Scotland Yard - Das Kartenspiel

Mal ist man Mister X, mal Detektiv. Behalte den Überblick!

eine Spielerezension von Michael Weber - 11.03.2017
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Scotland Yard - Das Kartenspiel - Foto von Ravensburger

Scotland Yard ist zurecht ein Klassiker unter den Familienspielen. Auf der Jagd nach Mister. X sprechen sich die Spieler ab, jagen den Verdächtigen durch London, nutzen U-Bahn, Bus und Taxi oder auch mal eine Fähre. Mirster X hingegen zeigt sich hier, mal da, verschwindet und ist immer auf der Flucht. Wird er gefasst, gewinnen die Jäger, entkommt er, ist der Sieg sein. Dieses Spielprinzip ist immer wieder erneuter worden. Mal als Juniorvariante, mal mit anderem Spielplan, als Reiseversion oder per App oder gar als Reality-Jagd durch eine Großstadt. Klappt das auch als Kartenspiel? Diese Idee hatten zumindest Inka und Markus Brand mit Scotland Yard - Das Kartenspiel, das bei Ravensburger erschienen ist.

Scotland Yard - Das Kartenspiel: der feine Unterschied

Scotland Yard - Das Kartenspiel ist anders. Logisch, denn mit Spielkarten muss das Prinzip erst einmal umgesetzt werden. Das gelingt durchaus. Denn die Tickets für die öffentlichen Verkehrsmittel spielen weiter eine bedeutende Rolle. Diese geben mögliche Aktionen vor und treiben das Spiel voran. Einen Spielplan gibt es gar nicht. Daher ist Mister X zwar auf der Flucht, taucht aber auf der Hand eines Spielers unter. Dort verbirgt er sich, bis er gefunden wird - oder per Kartentausch wie ein Schwarzer Peter zu einem anderen Spieler wechselt. Entsprechend hat Scotland Yard - Das Kartenspiel bei allen bekannten Komponenten ein völlig anderes Spielprinzip.

Der Spielablauf bei Scotland Yard - Das Kartenspiel

Im Wesentlichen haben die Spieler Karten auf der Hand. Diese zeigen eine Zahl und eine Farbe. Die Farben stehen für die Verkehrsmittel. Es gibt drei Ablagestapel. Dabei ist folgendes zu beachten. Die Zahlen müssen aufsteigend gelegt werden. Aber von links nach rechts muss die jeweils oberste ebenfalls eine aufsteigende Reihe bilden. Das ist die ganze Krux beim Auslegen.

Sonst gilt: Ziehen, ausspielen und Aktion ausführen. Welche Aktion möglich ist, bestimmt der Zahlenkartenstapel. Mal darf der Spieler Karten ziehen, mal ein Verhör starten, mal eine Fahndung machen. Bei den beiden letzten Aktionen geht es darum, Karten der Mitspieler zu sehen. Das ist wichtig, um Mister X zu enttarnen und das Spiel zu gewinnen.

Interessant wird es, wenn ein Spieler Mister X hat und sich statt der normalen Aktion für die Mister-X-Aktion entscheidet. Dann wissen alle, wo der Gejagte "sitzt". Die Mister-X-Aktionen sorgen jedoch dafür, dass der betreffende Spieler mehr Handkarten bekommt, was zur Verschleierung beiträgt, oder die Mister-X-Karte abgeben kann. Diese wird dann gemeinsam mit Karten der Mitspieler gemischt und zufällig neu verteilt. Die Jagd beginnt praktisch von vorn. Wird der Gejagte nicht erwischt, bis der Kartenstapel durch ist, gewinnt der Spieler mit Mister X auf der Hand.

Lohnt sich Scotland Yard - Das Kartenspiel?

Scotland Yard trifft auf The Game und 6 nimmt. So in etwa lässt sich dieses Kartenspiel beschreiben. Dabei geht der Reiz der Verbrecherjagd auf dem Stadtplan leider verloren. Das kooperative Einkreisen, das Durchbrechen dieses Fahndungskreises und das "Ätsch" beim Zwangszeigen der Position - all das fehlt. Das kompensieren die Autoren mit einer exzellenten Umsetzung des Themas zu einem Kartenspiel. Die Jagd ist jetzt von Zahlen bestimmt, erlaubt je nach gespielter Karte bestimmte Aktionen und durch das "Schwarze-Peter-Spiel" durch den ggf. wandernden Mister X kommt eine Art Jagdgefühl auf, die sich jedoch von der des Brettspiels deutlich unterscheidet. Das Kartenspiel spielt sich eher so wie eine mechanische und halbwegs planbare "Was-passiert-wenn-Maschine". Das ist durchaus unterhaltsam, kann aber den wichtigen deduktiven Charakter des Brettspiels nicht einfangen. Das ist schade, denn genau der macht Scotland Yard so interessant und beliebt.

Scotland Yard - Das Kartenspiel ist dennoch kein schlechtes Spiel. Im Gegenteil. Handwerklich ist es top, es passt zum vorgegebenen Thema und hat innerhalb der Spielefamilie von Scotland Yard seine Berechtigung. Es setzt nur einen mechanischen Schwerpunkt, der deutlich zu weit vom Brettspiel weg führt. Wer sich daran nicht stört, findet in der Ablage der Karten eine Herausforderung. Denn nur wer den richtigen Stapel im richtigen Moment anspielen kann, darf seine gewünschte Aktion machen. Dazu sind jedoch bestimmte Zahlen erforderlich, sodass der Zufall eine beachtliche Rolle spielt. Das steigert sich noch mit den Aktionen. Denn oft geht es darum, Karten aus der Hand der Mitspieler anzusehen oder zu entfernen.

So läuft also die Verbrecherjagd als Kartenspiel. Das ist okay, macht sogar eine Runde Spaß und ist mechanisch durchdacht. Nur fehlt mir der gewisse Reiz, den das Brettspiel hat, das Deduktive, die Finte, die Seele! Das Kartenspiel "wird mal eben 'runtergespielt" - was für bestimmte Anlässe durchaus positiv sein kann -, das Brettspiel forderte etwas mehr Mitarbeit. So zugänglich daher Scotland Yard - Das Kartenspiel ist, so austauschbar ist es aber durch andere Spiele. Das ist bei dem Brettspiel nicht der Fall.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
3-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
9
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
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