Take Stock

eine Spielerezension von Wolfram Troeder - 30.06.2007
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Take Stock von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Mit Take Stock führt Simon Hunt die Spieler in die Welt des modernen Aktienhandels. Schon die Illustrationen auf der Schachtel, plakativ und knallig in den Farben, lassen nichts Gutes vermuten. Das Innenleben ist eher spartanisch, die Karten rutschen haltlos durch die Schachtel. Außer den 100 Karten im Spielkartenformat besteht der Inhalt aus einem Regelwerk auf Englisch und 30 Stock-Option-Marken. Die Karten sind im gleichen Stil wie die Coverillustrationen gestaltet und auf stabilen Karton gedruckt. Die achtseitige englische Regel setzt eingehende Sprachkenntnisse voraus. Als Ergänzung findet sich im Internet eine deutsche Rohübersetzung. Zum Ausgleich sind die Karten sprachneutral gehalten. Die Karten gliedern sich in Stock-Karten für fünf Firmen und Ereigniskarten, die den Markt in verschiedener Weise beeinflussen können. Die Options-Marken dienen bei den Abrechnungen als Joker. Auf den Stock-Karten sind abhängig vom Wert ein bis vier Anteile angegeben. Vor Spielbeginn werden zwei Stapel, Ereigniskarten und Stock-Karten, gebildet und die fünf Karten mit dem Wert eins von jeder Firma und die Karte „Market Close" aussortiert. Dise wird unter die letzten zehn Ereigniskarten gemischt. Die Einer-Karten kommen nebeneinander auf den Tisch und bilden den Anfang des Aktienmarkts. Jeder Spieler erhält je nach Spielerzahl vier bis sieben Karten und vier Optionen.

Nun ist der Startspieler an der Reihe. Die erste Handlung einer Runde ist das Ziehen einer Stock-Karte, danach wird es kompliziert. Er kann den Kurs einer Firma erhöhen, indem er eine um bis zu vier Nummern höhere Stock-Karte an die Firma anlegt. Er kann auch, abhängig von den ausliegenden Karten, eine Stock-Karte als Anteilskarte vor sich legen und damit Anteile an dieser Firma erwerben. Zusätzlich muss er dann seine Hand dauerhaft um eine Karte verkleinern. Oder er möchte Ereigniskarten. Dann wirft er eine Stock-Karte verdeckt auf den Ablagestapel und zieht die oberste, die er verdeckt vor sich ablegt, oder sieht sich die beiden obersten Karten an, von denen eine sofort gespielt werden muss; die andere geht verdeckt auf den Ablagestapel. Als letztes kann er noch eine Stock-Karte abwerfen und eine Ereigniskarte, die aus einer vorherigen Runde vor ihm liegt, spielen. Die Ereigniskarten können in verschiedener Weise auf den Kurs einer oder mehrerer Firmen positiv oder negativ komplexen Einfluss nehmen. Danach ist der nächste Spieler an der Reihe.

Abgerechnet wird, wenn die Karte „Market Close“ erscheint, ein Spieler seine letzte Handkarte abgeben muss oder der Kurs einer Firma den Wert elf oder zwölf erreicht. Dann wird abgerechnet. Der Wert einer Firma wird aus dem Aktienkurs, der höchsten Stock-Karte und und den anliegenden Ereigniskarten gebildet und mit den jeweiligen Anteilskarten eines Spielers multipliziert. Dabei kann er noch seine Optionen wahrnehmen und pro Marke eine Handkarte mit Anteilen in Anrechnung bringen. Die benutzten Optionen verfallen. Dann wird die Spielfläche wieder geräumt und die nächste Runde beginnt. Nach der vierten Abrechnung ist das Spiel zu Ende.

Take Stock spielt sich jede Runde völlig unterschiedlich, je nach den vorkommenden Karten und der Anzahl und des Spielstils der Mitspieler. Es kann zu einem stetigen Aufbauspiel kommen oder zu einer offenen Ereigniskartenschlacht, die die Aktienwerte nahe eins hält. Eine langfristige Strategie ist deswegen kaum zu entwickeln, zudem die Handlungsalternativen gering sind und überwiegend von den Karten diktiert werden. Stockungen des Spiel bringen immer wieder die Pausen, die benötigt werden um Ereigniskarten richtig zu identifizieren und sich deren komplizierte Auswirkungen wieder ins Gedächtnis zu rufen. Ein flüssiges Spiel kommt erst nach vielen Runden auf und muss jedes Mal neu erarbeitet werden.

Das Spiel ist zu kurz für die ganzen Regeln, insbesondere wenn die deutsche Übersetzung nicht zur Verfügung steht, da viele Festlegungen der intuitiven Wahrnehmung entgegen laufen. Eine Verlängerung durch mehr Wertungen erhöht den Spielspass nicht. Für ein Kartenspiel, dessen Karten mehrfach genutzt werden, gibt es wesentlich bessere Umsetzungen und gerade San Juan hat hier die Latte sehr hoch gelegt. Take Stock ist ein Beispiel für ein Spiel, das überwiegend für Sammler interessant ist. Zum Spielen selbst kann ich es nicht empfehlen, das krasse Missverhältnis zwischen Länge und Komplexität der Regeln, die verwirrenden Spielmechanismen und die uninteressante Aufmachung lassen Spielfreude nicht einmal in Ansätzen aufkommen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2006
Spielkategorisierung
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