Sherwood Forest

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 06.12.2009
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Sherwood Forest von eggertspiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Die Erben von Robin Hood machen den Sherwood Forest unsicher und lauern hordenweise den mehr oder weniger begüterten Reisegesellschaften auf, um diese auszurauben. Die Spieler agieren dabei als Bandenchefs im Hintergrund und versuchen, durch geschicktes Management ihrer Räuber möglichst wertvolle Beute zu machen.

Auf dem prächtig gestalteten Spielplan sind der große Wald von Sherwood Forest und zwei sich in der Mitte kreuzende Straßen dargestellt, daneben ein Dörfchen mit diversen Aufenthaltsorten der Räuber. Jeder Spieler erhält ein Räuberlager, vier Spielfiguren und zwei Goldsäcke. Dann werden mehrere Kutschenkarten ausgelegt, eine davon offen. Sie enthalten Angaben zu den Reisegesellschaften, die in der nachfolgenden Spielrunde den Wald durchqueren werden. Reihum setzen die Spieler anschließend eine oder mehrere ihrer Räuberfiguren auf dem Spielbrett ein, um die damit verbundene Aktion ausführen zu können.

Wird beispielsweise ein Räuber im Wirtshaus platziert, darf der jeweilige Spieler sich eine der ausliegenden Kutschenkarten anschauen, um so Informationen zur jeweiligen Reisegesellschaft zu erhalten. Weiter können mit Gold Ausrüstungsgegenstände gekauft werden, die den Kampfwert der eigenen Räuberbande erhöhen oder aber zusätzliche Räuber zur Vergrößerung der Bande in den nachfolgenden Spielrunden.

Am interessantesten und lukrativsten ist allerdings die Planung und Vorbereitung von Überfällen. Dazu werden Räuber in eines der Verstecke gestellt, die entlang der Straßen im Wald eingezeichnet sind. Fragt der jeweilige Spieler dabei die Konkurrenten um Unterstützung an, können diese reihum nach eigenem Belieben Angebote machen, beispielsweise indem sie eigene Spielfiguren und Ausrüstungsgegenstände bereitstellen oder aber Informationen zu den im Wirtshaus ausgehorchten Reisegesellschaften anbieten wollen. Die entsprechenden Figuren und Marker werden im jeweiligen Versteck platziert, dann folgt die Phase der Überfälle.

Dazu wählt der aktive Spieler eine der Kutschenkarten aus, die dann auch gleich abgewickelt wird. Route und Kampfwert der Reisegruppe sind auf der Karte vermerkt, ebenso die Belohnung für eine erfolgreiche Attacke. Mit einer kleinen Kutschenfigur wird vom Startort der Reisegesellschaft auf dem Spielplan aus in Pfeilrichtung die Fahrt durch den Wald dargestellt. Trifft man unterwegs auf ein Versteck mit einer Räuberbande, versucht diese, die Kutsche anzugreifen. Jeder der beteiligten Spieler darf noch maximal eine zusätzliche Ausrüstungskarte aus der Hand ausspielen, bevor die Kampfwerte ermittelt und verglichen werden.

Erweisen sich die Räuber als zu schwach für einen erfolgreichen Überfall, ziehen sie sich klein und hässlich in ihr Versteck zurück und warten auf die nächste Kutsche. Ist der Kampfwert der Angreifer dagegen gleich oder höher als jener der Reisegesellschaft, ist die Attacke in jedem Fall durchzuführen und erfolgreich. Den Beteiligten werden die auf der Karte vermerkten Ruhmespunkte gutgeschrieben, während die übrige Beute, Goldsäcke und allenfalls auch zusätzliche Räuberfiguren, unter den Beteiligten aufgeteilt werden muss. Dafür gelten gewisse Regeln, doch bleibt dem Hauptmann der Räuberbande ein nicht unwesentlicher Spielraum für eigene Willkür zum Nachteil der Mitbeteiligten. Sind alle Angriffe abgeschlossen, werden neue Kutschenkarten bereitgelegt für eine nächste Runde, in der die Spieler ihre Räuberfiguren neu auf dem Brett verteilen können. Das Spiel endet nach sechs Runden und unzähligen Überfällen, worauf die erworbenen Ruhmespunkte über den Sieg entscheiden.

Profiregeln bringen flexiblere Abspracheregeln für die Angriffe auf die Kutschen und zusätzliche Ausrüstungsgegenstände, gleichzeitig aber auch Sheriffs ins Spiel. Diese werden von den Banden vom Straßenrand aus ebenfalls überfallen, wehren sich indessen und können gegebenenfalls gar Angreifer eliminieren, was für den jeweils Betroffenen einen herben Rückschlag darstellt, der fast zu schwer wiegen kann. Ob mit oder ohne Zusatzregeln gespielt wird, ist so primär eine Frage des persönlichen Geschmacks und der Frusttoleranz der Mitspieler.

Das Geschehen auf dem Brett ist interessanter, je mehr Räuber mit von der Partie sind. Allerdings kann nicht wirklich viel im Spiel beeinflusst und gesteuert werden. Reizvoll ist einzig, eine kleine, schäbige Kutsche bei einer bis an die Zähne bewaffneten Bande durchlaufen zu lassen, welche dann auch tatsächlich zum Angriff blasen muss, selbst wenn sie es eigentlich auf eine andere Reisegesellschaft abgesehen hätte. Das zu erreichen braucht etwas Glück. Dafür hallt dann der Zorn der um ihre fette Beute gebrachten Wegelagerer umso länger nach! 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
9
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2009
Spielkategorisierung
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