist ein Quizspiel mit anspruchsvolles Fragen für Erwachsene, das optisch schlicht aber chic aussieht. Das Spielbrett ist klein, sodass es problemlos auf jeden Couchtisch passt und man noch genug Platz für Snacks und Getränke hat. Ideal also für einen gemütlichen Spieleabend. Spieltechnisch wird, verglichen mit anderen Quizspielen wie Trivial Pursuit, kaum etwas geboten. Man hat keinerlei Einfluss auf den Spielablauf, lediglich die kurze Spielzeit ist ein Plus gegenüber dem abendfüllenden Klassiker. Die vorgeschlagenen drei Minuten pro Team sind locker zu schaffen, sodass eine Runde, je nach Anzahl der Teams, nicht länger als eine viertel bis halbe Stunde dauert. Die Abarbeitung der Fragen ist bei Trivial Pursuit besser gelöst, da dort die Karten nicht komplett abgearbeitet werden, dafür kann man bei Scorpio Wissenslücken in einzelnen Bereichen besser ausgleichen, und das nicht nur durch die Auswahl des Teams. Und wer sich jetzt fragt, welches Insekt in diesen Mengen auf der Erde kreucht und fleucht: Es ist die Ameise.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
4 - 16
Spieldauer (Minuten): 
20-45
Jahrgang: 
2010
Spielkategorisierung
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