Shadow Hunters

eine Spielerezension von Jörg Deutesfeld - 11.01.2009
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Shadow Hunters von Z-Man Games
Lesezeit: ca. 7 Minuten

Ziel des Spiels ist es, die Siegbedingungen seiner gezogenen Charakterkarte zu erfüllen. Um dies zu erreichen, muss man versuchen, Charaktere der gegnerischen Fraktionen zu töten – sofern man herausfindet, welcher diese angehören, um nicht einen eigenen Mitspieler aus dem Rennen zu werfen.

Inhalt. Das Spielbrett in der Größe A2 besteht aus ziemlich robuster Pappe und dient zwei Zwecken: Auf der linken Seite befindet sich ein stilisierter Baum, der zirka ein Drittel der Spielbrettfläche ausmacht und auf dem jeder Charakter seine erhaltenen Wundpunkte markiert, die restliche Fläche besteht aus drei Rechtecken die jeweils Platz für die für zwei der insgesamt sechs Standortkarten bieten. Die grafische Gestaltung des Spielbretts ist recht abstrakt, aber insgesamt doch sehr Ansprechend von der Gestaltung.

Insgesamt gibt es vier verschiedene Karten-Sets: zehn Charakterkarten, 16 Einsiedlerkarten und je 16 weiße und schwarze Karten sowie sechs Landschaftskarten. Die Karten überzeugen alleine schon durch das verwendete Material: robust, griffig und scheinbar unverwüstlich. So, wie man sich eine solide Ausstattung bei einem Brettspiel vorstellt. Nicht zu vergessen sind die gelungenen Illustrationen der Karten, die im Animae-Design daherkommen und aus deren Texten sich alles wesentliche schnell herauslesen lässt. 

Es gibt insgesamt zehn Charakterkarten: drei Shadow-Charaktere, drei Hunter-Charaktere und vier neutrale Charaktere. Auf jeder Karte sind die Trefferpunkte, die jeweilige Spezialkraft und die Siegesbedingungen angegeben. Shadow-Charaktere gewinnen, wenn alle Hunter oder drei neutrale Charaktere tot sind. Hunter-Charaktere gewinnen, wenn alle Shadow-Charaktere tot sind. Die neutralen Charaktere haben hingegen jeweils ganz besondere Siegbedingungen. 

Auf der Charakterkarte stehen die Wundpunkte des jeweiligen Charakters. Sind diese erreicht, ist der Spieler tot und raus aus dem Spiel. Als zweites steht auf der Karte das Spielziel des jeweiligen Charakters. Die Hunter-Charaktere versuchen dabei natürlich, die Shadow-Charaktere zu töten, und umgekehrt. Die neutralen Charakter haben hingegen ganz unterschiedliche Ziele. Zum Beispiel: Zuerst zu sterben oder überhaupt nicht zu sterben, Ausrüstung einsammeln und vieles mehr. Jeder Charakter hat auch eine besondere Gabe, die einmal im Laufe des Spieles eingesetzt werden kann. Wird sie eingesetzt, muss der Charakter seine Identität gegenüber den anderen Mitspielern offen legen. 

Die Landschaftskarten gliedern sich folgt: Die Einsiedlerhütte (Hermit`s Cabin) - ist man auf diesem Feld, darf man sich eine Einsiedlerkarte ziehen. Das Tor zur Unterwelt (Undeworld Gate) - hier darf man sich eine Karte vom Stapel seiner Wahl ziehen. Die Karte Kirche (Church) - auf diesem Feld darf man sich eine Karte vom weißen Stapel ziehen. Der Friedhof (Cemetery) - hier darf man sich eine schwarze Karte ziehen. Im Zauberwald (Weird Woods)  darf man entweder zwei Wundpunkte heilen oder einem beliebigen Mitspieler einen Schadenspunkt zufügen. Kommt man auf den Einstigen Altar (Erstwhile Altar), so darf man einem beliebigen Mitspieler eine Ausrüstungskarte stehlen.

Ansonsten gibt es noch für jeden Spieler jeweils noch zwei Spielsteine. Einen, um die derzeitige Position zu markieren, und einen zweiten für das Markieren der Wundpunkte auf dem Spielbrett. Nichts weltbewegendes – einfach nur solides bemaltes Holz. Zudem erhält jeder Spieler noch eine „Matte“ in seiner Spielfarbe, auf der auch die Charakterkarte abgelegt werden kann, um jederzeit seine gespielte Farbe nachvollziehen zu können.

Der Spielablauf. Die Charakterkarten werden vor Beginn des Spiels nach Typen sortiert und die einzelnen Stapel jeweils für sich gemischt. Je nach Anzahl der Mitspieler werden nun Karten von den Stapeln verdeckt aussortiert und die verbleibenden Karten erneut gemischt. Jeder Spieler erhält jetzt verdeckt eine Karte mit seinem zu spielenden Charakter. Somit weiß zwar jeder Spieler, wie viele Charaktere von jeder Gruppierung im Spiel sind – nicht aber, wer letztlich welchen Charakter in der Hand hält. Ganz wichtig: Seine Identität muss der Spieler geheim halten, bis er entweder getötet wird, gezwungen wird, seine Identität preis zu geben, oder die Siegesbedingungen seiner Karte erreicht hat! 

Der Spielablauf selbst ist recht einfach: Man nehme die mitgelieferten Würfel (ein sechsseiteiger und ein vierseitiger Würfel), addiere das Ergebnis und bewegt seine Figur zu der Standortkarte mit der entsprechenden Nummer. Dann kann man sich dazu entscheiden die Figur eines anderen Spielers anzugreifen – sofern sich dieser im gleichen umrissenen Feld wie der Angreifer befindet – es wird mit beiden Würfeln gewürfelt und die niedrigere Zahl von der höheren abgezogen. Dieses Ergebnis ist der verursachte Schaden, den der Mitspieler auf dem Feld Wundpunkten ziehen muss. Zusätzlich kann man sich nun entscheiden, ob man die ausgewiesene zusätzliche Aktion der Standortkarte durchführen möchte oder nicht (zum Beispiel Karte ziehen, Sonderaktionen durchführen et cetera).

So weit so gut – bei diesem Spiel scheint es auf den ersten Blick nur darum zu gehen, sich zu bewegen, seine Mitspieler mit möglichst guten Treffern langsam, aber sicher aus dem Weg zu räumen und selbst leidlich unbeschadet zu überleben. Um dem ganzen noch ein wenig mehr Würze zu geben, bieten sowohl die weißen als auch die schwarzen Karten noch einige Überraschungen. Die weißen Karten bieten zum Beispiel Schutz oder Heilung, wohingegen die schwarzen Karten zumeist für die Mitspieler äußerst schmerzhafte Überraschungen in Form von diversen Waffen und anderen martialischen Plunder beinhalten.

Wer jetzt meint, welchen Spaß man an einem Spiel haben sollte, bei dem es ums wahllose abmurksen der anderen Spieler geht, sei an dieser Stelle auf etwas sehr wichtiges hingewiesen: Sowohl die Attacke als auch der Einsatz von Karten, die Schäden verursachen, sind im Rahmen des eigenen Spielzuges optional. Und dies auch aus gutem Grund – schließlich muss man herausfinden, welcher der Mitspieler zu den eigenen Verbündeten gehört, da man unter Umständen als Team gewinnt sollte (selbst wenn man vor Spielende stirbt).

Um herauszufinden, wer zu seinen Verbündeten oder der gegnerischen Seite gehört, gibt es die Einsiedlerkarten. Hat man die Möglichkeit eine solche Karte zu ziehen, so nimmt man sie, liest sie sich durch und gibt sie weiter an einen beliebigen Mitspieler. Diese Karten haben besondere Anweisungen wie „Wenn du ein Hunter-Charakter bist, nimm einen Punkt Schaden hin“. Der Mitspieler muss diese Aktion ausführen und so kommt man selbst langsam dahinter, wer zu seinen Verbündeten und wer zu seinen Feinden gehört (oder meint es zumindest zu wissen).

Wenn man erst einmal ein oder zwei Mitspieler mit Eremitenkarten zum Handeln gezwungen hat und einige mögliche Anhaltspunkte über deren Identität besitzt, sollte man seine Attacken gezielter einsetzen können. Allerdings gibt es auch hier lustige Kleinigkeiten wie den Shadow-Charakter „The Unknown“, der als einziger bei dem Einsatz von Eremitenkarten schlicht und ergreifend lügen darf. Man sollte also herausfinden, wer sein Feind oder Verbündeter ist, und unter Umständen die anderen im Unklaren lassen, zu welcher Seite man gehört, oder aber auch einen Mitspieler indirekt davon zu überzeugen, das sein vermeintlicher Verbündeter sein Feind ist.

Bei diesem Spiel darf jeder bluffen, lügen und hinterhältig sein und laut fluchen, wenn es darum geht, Allianzen zu schmieden oder Mitspieler aus dem Weg zu räumen. Wer irgendwann überhaupt nicht mehr durchblicken sollte vor lauter Verdächtigungen, kann auch einfach einen Alleingang machen und als Kamikaze zur Sicherheit nach und nach alle Mitspieler angreifen und massakrieren.

Fazit. Insgesamt macht dieses Spiel riesigen Spaß, da nicht zuletzt die Interaktion zwischen den Spielern bei der Fahndung nach vermeintlichen Verbündeten einen großen Teil ausmacht. Die Anleitung empfiehlt eine Mindestspieleranzahl von fünf Personen, die nach meinem Erachten auch notwendig sind. Besser ist natürlich die volle Besetzung mit maximal acht Spielern, bei denen Shadow Hunters seine volle Spaß-Wirkung entfaltet. Wer also Lust hat, das „Blut seiner Mitspieler zu trinken“ oder sich aber „mit rostigen Äxten zu verhauen“ sei dieses gnadenlos abgefahrene Spiel als Geheimtipp nur wärmstens empfohlen. Die spielbaren Charaktere sind sehr ausgewogen, sodass es letztlich schon fast egal ist, welchen Typ man zieht beziehungsweise für welche Seite man spielt. Scheinbar gibt es für die japanische Fassung ein Ergänzungsset - da mein Japanisch allerdings nicht sonderlich gut ist, werde ich mich wohl oder übel in Geduld üben müssen, bis es entsprechend Nachschub in Englisch oder Deutsch gibt. Humorlose und zartbesaitete Zeitgenossen seien an dieser Stelle allerdings nochmals eindringlich gewarnt: Menschen, die brutale und vollkommen sinnfreie Gewalt kategorisch ablehnen, sollten dieses Spiel besser nicht kaufen - allen anderen wünsche ich viel Vergnügen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
4 - 8
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30 - 60
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Fotos
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Shadow Hunters - Karte von Z-Man Games
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