Shadowrun: Sprawl Überlebenshandbuch

ein spielerischer Artikel von Tanja Weber - 30.04.2004
Shadowrun: Sprawl Überlebenshandbuch

Die Schatten sehen und überleben! Für Shadowrunner ist es nicht nur wichtig, welche Waffen oder Cyberware sie sich anschaffen sollten, sondern genauere Kenntnisse der gesellschaftlichen Verhältnisse sollten auch nicht vernachlässigt werden. Captain Chaos (wer auch sonst) stellt mal wieder sein Talent unter Beweis, wichtige Dateien aus dem Leben eines Runners zusammenzustellen. In Form eines Nachschlagewerkes kann man einiges über die Gesellschaft, Reisen und das sonstige Leben in den Schatten im Jahre 2063 erfahren.

Wie immer hat der Quellenband die Form der einzigartigen Shadowland-Dateien, gespickt mit einer Menge des beliebten Shadowtalks. Wie immer bleibt sich der Leser darüber im Unklaren, was die Wahrheit ist und was Vermutungen, Halbwahrheiten oder ganz einfach Lügen. Das lässt viel Spielraum für Spielleiter, "ihre eigene Wahrheit zu finden".

"Das Leben in den 60ern" ist ein Kapitel über das Alltagsleben, man erfährt so einiges, was auch für den Beruf eines Shadowrunners wichtig ist. Angefangen von der Beschreibung der technologisierten Wohnwelt in den 60ern über Rechtsprechung im Allgemeinen, kann auch der Abschnitt über Rassismus und öffentliche Verkehrsmittel einen großen Einfluss auf das Gelingen eines Runs haben. Natürlich erfährt der Leser auch welche Modetrends sich gerade durchsetzen, welche Filme gut laufen (wie zum Beispiel der neue Simsinn-Streifen "Karl Kombatmage" aus den ADL. Yo Chummer!!!) und welche Sportarten sich die Charaktere vielleicht leidenschaftlich reinziehen. Eine gute Grundlage, um dem eigenen Charakter mehr Tiefe zu geben, wenn man noch keine eigenen Ideen hatte. Oder glaubt etwa jemand, dass ein Straßensam sich ausschließlich für seine Waffen und den nächsten Run interessiert? Auch Shadowrunner haben Freizeit und brauchen die wohl auch als Ausgleich zum harten Runnerdasein.

Das Kapitel "Die Welt ist klein" legt einen Schwerpunkt auf das Reisen. Dort werden zum Beispiel legale und illegale Möglichkeiten vorgestellt, Seattle, ein häufig gewählter Wohnort der Runner, zu verlassen. Egal aus welchem Grund eine Reise stattfinden soll, sei es wegen einem Job, weil man auf der Flucht ist oder - auch das soll vorkommen - einfach weil es mal an der Zeit ist, seinem Charakter einen Urlaub zu gönnen: Verschiedene Reisemöglichkeiten und Tipps für das illegale Reisen werden vorgestellt. Nachrichten aus aller Welt runden das Kapitel ab und bieten einen kleinen Einblick in das sozialpolitischen Klima einzelner Reiseziele.

"Leben in den Schatten" wiederum bezieht sich direkt auf die wichtigsten Dinge, die ein Runner wissen sollte. Dabei wendet sich Captain Chaos vor allem an die Frischlinge der Runner-Szene (bleibt die Frage offen, wie ein Frischling an die Informationen im Shadowland kommen soll). Interessant dabei ist der Blick der Medien auf das Phänomen Shadowrunner. Ansonsten wird zusammengefasst, auf was man achten sollte: unter anderem medizinische Versorgung, Gangs, Hehler und Mr. Johnson. Man könnte das Kapitel fast schon als Checkliste für das Überleben eines Runners in den Schatten nutzen.

Zu guter Letzt gibt es die "Spielleiterinformationen" mit den nötigen Spielwerten und regeltechnischen Umsetzungen der in den Kapiteln angesprochenen Details. Werte für neue Drohnen (Haushaltsdrohnen) lassen sich hier ebenso finden, wie genauere Werte für gefälschte IDs, die sich mit Gaben und Handicaps ausstatten lassen, um den Preis zu erhöhen oder zu senken. Ebenso gibt es im Spielleiterkapitel die Möglichkeit, den Lebensstil genauer auszuarbeiten und ihn so individuell den Ansprüchen anzupassen. Wer wenig Platz und Komfort benötigt, kann zum Beispiel trotzdem einen hohen Anspruch an sein Sicherheitssystem haben. Zusätzlich gibt es auch hier Gaben und Handicaps, die das Leben in solchen Unterkünften erschweren oder erleichtern. Ein besonders gelungener Abschnitt, dessen Lektüre sich lohnt.

Ein nützlicher Quellenband besonders für Spielleiter, die Shadowrun plastisch darstellen wollen, natürlich werden einige Spielleiter schon längst ihre eigenen Ideen zum Alltagsleben der Charaktere haben, aber das Buch hilft beim Finden weiterer Details. Auch Spieler könnten das Buch aus ähnlichen Gründen nützlich finden, außerdem laufen sie keine große Gefahr, wichtige, ausschließlich dem Spielleiter gewidmete Informationen zu entdecken, denn die gibt es hier nicht. In jeder Spielrunde ist ein Exemplar durchaus sinnvoll. Dennoch ist es keine Pflichtlektüre, wenn man mit eigenen Ideen arbeitet. Natürlich macht es Spaß, den Quellenband mit dem Shadowtalk einfach "nur" zu lesen und sich eventuell durch die diversen Andeutungen zu einem Abenteuer inspirieren zu lassen.

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