Spynet

eine Spielerezension von Kevin Ewe - 14.08.2018
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Kartenspiel Spynet - Foto von Z-Man Games
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Wenn sich Richard Garfield, der Erfinder von Magic the Gathering, und Z-Man Games, die Verleger von Pandemie Legacy, zusammentun, dann muss das Produkt eigentlich gigantisch werden. Zumindest an der Größe der unauffällig-gräulichen Schachtel lässt sich das aber erstmal nicht ablesen: Spynet besteht gerade mal aus 84 Karten.

Wie spielt sich Spynet?

Die Spieler sind Agenten-Masterhirne und kämpfen um die Vorherrschaft in vier Bereichen: Vollstreckung (Rot), Infiltration (Grün), Spionageabwehr (Gelb) und Technologie (Blau). Dazu agiert man sowohl mit Agentenkarten in den vier Farben und den Werten von eins bis vier, als auch mit Operationskarten, ebenfalls in den vier Farben und mit Punktwerten von eins bis drei. Das Ziel ist es, Operationskarten verdeckt zu spielen, denn jede abgelegte Operationskarte bringt dem Spieler am Ende der Partie die aufgedruckten Punkte. Allerdings kann man nur Operationskarten in Bereiche ausspielen, in denen der Spieler die Mehrheit an Agentenpunkten besitzt. Dadurch ist man gezwungen, erstmal Agenten zu sammeln und auszulegen, bevor dann mit den Operationskarten die wichtigen Siegpunkte gemacht werden können. Außerdemkann ich nicht alle Karten die ich auf der Hand habe raushauen, sondern maximal eine Agenten- und eine Opreationskarte pro Farbe. Um so mehr Karten ich auf einmal ausspielen kann, je seltener muss ich einen Zug zum auslegen von Karten "verschwenden". Hier ist das Timing bedeutend: Wenn ich zu lange Warte und der Gegner vorher seine Agenten ausspielt, verpasst man möglicherweise die Chance, zumindest temporär eine Mehrheit in einem wichtigen Bereich zu erlangen und die wichtigen Operationskarten versauern ungespielt auf der Hand.

Nachziehmechanismus im Fokus

Man beginnt das Spiel mit nur einer einzigen Karte. Wenn man nicht auslegt, kann man "rekrutieren", was nichts anderes bedeutet als Karten nachzuziehen. Und damit kommen wir zum zentralen Element von Spynet, der Nachziehmechanismus, den Richard Garfield selbst als "Winston Draft" beschreibt. Dabei liegen neben dem Nachziehstapel noch drei weitere Kartenstapel aus auf dem anfangs nur eine Karte liegt. Der Spieler hat in seinem Zug die Möglichkeit, den ersten Stapel anzuschauen. Möchte er den Stapel nicht aufnehmen, kann er den zweiten Stapel anschauen und, wenn er dies ebenfalls nicht möchte, kann auch noch der dritte Stapel angesehen werden. Sagen alle Stapel nicht zu, muss man zum Schluss eine verdeckte Karte vom Nachziehstapel nehmen. Allerdings wird im Anschluss jeder Stapel, den ich mir angeschaut habe, mit einer Karte aufgefüllt, sodass die ausliegendenden Angebote immer spannender werden, bis sich schließlich ein Spieler für den Stapel entscheidet. Indem mal alle Karten anschaut, vergrößert man also gleichzeitig das Angebot für die Gegner. Oft ist es besser, eine Karte, die einem selbst nicht viel bringt, aufzunehmen, nur um zu verhindern das der Gegner nicht die Karte einschließlich aufgestockter Zusatzkarte bekommt.

Wie gut ist das Kartenspiel Spynet?

Noch etwas macht das Kartenspiel Spynet wirklich besonders: Man spielt in zwei Teams gegeneinander, die zusammengehörigen Teeams sitzen sich dabei gegenüber. Habe ich mich für das ausspielen entschieden, kann ich noch eine Karte kann ich in meinen Spielzug verdeckt meinem Partner aushändigen. Das ganze passiert laut Regeln kommunikationsarm, ich darf über Karten nicht sprechen und natürlich auch keine Karten zeigen und mein Partner sollte nun überlegen, was ich ihm mit der ausgehändigten Karte wohl sagen möchte. Das ist stimmig und passt das sehr gut zum Agententhema.

Am außergewöhnlichsten spielt sich Spynet zu viert. Aber auch zu zweit oder zu dritt kann man Spynet spielen, zu zweit vielleicht sogar noch etwas besser als in der Maximalbesetzung, da die Kontrolle größer ist, die man über das Spielgeschehen besitzt. Mir hat das alles sehr gut gefallen. Spynet ist ein flottes Kartenspiel,welches das Maximum aus den schlanken Regeln rausholt. Es entstehen selbst mit Grüblern am Tisch keine Längen. Natürlich ist viel Glück dabei, wenn es um das Nachziehen der Karten geht und wer partout keine hohen Agentenkarten auf die Hand bekommt, wird es schwierig haben, die Oberhand zu gewinnen. Trotzdem hält sowohl das Nachziehsystem, als auch die Tatsache, dass die Operationskarten verdeckt ausgespielt werden, das Spiel bis zur Endauswertung spannend. Richard Garfield hat hier ein schönes Spiel geschaffen, umso irritierender ist es, dass Spynet noch nicht auf seiner Wikipedia-Spielografie auftaucht (Stand: Juli 2018). Kommt sicher noch, vielleicht ist das Spiel aktuell noch zu "Top Secret".

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30-45
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
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